Das gilt auch für Syrer im Libanon. Ich habe in Beirut im Viertel der Hisbollah eine Familie mit vier Kindern besucht. Sie haben ein Haus in Homs. In Beirut wohnen sie in ärmsten Verhältnissen, leben von der Arbeit in einer Werkstatt. Alle Kinder müssen nach der Schule mithelfen. An den Händen sieht man es. Der Libanon will die etwa 1,3 Millionen syrischen Flüchtlinge gerne loswerden. Familien bekommen weniger Geld, es wird Druck gemacht.
Aber wo soll diese Familie in Homs hin? Ihr Haus dort ist zerstört. Ich habe die Bilder gesehen. Wer bezahlt den Wiederaufbau ihres Hauses, damit sie da wohnen können?
Eine mögliche Rückkehr nach Syrien ist ein vielschichtiges Thema. Ich habe es im Libanon mit Familien, Studenten und arbeitenden Menschen besprochen. Von Deutschland bekommen Rückkehrer immerhin Geld für einen Neuanfang, vom Libanon nicht. Ich finde die Einstellung der EU richtig. Sie vergibt keine Gelder an die syrische Regierung, sondern nur an internationale Hilfsorganisationen. Aber es muss mehr sein: Wir müssen Leuchtturmprojekte in Syrien initiieren. In die Entwicklung dieser Leuchtturmprojekte müssen Syrer:innen in Deutschland mit eingebunden werden. Das können Schulen, Universitäten, Krankenhäuser oder anderes sein.
Es könnte ja beispielsweise jemand auf eine Ordensgemeinschaft in Deutschland zugehen: Könntet ihr euch nicht vorstellen, in Homs oder woanders eine Niederlassung aufzumachen - vielleicht mit einem Krankenhaus oder einer Schule? Habt ihr hier in Deutschland in eurem Arbeitsumfeld Syrer und Syrerinnen, die vielleicht mitgehen und mit aufbauen? Könntet ihr solch ein Leuchtturmprojekt entwickeln, wenn wir es finanzieren? In so einem Projekt könnte vieles mitwachsen. Ärzte, die für eine gewisse Zeit kommen, Jugendliche für ein freiwilliges Auslandsjahr. Anstelle einer Ordensgemeinschaft wäre auch eine Diözese denkbar, die genau das machen würde.