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Rettungspaket für die Seele

Beim traditionellen Schwörgottesdienst in Ulm haben die Kirchen an die Zusage Gottes erinnert: „Fürchte dich nicht … du bist mein!“

Ulm (Donau)

Der katholische und der evangelische Ulmer Dekan, Ulrich Kloos (links) und Ernst-Wilhelm Gohl, leiteten den Schwörgottesdienst im Ulmer Münster. Foto: DRS/Jerabek

Nachdenklichkeit, aber auch gesunde christliche Zuversicht prägte den ökumenischen Schwörgottesdienst im Ulmer Münster. Seit dem Zweiten Weltkrieg sei es für die Menschen in Deutschland praktisch „immer nach oben“ gegangen, „wir hatten das Gefühl, wir leben in Sicherheit“, sagte der evangelische Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Doch durch die Corona-Krise habe sich diese vermeintliche Sicherheit als zerbrechlich herausgestellt.

In dieser Zeit der Verunsicherung, die Corona mit sich bringe und die auf vielfältige Weise in den Alltag und auch in die Kirchen und das Gemeindeleben reiche, helfe der Blick in die Menschheitsgeschichte, erinnerte der katholische Dekan Ulrich Kloos in seiner Predigt. Die Bibel sei eine „unerschöpfliche Quelle, in der Menschen solche Erfahrungen ihrem Gott gegenüber ins Wort gefasst und zur Sprache gebracht haben“.

So etwa der Prophet Jesaja in Kapitel 43, Vers 1 bis 3, dessen Worte, die er von Gott gehört hat, „genau in diese Situation heute gesprochen“ zu sein scheinen, sagte Kloos.

Jes 43,1-3

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!  Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. (Jes 43,1-3)

Mit innerem Kompass durch die Krise

Die gewählten Bilder, in denen Wasser und Feuer dem Menschen letztlich nichts anhaben können, seien auch mit Blick auf die verletzliche Seele eine Zusage: „Wenn alles zuviel wird, wenn mir das Wasser bis zum Hals steht, und ich in der Fülle der Anforderungen in der starken Strömung den Halt mit den Füßen zu verlieren drohe, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass er da ist. Auch wenn es richtig heiß hergeht im Leben, wenn in verschiedenen, völlig konträren Positionen und Diskussionen die Gemüter sich erhitzt haben, ja auch dann ist er da“, sagte Dekan Kloos.

Gott biete sich hier als Rettung und „Rettungspaket für unsere Seele an“. Seine Zusage könne wie ein innerer Kompass dabei helfen, um durch diese Krise zu kommen. Gottes Zusage erspare dem Menschen zwar nicht „Erfahrungen der Unsicherheit, des Überfordertseins oder der hitzigen Diskussionen. Sie nimmt uns auch nicht die Ängste schlagartig weg. Aber ich bin überzeugt, sie bewahrt uns vor übertriebener Ängstlichkeit, vor übertriebener Distanz und vor übertriebenem Stillstand in unserer Gesellschaft genauso wie vor Übermut, Ignoranz und Leichtsinn. Sie gibt uns eine gesunde Zuversicht mitten in dieser Angst und den nötigen Mut, unseren Alltag gemeinsam zu bewältigen, mit der nötigen Vorsicht und Umsicht, aber auch mit dem Augenmaß, was wirklich nötig ist“, sagte Kloos. „Denn im tiefsten Innersten weiß ich mich geborgen bei meinem Gott, weiß ich mich getragen und begleitet von ihm.“

Prophetische Menschen

Die heutige Zeit brauche prophetische Menschen wie Jesaja; sie brauche Christen, „die diese Botschaft verkörpern und leben“; Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich einbringen in dieser Stadt, sagte Kloos auch mit Blick auf den Schwörtag, das Ulmer Verfassungsfest, in dessen Mittelpunkt das 675 Jahre alte Bekenntnis zu einer freien selbstbestimmten Stadtgesellschaft steht, in der es gleichberechtigt, gerecht und solidarisch zugeht.

Schwörmontag

Der Schwörmontag kennzeichnet Beginn und Ende des politischen Jahres in Ulm. Der Oberbürgermeister legt dabei den Bürgerinnen und Bürgern Rechenschaft ab und schwört zum Abschluss seiner Rede traditionell, "Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein".

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