Er pflegt eine persönliche Statistik, um wiederkehrende Gäste vergangenen Besichtigungen zuordnen zu können. Denn er hat sich ein Stammpublikum aufgebaut.
Werthwein jongliert nicht mit historischen Daten und Zahlen, dass es den Zuhörern schwummrig wird. Er geht eher impressionistisch vor. Er betrachte das Kloster durch die Augen der Besucher, sagt Werthwein. Anhand ihrer Fragen habe er recherchiert und sein Wissen über die Anlage gesammelt.
Zahlensymbolik hinter jeder Stufe
Nach 1600 Führungen kann er aus seinem Kenntnisfundus situativ ein zur Gruppe passendes Wissenshäppchen anbieten. Als der Familientagstrupp zum Beispiel die Klosterkirche durchs Hauptportal betreten hat, weist Werthwein auf die gerade überwundenen 15 Stufen hin: drei Stufen für die Dreifaltigkeit und zwölf Stufen für die Apostel. „Solch eine Zahlenmystik war die Leidenschaft von Abt Knittel“, erklärt Werthwein.
Dabei weiß er, dass die religiöse Symbolik, die sich in vielen Ausstattungsdetails verbirgt, nicht nur Kinder vor ein Rätsel stellt. Auch Erwachsene können heutzutage mit ihr häufig nicht mehr viel anfangen. Er wolle nicht, dass sich die Besucherinnen und Besucher deswegen doof fühlten, sagt Werthwein am Rande der Führung. Er streut sein Wissen daher wie beiläufig ein und auf Augenhöhe mit den Gästen, wie zu erleben ist.
Was sich noch verändert hat: Früher haben laut Werthwein Reisebusse mit Chor- und Vereinsausflügen einen Zwischenhalt in Kloster Schöntal eingelegt. Heute zeigt er vor allem Gruppen, die sich im Bildungshaus einquartiert haben, Familiengruppen, Freundesgruppen und Radtourgruppen das Kloster. Ebenso sei die Kirchenkritik, die sich Werthwein bis vor wenigen Jahren aus der einen oder anderen Gruppe anhören musste, echtem Interesse gewichen. Werthwein nimmt geradezu eine Sehnsucht bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern wahr.