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Segen für den Bodensee

In Friedrichshafen bitten Christinnen und Christen beim Gondelhafen um Gottes Beistand für Erholungssuchende, Fischer und Rettungskräfte.

Friedrichshafen
Der Pfarrer in Chorrock und Hemd mit roter Stola macht das Kreuzzeichen über den See. Markus Waggershauser

Friedrichshafens Dekan Bernd Herbinger segnet vom DLRG-Boot aus im Beisein von Pastoralreferent Philip Heger (l.) den Bodensee. Foto: DRS/Waggershauser

Das Leben am größten Binnensee Deutschlands, an den auch die Schweiz und Österreich grenzen, ist schon etwas Besonderes. Gerade bei extremer Hitze lockt er mit seinen aktuell etwa 25 Grad Wassertemperatur Einheimische und Touristen zur „Abkühlung“ in seine Wogen und die Abendsonne verbreitet an der Uferpromenade mediterranes Flair. Doch der Bodensee kann auch anders. Plötzliche Gewitter mit Orkanböen bringen immer wieder Boote zum Kentern und fordern Rettungskräfte heraus. Für Erholungssuchende und diejenigen, die beruflich und helfend auf dem See unterwegs sind, baten Dekan Bernd Herbinger, Pastoralreferent Philip Heger und die Ministrant:innen auf den Booten sowie etwa 70 Gläubige vom Ufer aus in Friedrichshafen um Gottes Segen.

Die Taufe Jesu am Jordan, die Stillung des Seesturms oder die Begegnung der Jünger mit dem Auferstanden am Ufer - viele biblische Geschichten ereignen sich am oder im Wasser. Ob Jordan und See Gennesaret oder Bodensee und seine Zuflüsse, das Ambiente ist ähnlich. Und so durften in der Litanei, die Heger vom Boot aus anstimmte, neben Heiligen und Seligen der Region Johannes der Täufer - sein Festtag war am 24. Juni - sowie Petrus und Paulus nicht fehlen. „Petrus war Fischer und Paulus war als Seefahrer unterwegs und hat auch Schiffbruch erlitten“, stellt der Theologe den Zusammenhang her zu den beiden, deren Patrozinium die Kirche heute feiert.

Der Bodensee als Lebensgrundlage ist bedroht

In Friedrichshafen war die Seesegnung am Sonntag nach dem Gottesdienst in St. Nikolaus Premiere, im bayerischen Wasserburg hat sie bereits eine über zehnjährige Tradition. Dort entstand die ökumenische Bootsprozession aus Solidarität mit den Petrusjüngern, den Fischern. Seit der See immer sauberer wird, finden die Fische weniger Nahrung und der Bestand geht zurück. Andererseits sinkt durch die steigenden Wassertemperaturen im Zuge der Klimaerwärmung der Sauerstoffgehalt, was Pflanzen und Tiere stresst. Auch das anhaltende Niedrigwasser - derzeit ein Meter unter dem langjährigen Mittelwert - beeinträchtigt nicht nur die Schifffahrt nachhaltig.

Die Minis steuerten ihre Tretboote mit Muskelkraft und chauffierten auch den Saxofonspieler, während der Priester und der Pastoralreferent den kurzen Weg bis zur Hafeneinfahrt mit dem Motor-Einsatzboot der DLRG zurücklegten. Dort nahmen sie die Fischer, Tiere und Pflanzen, die Behörden, Politiker und Wissenschaftler mit ins Gebet, aber auch Erholungssuchende und Sportler, Anrainer und Einsatzkräfte sowie diejenigen, die im See ums Leben kamen. Ihnen allen galt das Vater unser, das Kreuzzeichen und das Weihwasser sowie das Lied „Großer Gott, wir loben dich“. Ob der Segen auch bei den Stuttgartern ankommt, bei denen das Bodenseewasser täglich aus dem Hahn sprudelt?

Kunstinstallation „Aquasphäre“

Die Seesegnung ist Teil des Rahmenprogramms der Kunstinstallation in der Kirche St. Nikolaus in der Friedrichshafener Innenstadt, das am Donnerstag, 9. Juli, um 19 Uhr mit einer Podiumsdiskussion und am Sonntag, 12. Juli, mit der Finissage nach dem Gottesdienst um 12 Uhr endet.

Wasser ist eines der ältesten Symbole der Menschheit – Ursprung, Reinigung, Wandlung. Die Aquasphäre umfasst all das Wasser der Erde: Ozeane, Wolken, Flüsse, Tropfen, Atem. Ein globaler Kreislauf, der die Menschen durchströmt, nährt, verbindet. Die Gemälde der Künstlerin Brigitte Meßmer im Altarraum laden ein, Wasser nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen, sondern als elementaren Vollzug der Schöpfung. Das randvolle Becken, in das es unaufhörlich tropft, macht den Moment deutlich, in dem Fülle zu Überfluss wird und Stille zu Klang.

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