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Sich unters „Zufallen" Gottes stellen

In Freude und Dankbarkeit haben Wallfahrer zu Pferd und zu Fuß den Gedenktag des heiligen Silvester, Schutzpatron der Pferde und Haustiere, gefeiert.

Westhausen (Württemberg)

Silvesterritt in Westhausen: Mit dem Segen Gottes - gespendet von Domkapitular Holger Winterholer - reiten auch die Ministrantinnen und (dahinter) Pfarrer Matthias Reiner mit Zuversicht ins neue Jahr. Foto: drs/Jerabek

Um die Jahreswende, wenn man einander Glück und Gottes Segen wünscht, ist die oft gestellte Frage nach „Zufall oder Fügung“ im Leben der Menschen naheliegend. Gibt es für uns Christen Zufälle? „O ja, ich würde sogar sagen: nur“, sagte Domkapitular Holger Winterholer, Ehrengast beim traditionellen Silvesterritt in Westhausen, und präzisierte sogleich: „Alles fällt uns zu – und zwar von Gott her.“ Beim Silvesterritt stellen sich Wallfahrerinnen und Wallfahrer unter den Segen Gottes – „und das heißt konkret: wir dürfen uns im kommenden Jahr unter das ‚Zufallen‘ Gottes stellen lassen“, so die salomonische Erläuterung des Festpredigers.

„Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir nicht einem blinden Schicksal unterworfen sind, sondern dass Gottes Handeln dahintersteht und wir durch ihn auch die Kraft erhalten, es zu bewältigen“, sagte Winterholer, der im Bischöflichen Ordinariat die Hauptabteilung „Pastorales Personal“ leitet. „Mit Offenheit und Zuversicht sowie mit dem heiligen Geist Gottes, der uns geschenkt ist, ja zufällt, wird es möglich sein, mit all den Zufällen im Jahr 2024 – den persönlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen – umzugehen, sie für uns und für unsere Mitmenschen auch fruchtbar zu machen“, sagte Winterholer vor 173 Reiterinnen und Reitern und zahlreichen Wallfahrern und Schaulustigen vor dem Rathaus Westhausen. In Sachen Zuversicht sei der heilige Silvester, dessen Name ansonsten am letzten Tag des Jahres für alles Mögliche herhalten müsse, ein leuchtendes Vorbild.

Mit Mut die Gegenwart Gottes bezeugen

Bereits in seiner Predigt bei der Pilgermesse in der St.-Mauritius-Kirche beschrieb Winterholer den heiligen Silvester als einen Menschen, der den Mut hatte, sich den Bedrohungen und Herausforderungen seiner Zeit zu stellen (Amtszeit von 314 bis 335). Dazu zählten etwa lehrmäßige Abspaltungen, die beim ersten Ökumenischen Konzil der Geschichte in Nizäa im Jahr 325 verhandelt wurden. Das Konzil formulierte zentrale Elemente des Glaubensbekenntnisses, in denen es um die Gottheit und Wesenseinheit des Sohnes mit dem Vater geht, und bekräftigte die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes, der sich in drei Gestalten zeigt: als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Auch wenn Silvesters Wirken legendär überhöht ist, galt er nach seinem Tod vielen Zeitgenossen gleich als „Bekenner“.

Mit dem Silvesterritt stellten sich die Menschen in diese Tradition des Mutes und der Zuversicht und machten sich bewusst: „Gott ist es, der uns begleitet und führt“, betonte der Prediger. Mit diesem Wissen und mit Kraft aus dem Glauben könne man ins neue Jahr gehen. Die Bitte um den Geist Gottes für ein gutes Miteinander und im Dienst für den Frieden, die Bitte um den Mut, durch Wort und Tat im Alltag die Gegenwart Gottes zu bezeugen und die Bitte um Beistand in den Krisen unserer Zeit trugen die Gläubigen deshalb vor Gott.

In Vorfreude auf das 400-Jahr-Jubiläum

Der gastgebende Pfarrer Matthias Reiner begrüßte neben dem Festprediger aus Rottenburg weitere Ehrengäste, darunter den Landtagsabgeordneten Winfried Mack, den Altbürgermeister und Ehrenbürger von Westhausen, Herbert Witzany, mit Ehefrau Ulrike sowie Bürgermeister Markus Knoblauch, der vor dem Rathaus auch ein Grußwort sprach. Pfarrer Josef Höfler, der als Pensionär in der Seelsorgeeinheit Kapfenburg wirkt, nahm mit drei Ministrantinnen in der Kutsche Platz, von der aus Domkapitular Winterholer die Reiterinnen und Reiter an der Silvesterkapelle segnete.

Fahnenabordnungen, der Kirchenchor St. Mauritius, der Gesangverein Concordia und der Musikverein Westhausen sowie der Fanfaren- und Musikzug Lippach gaben dem Wallfahrtstag optisch und musikalisch ein festliches Gepräge. Pfarrer Reiners Dank galt nicht zuletzt auch „Mr. Silvesterritt“ Erich Hoffmann, der die organisatorischen Zügel des Ritts seit fünf Jahrzehnten in der Hand hat. „Ich freue mich sehr, dass wir diese Tradition haben dürfen“, sagte Reiner, der mit den Westhausenerinnen und Westhausenern sowie vielen Reiterinnen und Reitern aus der ganzen Region schon dem 400-Jahr-Jubiläum des Silvesterritts 2026 entgegenfiebert.

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