Thomas Herrmann Sie bringt die Vielfalt des Lebens zum Klingen
Thomas Herrmann Einzug in die Reutener Nikolauskirche unter der blumengeschmückten Orgel. Foto: Thomas Herrmann
Vorhandenes, das sich bewährt hat und noch brauchbar ist, mit bezahlbarem Neuem zu kombinieren, das hat im Mittelbiberacher Ortsteil Reute gute Tradition. Von der zunehmend maroden und ständig reparaturanfälligen Barockkirche steht heute nur noch der stabile Turm. Das Gotteshaus, das im Jahr 1973 wie das alte dem heiligen Nikolaus geweiht wurde, entstand neben ihm in Fertigbauweise nach Plänen des Architekten Gerold Reutter aus Wernau. Der schlichte, einladende Bautyp mit den tiefgezogenen Dachschrägen ist an weiteren 16 Orten in der Diözese verwirklicht. Jetzt leben auch in der neuen Orgel, die Weihbischof Dr. Gerhard Schneider am Sonntag weihte, noch brauchbare Register des Vorgängerinstruments weiter.
„Mit der Anschaffung einer gebrauchten Orgel wurde die bisherige, die in Teilen schon seit 1923 in Betrieb war, ersetzt“, erklärt Claudia Zanker, gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Orgelbaumeister Josef Pferdt aus Isny wurde in einer aufgelösten Kirche in Wiesbaden fündig. In Abstimmung mit den örtlichen Organistinnen baute er in das erworbene Instrument zusätzlich nicht nur die in Reute vorhandenen Pfeifen ein, sondern erweiterte es um ein zweites Manual und einen Schweller, mit dem man die Lautstärke regeln kann. Der renommierte Organist und Chorleiter Franz Raml brachte die 13 Register im Weihegottesdienst erstmals zum Klingen - solistisch, aber auch gesanglich unterstützt vom Kirchenchor Ringschnait und der ganzen Gemeinde.
Großes Engagement der Gemeinde macht es möglich
„Ich finde es großartig, dass Sie in den letzten Jahren dieses wunderbare Projekt durchgezogen haben“, lobte Weihbischof Schneider die Reutener, bevor er die Orgel mit Weihwasser besprengte. Für gar nicht wenige Menschen, vor allem für junge, werde Glaube, Liturgie und Gottvertrauen überhaupt erst durch Musik erfahrbar. „Wie könnte das besser gelingen als mithilfe dieses so ungewöhnlichen und einzigartigen Instruments, das die Fülle und Vielfalt der Klänge des Lebens so wunderbar fassen kann“, fragte der Weihbischof in seiner Predigt. Neben den Gottesdiensten setzt die Kirchengemeinde künftig auch auf Konzerte und andere musikalische Akzente mit der neuen Orgel.
Bisher haben neben Pferdt auch Ehrenamtliche viele Stunden in die Orgel investiert. Zanker und Pfarrer Wunibald Reutlinger dankten ihnen am Ende des Gottesdienstes für ihre enorme Leistung. Bei verschiedenen Spendenaktionen konnte die Kirchengemeinde auf die örtlichen Vereine, aber auch auf viele private Unterstützer:innen zählen. Die Orgeleule OrgY sorgte zusammen mit Kindern für den Verkauf von Basteleien. Von den Gesamtkosten von 50.000 Euro sind 14.000 Euro über Spenden zu finanzieren. In relativ kurzer Zeit kamen bereits 11.000 Euro zusammen. „Dies zeugt vom Interesse und dem Zusammenhalt im Ort, aber auch in der ganzen Seelsorgeeinheit Biberach-Umland“, freut sich die Kirchengemeinderatsvorsitzende.