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"Sind bestürzt und betroffen"

Segnung homosexueller Paare: In einer persönlichen Stellungnahme fordern die Vorsitzenden des Diözesanrats, die kirchliche Lehre zu ändern.

Rottenburg/Stuttgart

Dr. Johannes Warmbrunn, Veronika Rais-Wehrstein, Martin Stöffelmaier (von links). Privatbilder/Montage: DRS

Das "Nein" aus Rom zur Segnung homosexueller Partnerschaften hat weltweit Reaktionen ausgelöst. Am Montag hat die Glaubenskongregation den Bestrebungen, eine solche Segnung einzuführen, eine deutliche Absage erteilt. Auch im Diözesan- und Priesterrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat die Note aus Rom Reaktionen hervorgerufen. Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart, Martin Stöffelmaier, Sprecher des Priesterrats Rottenburg-Stuttgart, und Veronika Rais-Wehrstein, Beisitzerin des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart, haben eine persönliche Stellungnahme verfasst, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Persönliche Stellungnahme zum Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts:

„Auf das vorgelegte Dubium: Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen? wird geantwortet: Nein.“ So beginnt die römische Verlautbarung, die in mehrere Sprachen übersetzt vorliegt und restriktive Vorgaben macht. Die Begründung dieser Ablehnung ist inhaltlich und im Sprachstil schwer nachzuvollziehen.

„Wir sind bestürzt und betroffen über den Inhalt des „Responsum ad dubium“. Wir können nicht akzeptieren, dass eine Segnung von Beziehungen homosexueller Menschen den „Plänen Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben sind“ widerspricht, und solidarisieren uns mit allen, denen daran liegt, unsere Kirche auf die jesuanische Botschaft immer wieder neu auszurichten.

Alle Menschen sind nach Gottes Ebenbild geschaffen. Jeder Mensch ist damit objektiv Ausdruck der geoffenbarten Pläne Gottes, auch in homosexuellen Beziehungen lebende Menschen. Sie alle gehören zum Schöpfungswerk Gottes.
Gott ist die Liebe. Die zwischen den Menschen gelebte Liebe ist ein ganzheitliches Geschehen, sie darf nicht allein auf die sexuelle Praxis reduziert werden. Wenn in liebevollen homosexuellen Beziehungen lebenden Menschen ein Segen verweigert wird, muss dies sie und alle ihnen nahestehenden Menschen zutiefst verletzen. All diesen Menschen gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Die Verweigerung eines Segens widerspricht dem kirchlichen Auftrag, gelebte Liebe unter allen Menschen zu fördern.

Zudem führen Verbote nicht weiter, sie spalten eher und ersetzen keine Argumente. Es ist zu befürchten, dass das römische Schreiben auch in Zusammen-hang mit den momentanen Ereignissen im Erzbistum Köln dazu beiträgt, weiter Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wir hoffen aber, dass die Mühe aller, die in der Pastoral verantwortlich sind, sich weiterhin mutig positionieren und daran mitwirken, im Sinne des letzten Konzils die Zeichen der Zeit zu deuten und sie im Lichte der Frohen Botschaft zu verstehen.

„Wir fordern daher, die kirchliche Lehre in dieser entscheidenden Frage zu ändern. Gelebte Liebe ist in ihren vielfältigen Ausdrucksformen umfassend anzuerkennen und durch Segnungen öffentlich und in würdiger Form zu bekräftigen.“

Dr. Johannes Warmbrunn,
Sprecher des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart
Martin Stöffelmaier,
Sprecher des Priesterrats Rottenburg-Stuttgart
Veronika Rais-Wehrstein,
Beisitzerin des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart

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