Wo aktuell noch Wiese ist, entsteht in den kommenden Monaten ein gemeinsamer Ort für Begegnung, Veranstaltungen, Gruppenarbeit und ökumenisches Gemeindeleben. Damit wird nun in Bavendorf, einem Teilort von Ravensburg, aus einer Idee, die vor sieben Jahren ihren Anfang nahm, Wirklichkeit.
„Räume gemeinsam zu nutzen, besonders in der heutigen Zeit, wo wir doch als Kirchen gemeinsam vor so einigen Herausforderungen stehen, das ist eine zukunftsweisende Entscheidung.“ begrüßte Pfarrer Thomas Kley, Leitender Pfarrers der Seelsorgeeinheit Ravensburg-West im Dekanat Allgäu-Oberschwaben, zu der die katholische Kirchengemeinde St. Columban in Bavendorf gehört, die Anwesenden.
Kirchen reagieren auf veränderte Rahmenbedingungen
Denn beide christlichen Kirchen in Baden-Württemberg stehen vor großen Herausforderungen: während die Zahl der Kirchenmitglieder spürbar zurück geht und damit auch die finanziellen Spielräume kleiner werden, wandeln sich auch die pastoralen Anforderungen an den kirchengemeindlichen Gebäudebestand. Das Ziel der Klimaneutralität wirkt als zusätzlicher Impuls für neue Konzepte.
Auch vor diesem Hintergrund begannen die evangelische Kirchengemeinde Bavendorf-Winterbach und die katholische Kirchengemeinde St. Columban in Bavendorf bereits vor mehreren Jahren, ihre Räumlichkeiten vor Ort neu zu denken. So überlegte die katholische Kirchengemeinde, ihr bestehendes Gemeindehaus in der Kornstraße zu veräußern, das ehemalige Pfarrhaus in der St.-Kolumban-Straße als Gemeindehaus umzunutzen und einen Anbau zu errichten. Die evangelische Kirchengemeinde wollte ihre Gemeinderäume in Winterbach konzentrieren und daher ihr bestehendes Gemeindehaus in Bavendorf verkaufen. Damit der evangelischen Kirchengemeinde dennoch auch weiterhin in Bavendorf Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, kam die Idee, gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde ökumenisch genutzte Räumlichkeiten zu realisieren.
Ein Vorzeigeprojekt der Ökumene
Nach zahlreichen Gesprächen und Abstimmungen zwischen den beiden Kirchengemeinden, mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Württembergischen Landeskirche und der Stadt Ravensburg, nach der Gründung eines ökumenisch besetzten Bauausschusses, einem Architektenwettbewerb und zahlreichen kleinen und großen Planungsschritten liegt inzwischen die Baugenehmigung vor. Nun können die Bauarbeiten für das ökumenische Gemeindehaus beginnen.
„Der heutige Spatenstich ist das Ergebnis, ja der Lohn für langes, beharrliches Draufzuarbeiten. Und der heutige Spatenstich ist ein Wegweiser in die Zukunft – beide Konfessionen werden ihre Gemeindearbeit unter einem Dach tun.“, fasste Dr. Martin Hauff, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Ravensburg zusammen und betonte gleichzeitig die Chance des Gemeindehauses, „dass hier die Bereitschaft gelebt wird, auszuhalten, dass wir in vielem verschiedener Meinung sind, und durchzuhalten, dass wir einem Herrn gehören.“
Auch Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren, Leiter des Bischöflichen Bauamts und Leiter des Programms „Räume für eine Kirche der Zukunft“, der das Projekt von Beginn an begleitete, zeigte sich erfreut: „Das Projekt und der nun erfolgte Spatenstich in Bavendorf zeigt, wie die Zukunft der vielen kleinen Kirchorte in der Zukunft aussehen kann: Gemeinsam, ökumenisch und ein denkmalgeschütztes Gebäude weiterentwickelnd. Das neue, kleine ökumenische Gemeindehaus ist tatsächlich ein idealtypisches Beispiel für unsere Räume in einer Kirche der Zukunft.“
Ein gemeinsamer Ort für Begegnung und Gemeindeleben entsteht
Im Architekturwettbewerb im Jahr 2023 hatten die Pläne des Architekturbüros Braunger Wörtz aus dem Alb-Donau-Kreis überzeugt: Diese sehen vor, das denkmalgeschützte Pfarrhaus mit einem modernen, nachhaltigen Holzbau zu verbinden. Im Mittelpunkt soll ein barrierefrei zugänglicher Gemeinschaftsplatz unter einer bestehenden Linde entstehen, während flexible Veranstaltungsräume und ein gemeinsamer Saal das ökumenische Gemeindeleben stärken sollen.
„Wie schön ist das Bild – da kommen zwei zusammen und bilden ein neues Ganzes“, brachte Architekt Marcus Wörtz die Idee des Projekts auf den Punkt.
Auch die Stadt Ravensburg blickt mit großem Interesse auf das modellhafte ökumenische Projekt – so waren neben kirchlichen Vertreter:innen auch kommunale anwesend und feierten mit.
Gelebte Ökumene beim Festakt
Die Veranstaltung selbst war bereits ein gelungenes Beispiel gelebter Ökumene. Mit großem Engagement hatten beide Gemeinden ein großes Kuchen-Buffet bereitgestellt, das beim gemütlichen Beisammensein großen Zuspruch fand.
Musikalisch umrahmt wurde der Spatenstich von Klängen des ökumenischen Chors und des Bavendorfer Musikvereins.
So wurde bereits an diesem Nachmittag sichtbar, was Pfarrer Thomas Kley für das entstehende Gemeindehaus formulierte: „Unser ökumenisches Gemeindehaus werden wir als katholische und evangelische Kirchengemeinden lebendig werden lassen – durch die vielen Menschen, die sich hier begegnen werden, die Gemeinschaft erleben und hier Glaube und Leben miteinander teilen werden.“