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Spenden unterstützen Bedürftige vor Ort

Zwei Menschen erzählen, wie ihnen Stadtdiakon Martin Rebmann mit der Aktion „Häfler helfen“ in verschiedenen Notlagen beistehen konnte.

Friedrichshafen
Ein Teil des Kopfes des Klienten ist von hinten zu sehen, der Diakon ihm gegenüber von vorne. Markus Waggershauser

Stadtdiakon Martin Rebmann unterhält sich mit Omar (name geändert) in seinem Büro. Foto: DRS/Waggershauser

Schicke Yachten, bedeutende Großunternehmen und ein umfangreiches Kulturprogramm - dafür ist Friedrichshafen am Bodensee bekannt. Aber auch hier leben Menschen, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen können, die ohne Versicherungsschutz schwer erkranken oder die ein Schicksalsschlag aus der Bahn wirft. Für sie hat Stadtdiakon Martin Rebmann ein offenes Ohr. Im Einzelfall kann er durch seine Kontakte oder mit Geld eine Notsituation überbrücken oder die Lösung des Problems anstoßen. Die finanziellen Mittel kommen von „Häfler helfen“, wofür die evangelische und die katholische Kirche in der Stadt sowie die Schwäbische Zeitung seit knapp 25 Jahren um Spenden bitten. Die Weihnachtsaktion 2025/26 brachte ein Rekordergebnis von 239.759 Euro.

„Deutschland ist meine Heimat geworden“, sagt Omar, der aus Algerien stammt und eigentlich anders heißt. Der gelernte Aufzugsmonteur ist heute Ende vierzig und spricht in seiner Familie nur Deutsch. 2001 kam er nach Baden-Württemberg und 2009 nach Friedrichshafen. Um als Geflüchteter bleiben zu können, nahm Omar zunächst einen Job als Lagerist an, bei dem er oft nur vier Stunden Zeit zum Schlafen hatte. Am Bodensee arbeitete er dann zu besseren Bedingungen im Garten- und Landschaftsbau. Er hatte eigentlich das Zeug zum Fußballstar, wenn ihn sein Kindheitstrauma nicht ausgebremst hätte. Sein Stiefvater und seine älteren Stiefgeschwister schlugen ihn fast täglich. Im Bürgerkrieg verletzte ein heftiger Hieb aufs Ohr den damals 18-Jährigen nachhaltig.

Ein Arbeitsunfall verändert alles

Im Jahr 2011 ist Omar bei einer Zeitarbeitsfirma wieder im Lager tätig, als ein Regal über ihm zusammenklappt und ihn vom Ohr über die Schulter bis zum Fuß trifft. Da er bei Krankheit keinen Lohn bekommt, schleppt er sich nach zwei Tagen wieder in den Betrieb. Ein Jahr später gründet er eine Familie, der fünf Kinder geschenkt werden. Die gesundheitlichen Probleme gehen jedoch weiter. Schließlich muss er - inzwischen deutscher Staatsbürger - sieben Operationen über sich ergehen lassen, arbeitet aber trotzdem zwischen den Krankschreibungen. Das Krankengeld nach sechs Wochen Lohnfortzahlung betrage nur noch 60 Prozent des Nettolohns, erklärt Rebmann. „Das reicht für viele nicht mehr“, ergänzt der Diakon.

Wenn die Erinnerung an seine Kindheit zu unerträglich wurde und der Therapeut nicht erreichbar war, griff Omar zur Flasche. Dadurch versäumte er es auch schon mal, Anträge zu stellen oder die Miete zu zahlen. Mit dem neuen Therapeuten hat er dieses Problem im Griff. Er würde auch gerne wieder arbeiten. „Ich bekomme aber nur schwere Jobs angeboten“, klagt Omar. Die Tätigkeiten in seinem Berufsprofil schafft er körperlich nicht, obwohl man ihm das nicht ansieht. Der katholische Stadtdiakon ist für den Muslim Gesprächspartner und moralische Stütze. Und wenn es gar nicht anders geht, hilft er vorübergehend auch finanziell. Den Traum vom Fußballprofi verfolgen inzwischen zwei von Omars Söhnen. Die Gymnasiasten haben ein Angebot von einer Fußballschule.

Die Geburt nur knapp überlebt

Nun sitzt eine Frau dem Diakon gegenüber - nennen wir sie Lucia. Sie wirkt immer noch recht blass, aber kein Vergleich zu Ende letzten Jahres. „Da war ich mehr tot als lebendig“, berichtet sie. Bei der Geburt ihres sechsten Kindes wäre die Angehörige einer ethnischen Minderheit in Deutschland fast verblutet. Dazu kam ein Herzinfarkt mit Nahtoderfahrung. In dieser Zeit konnte ihr Mann, von dem sie zweitweise getrennt lebte und der seine Wurzeln in Nordafrika hat, zusammen mit ihrer Mutter die übrigen Kinder betreuen. Neulich hatte der Partner einen Nervenzusammenbruch und ist in psychiatrischer Behandlung. „Du musst jetzt stark sein, bist wieder für alles zuständig“, sagt sie sich. Und sie hat Angst, dass sie es gesundheitlich nicht schafft.

„Mit Ihnen kann ich über alles reden, ich kann mich voll auf Sie verlassen“, lobt Lucia den Stadtdiakon. Er kann ihre labilen Verhältnisse nicht vollständig stabilisieren. Aber er sorgt dafür, dass das System nicht kippt. „Wer vermietet einer Familie mit damals fünf Kindern eine bezahlbare Wohnung, die keinen Haken hat?“, fragt er rhetorisch. Weil die Heizung nicht funktionierte und die Kinder ständig krank waren, stellte Lucia Ölradiatoren auf. Die hohen Stromkosten bei undichten Fenstern wollte das für Bürgergeldempfänger zuständige Jobcenter nicht übernehmen. Durch die Vermittlung an den Mieterschutzbund und durch Kontakt zu den Stadtwerken konnte Rebmann dafür sorgen, dass die Familie zu ihrem Recht kam.

Klischees können täuschen

Auch bei Steuern und bei der Krankenkasse weiß der Stadtdiakon, was der Familie zusteht. Oder er kennt jemanden an der entsprechenden Stelle, der das weiß. „Da kann ich direkt was bewirken“, erklärt er. Lucia hatte zusätzlich das Problem, dass sie keinen Kita-Platz bekam. „Ihre Kinder sind sehr wohlerzogen und respektvoll“, betont Rebmann. Über die Leiterin einer Frauengruppe, bei der er einen Vortrag hielt, konnte er den Kontakt in eine Einrichtung im Nachbarort vermitteln - mit Erfolg. Lucia ist es bei allen Schwierigkeiten wichtig, nicht einem Klischee zu entsprechen. Sie selbst hat ihre Lehre als Frisörin nicht abgeschlossen. Umso stolzer ist sie, dass einer ihrer Söhne als Erster in ihrer ganzen Herkunftsfamilie in die Realschule aufgenommen wurde.

Stadtdiakon Martin Rebmann und seine Arbeit

Martin Rebmann ist diplomierter Theologe und Sozialpädagoge und stammt gebürtig aus Horb am Neckar. In seiner praktischen Ausbildung zum Ständigen Diakon lernte er bereits im Theresienheim in Eriskirch-Moos den Bodensee kennen und schätzen. Am 17. Mai 1997 erhielt er in Esslingen die Weihe. Nach kurzer Tätigkeit in Rottweil neben seinem Zivilberuf trat der heute 65-Jährige 1998 eine hauptberufliche Stelle in der Seelsorgeeinheit Schönbuchlichtung an und wechselte 2009 nach Böblingen. Im Juli 2021 übernahm Rebmann die bereits im Jahr 1995 geschaffene Stelle des Stadtdiakons in Friedrichshafen.

Bei den Menschen, die zu ihm kommen, spielt die Religionszugehörigkeit keine Rolle. Rebmann überprüft im möglichen Rahmen die Bedürftigkeit der Klient:innen. Sie werden registriert, Gespräche protokolliert und Auszahlungen dokumentiert. Die Personen, die im Schnitt 50 bis 70 Euro beispielsweise für Winterschuhe erhalten, belegen anschließend den Kauf. Er gewährt in Notlagen auch zinslose Darlehen, die die Betroffenen in kleinen Beträgen zurückzahlen können. Auch Sozialbestattungen, die am Sterbeort gemeldet werden, landen meist bei ihm. Häufig kann er am bisherigen Wohnort etwas über die Personen in Erfahrung bringen. Ein Viertel seines Arbeitsauftrags ist für liturgische Dienste vorgesehen.

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