Mit einem ökumenischen Festgottesdienst und einer würdigen Einweihungsfeier wurde am 21. September das neugebaute Hospiz St. Michael in Nagold eingeweiht. Bischof Gebhard Fürst segnete die neue Einrichtung. Die katholische St. Elisabeth-Stiftung nimmt das Hospiz in Betrieb. Die Kosten für Bau und Ausstattung des von Architekt Michael Stikel konzipierten Hospizes belaufen sich auf 3,5 Millionen Euro. Auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt das Hospiz. Weitere Hintergrundinformationen, einen Eindruck vom Gottesdienst und von der Feier, sowie Stimmen von unter anderem Bischof Gebhard Fürst gibt es im Video.
Stationäres Hospiz in Nagold eingeweiht
Bildergalerie
Eindrücke aus den Sunderbans, von der Teeplantage und anderen Projekten
Schutz vor Naturkatastrophen
Wie man Menschen, ihren Besitz und ihre Einkommensgrundlagen mit oft einfachen Maßnahmen wie der Einführung von Frühwarnsystemen und den Bau von Deichen effektiv vor Naturkatastrophen schützt, konnte sich die fünfköpfige Delegation aus Rottenburg in einem Präventionsprojekt von Caritas Indien in den Sundarbans ansehen.
In dem tiefliegenden Mündungs- und Überschwemmungsgebiet von Brahmaputra, Ganges und Meghna sind die auf insgesamt 107 Inseln lebenden Menschen Unwettern und Wirbelstürmen besonders ausgesetzt. Durch den Klimawandel und den daraus resultierenden Anstieg des Meeresspiegels sind die Sundarbans und ihr Ökosystem, das zum größten Teil aus Mangrovenwäldern besteht, stark gefährdet. Immer häufiger werden in dem größten Delta der Welt Häuser, Felder und Fischteiche von salzigem Brackwasser überflutet.
Frühwarnsystem in den Sunderbans
"Das Salzwasser macht die Felder für mindestens drei Jahre unbestellbar und zerstört so die Lebensgrundlage der Menschen. Als Folge wandern die Männer in die großen Städte ab, um dort als Tagelöhner ihre zurückgebliebenen Familien zu ernähren", erklärte Pater Jolly Puthenpura, stellvertretender Caritasdirektor von Indien.
Zusammen mit der Regierung hat Caritas Indien ein Frühwarnsystem in den Sundarbans installiert und auch Deiche gebaut. "Damit konnten wir nicht nur die Schäden minimieren und die Migration stoppen, sondern auch die Zahl der Todesopfer deutlich reduzieren", sagte der stellvertretende Caritas-Chef.
Finanzielle Sicherheit dank fester Einkommen
Der zweite Teil der Pastoralreise widmete sich den inhaltlichen Schwerpunkten Ökologie und fairer Handel. Dafür ist die Delegation um Bischof Dr. Gebhard Fürst weiter in den Norden des indischen Bundestaats Westbengalen gereist.
Beim Besuch der Samabeong Teeplantage bekam die Rottenburger Delegation einen tiefen Einblick in die Produktion von Grün- und Schwarztee. Auf der 1887 von den Briten angelegten Teeplantage werden jährlich nicht nur 50 Tonnen Tee in Bioqualität produziert, sondern auch unter von der GEPA zertifizierten Fair-Trade-Bedingungen.
"Fair Trade macht keine Unterschiede in der Produktion und Qualität, sondern im Transport, bei den Arbeitsbedingungen und in der Entlohnung der Mitarbeiter", erklärte Bhawana Rai, die Leiterin der Plantage. So würden die Teepflücker hier beispielsweise nicht nach ihrer Pflückleistung in Kilogramm pro Tag bezahlt, sondern mit einem festen Monatsgehalt entlohnt. "Das schafft für die Familien finanzielle Sicherheit", sagte Rai.
Fair Trade macht keine Unterschiede in der Produktion und Qualität, sondern im Transport, bei den Arbeitsbedingungen und in der Entlohnung der Mitarbeiter.
Bhawana Rai, Leiterin der Tee-Plantage
"GEPA wurde 1970 von den Hilfswerken Brot für die Welt und Misereor, sowie von den Bundesverbänden des BDKJ und der AEJ gegründet und das Prinzip des fairen Handels in Deutschland etabliert", sagte Dr. Wolf-Gero Reichert.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hatte zu Beginn dieses Jahres auch eine Kampagne zur ökofairen Beschaffung gestartet, mit der Kirchengemeinden und diözesane Einrichtungen dabei unterstützt werden, ihr Beschaffungs- und Einkaufsverhalten auf ökologische und fair gehandelte Produkte umzustellen.
"Sie werden mit der Kombination aus ökologischer Produktion und fairem Handel einem Grundanliegen der Enzyklika 'Laudato Si' von Papst Franziskus gerecht", lobte Bischof Fürst das Management der Samabeong-Teeplantage.
Aufklärung und Unterstützung
Dass es nicht überall so rund läuft wie in Samabeong wurde beim Besuch des Human Life Development & Research Centre (HLDRC) in Matigara deutlich. Die von Jesuiten gegründete Anlaufstelle kümmert sich um die Rechte der Arbeiter auf den Teeplantagen.
"Viele kennen Ihre Rechte gar nicht, weil sie nicht lesen und schreiben können. Unsere Aufgabe ist es, die Arbeiterinnen und Arbeiter durch Schulungen und individuelle Unterstützungen so fit zu machen, dass sie sich selbst für ihre Rechte einsetzen können", sagte HLDRC-Direktor Pater Pascal Xalxo.
Im Interview
Bischof Dr. Gebhard Fürst und Diözesanratsprecher Dr. Johannes Warmbrunn
Austausch mit kleinen christlichen Gemeinschaften
Bei einem Austausch der Rottenburger Delegation mit ehrenamtlichen Leitern kleiner christlicher Gemeinschaften am letzten Tag der Reise ging es dagegen nicht um fairen Handel oder Klimaschutz, stattdessen standen die Themen pastorale Entwicklung und Synodalität im Mittelpunkt.
In Indien beläuft sich die Zahl der Christen auf knapp 28 Millionen, was einem Anteil von 2,8 Prozent an der Bevölkerung entspricht. Deswegen sind die kleinen christlichen Gemeinschaften - auch Basisgemeinden genannt – in Indien zu einem verbreiteten Weg der Gemeindebildung und Pastoral geworden.
Spiritualität und ganzheitliches Denken
Dr, Johannes Warmbrunn, der Sprecher des Diözesanrates, der als Teil der Delegation mit nach Indien gereist war, bilanzierte nach dem Gespräch: "Man ist hier schon unterwegs. Wir haben bei dem Austausch erfahren, dass es in Indien auch gewählte Gremien auf Gemeindeebene gibt, die regelmäßig tagen."
Beim Thema Synodalität in Deutschland habe er allerdings kein großes Interesse wahrgenommen. Beeindruckend sei aber der spirituelle Weg in Indien mit der Fähigkeit ganzheitlich zu denken. "Das ist ein Weg, den ich für unser Land und unsere Diözese für sehr wichtig halte", sagte Johannes Warmbrunn.
Hoffnung haben und Kraft schöpfen
Und welche Eindrücke nimmt Bischof Dr. Gebhard Fürst aus Indien mit nach Hause? "Ich habe bei den Projekt-Besuchen gelernt, dass es viele Menschen gibt, die sich gegen den Klimawandel stemmen und die sich dafür einsetzen, Gottes Schöpfung zu bewahren. Das Wichtigste dabei ist, dass sie ihre Hoffnung nicht verlieren und sie Kraft daraus schöpfen, dass man die Aufgaben gemeinsam angeht", sagte Bischof Fürst.
Konkret kann sich der Bischof vorstellen, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart den Menschen in den Sundarbans dabei hilft, die Mangrovenwälder wieder aufzuforsten. "Mangroven vor den Deichen schützen nicht nur die Felder der Menschen vor Naturkatastrophen, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz, da diese sechs Mal mehr CO2 absorbieren als herkömmliche Bäume", sagte der Bischof.
Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps, der Leiter der Hauptabteilung Weltkirche, betonte, dass man bezüglich der Aufforstung der Mangrovenwälder in den Sundarbans noch vor Ort erste Gespräche geführt habe.
Unsere Gelder sind hier sehr gut investiert.
Diözesanratsprecher Dr. Johannes Warmbrunn
Und grundsätzliche Unterstützung für die Projektarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart bekommt Bischof Fürst auch von Dr. Johannes Warmbrunn. "Es ist außerordentlich wichtig sich hier zu engagieren", sagte der Sprecher des Diözesanrats. Alle Projekte, die man gesehen habe, seien auch deswegen bedeutend, weil daraus ein Multiplikatoreneffekt entstehe. "Das Geld wird in ein Projekt investiert - daraus wird dann aber viel gemacht und durch Qualifizierung und Anleitung der Menschen enorm viel erreicht. Unsere Gelder sind hier sehr gut investiert", bilanzierte Diözesanratssprecher Warmbrunn.