Zum Inhalt springen

Sterne, Heiligenscheine und Notfalldecken

Die Weihnachtsausstellung "Strahlkraft" beschäftigt sich mit Licht in der Kunst. Auch zeitgenössische Kunstschaffende stellen Werke mit aus.

Rottenburg am Neckar
Bild: {double core}, Unobjekt und Abbild, Johannes Jakobi, 2021

Mit der Arbeit aus Borosilikatglas und LED-Paneelen wendet Johannes Jakobi das Prinzip der Fotografie an, wobei der Bildträger kein Fotopapier ist. Physische Erfahrung und Unnahbarkeit des Lichts werden hier thematisiert. Bild: {double core}, Unobjekt und Abbild, Johannes Jakobi, 2021

Die diesjährige Weihnachtsausstellung im Diözesanmuseum Rottenburg widmet sich der faszinierenden Vielfalt von Licht sowie dessen Darstellung und Bedeutung in der Kunst. Unter dem Titel "Strahlkraft" zeigt sie 26 ausgewählte Werke des Museums, verbunden mit zehn Arbeiten von sechs zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Parallel zur Ausstellung, die bis Anfang März kommenden Jahres zu sehen ist, erwartet die Besucherinnen und Besucher ein umfangreiches Rahmenprogramm. 

Dr. Melanie Prange, Diözesankonservatorin und Leiterin des Diözesanmuseums, sagt zur Wahl des Ausstellungsthemas: "Seit jeher ist Licht ein zentraler Aspekt religiöser Erfahrung. Der Glaube, dass mit der Geburt Jesu Helligkeit ins Dunkel kam, macht das Licht zum zentralen Symbol der Advents- und Weihnachtszeit." Mit der diesjährigen Weihnachtsausstellung will das Museum in Anbetracht der derzeitigen Energiekrise daran erinnern, dass Licht eine Kostbar­keit ist, mit der kulturhistorisch zahlreiche Assoziatio­nen verbunden sind: Hoffnung, Wärme, Geborgenheit, Erkenntnis. In einem Wort: Leben.

Veranschaulichung göttlicher Herrlichkeit

Zusammen mit Sternen, Heiligenscheinen und Goldgründen mittelalterlicher Tafelmalerei leuchten den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung ab dem Wochenende auch zeitgenössische Interpretationen entgegen. So zeigt die Weihnachtsausstellung beispielsweise die nahezu einen Meter hohe Rottenburger Strahlenmonstranz von Franz Ignaz Berdolt aus dem 18. Jahrhundert.

"Kein zweites Objekt aus unserer Schatzkammer veranschaulicht den Gedanken, Christus sei das Licht der Welt, eindrücklicher als diese Monstranz, die noch heute bei Hochfesten im Rottenburger Dom St. Martin liturgisch genutzt wird", sagt Prange. Vollständig aus vergoldetem Silber gefertigt und reich verziert, veranschauliche die Strahlenmonstranz eindrucksvoll die Vorstellung göttlicher Herrlichkeit.

Licht im Spannungsfeld weiter Deutung

In den Arbeiten der sechs zeitgenössischen Kunstschaffenden wird Licht dagegen in anderen Dimensionen thematisiert: als technisches, mystisches oder digitales und auch kritisch kommentiertes Licht. "Dieses Spannungsfeld soll den Blick auf die vielschichtige Bedeutung von Licht in der Kunst weiten", sagt Museumsleiterin Prange. 

Christopher Amms Fresko diene als lichtvolle Fläche hinter der "Mantelteilung" von Hans Thoman, was der mittelalterlichen Skulptur eine neue Aura verleiht. Miriam Böhm bewege sich in ihrer Kunst zwischen Malerei und Installation, indem sie Textilien in neue Verbindungen bringt und als Träger für ihre Texte und Malerei verwendet. Zu sehen gibt es auch zwei Arbeiten des Berliner Multimedia-Künstlers Johannes Jakobi, Metallskulpturen von Saskia Tamara Kaiser aus Düsseldorf, eine Installation des Stuttgarters Laurenz Theinert, in der er der Frage nachspürt, inwieweit uns Kunst Zugang zu einer unsichtbaren Welt gibt, und Werke von Michiko Van de Velde aus Brüssel. Eine ihrer Arbeiten – eine große aus leuchtendem Gold bestehende Installation aus Notfalldecken – stelle die visuelle Brücke zum Bildgold der mittelalterlichen Malerei her, sagt Prange. 

Das Begleitprogramm

Mit einem Adventskonzert beginnt die Vernissage der Ausstellung am Samstag, 3. Dezember, um 18 Uhr im Diözesanmuseum. Museumsleiterin Melanie Prange gibt zusammen mit Federica Viviani, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, eine Einführung. Die Sopranistin Gudrun Kohlruss und Andreas Kersten am Klavier geben ein Konzert mit Werken von Händel, Mendelssohn, Bartholdy und Mozart.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung, die bis zum 5. März 2023 zu sehen ist, wird vom 17. bis 19. März kommenden Jahres eine Fahrt ins niederländische Uden angeboten. Im dortigen Museum findet in Kooperation mit dem Diözesanmuseum und zeitgleich zur Weihnachtsausstellung die Ausstellung "Ins Licht" statt. 

Des Weiteren enthält das umfassende Begleitprogramm in Rottenburg unter anderem Führungen, Vorträge, Gespräche, einen Familiennachmittag, einen Workshop und ein Happening.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

2905 Jahre Ja: Vinzentinerinnen feiern Professjubiläum

Untermarchtal

38 Vinzentinerinnen der Provinz Untermarchtal haben im Mai Professjubiläum gefeiert. Im Juni blicken zehn Schwestern auf ihre lange Ordenszeit zurück.

Looking for Something

Ab Sonntag kann die Collage von Katharina Ganslmeier und Markus Genzwürker betrachtet werden. Wir haben mit ihnen über ihr Fensterobjekt gesprochen.

Aktuelles

aus der Region

Tellux-Gruppe

„Heimsuchung“: Tellux produziert preisgekrönten Film mit

Rottenburg

Literaturverfilmung von Volker Schlöndorff mit Lars Eidinger und Martina Gedeck: Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist an der Tellux-Gruppe beteiligt.

Matthias Zahner

„Ich werde geliebt, wie ich bin"

Horb am Neckar

Diplompsychologe Fred-Jürgen Werr spricht im Interview darüber, warum Selbstliebe oft so schwerfällt und erklärt, was der Glaube damit zu tun hat.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Arkadius Guzy

Chor aus Malaysia zeigt Glaubenstradition

Heilbronn

Im Rahmen einer langjährigen ökumenischen Direktpartnerschaft besucht ein Ensemble von der Insel Borneo die Stadt Heilbronn und die Umgebung.

Diözese Rottenburg-Stuttgart

Kirchen suchen gemeinsame Lösungen mit Kommunen

Stuttgart

Acht Regionentreffen laden zum Austausch über die Zukunft kirchlicher Gebäude in Württemberg. Bischof und Landesbischof beziehen in Video Position.

Kirche im Wandel – Zukunft mitgestalten

Stuttgart

Die Diözesanräte Johannes Bergold und Wolfgang Ernst sprechen darüber, wie kirchliches Leben auch unter veränderten Bedingungen lebendig bleiben kann.

Stiftung Liebenau

Austausch über soziale Arbeit, Pflege und Hospiz

Liebenau

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht die Stiftung Liebenau in Meckenbeuren und deren Einrichtungen im Franziskuszentrum in Friedrichshafen am Bodensee.

Sibylle Schwenk

Starkes Miteinander durch Wertschätzung und Respekt

Ellwangen (Jagst)

Mit weißen Rosen und Kerzen erwiesen Gläubige aus Kirchengemeinden rund um Ellwangen bei der Dekanatswallfahrt dem seligen Pater Philipp die Ehre.