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Trau Dich!

Aus Mut und Vertrauen Neues wagen, Grenzen überschreiten und Kirche lebendig mitgestalten – inspiriert von Glauben, Hoffnung und Engagement.

Rottenburg am Neckar
Diözese Rottenburg-Stuttgart

Dekan Ulrich Kloos, Dekanat Ehingen-Ulm, mit der Haltung „Trau dich“ | Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Pavel Jerabek

Ich war als Jugendlicher ein sehr schüchterner Mensch. Und ich staune immer, was mir auf meinem Glaubensweg an Mut und Vertrauen zugewachsen ist. Das „Trau dich" ist für mich eine tiefe, spirituelle Haltung, die wir gerade in den Umbrüchen der Kirche in unserer Zeit dringend brauchen. Wir sind gewohnt, in festen Strukturen zu arbeiten, zu planen und zu entwickeln. Dies wird aber in einer „Baustellenzeit", in einer Zeit der Neuordnung von Strukturen und von konkreten Mangelerfahrungen nicht mehr tragfähig sein. Wir müssen da manchmal sehr flexibel und auch spontan agieren und reagieren. Da hilft die Haltung des „Trau dich". Das zeigen auch ein paar Beispiele:

Für eine dringend benötigte Stellenaufstockung bei der ökumenischen Telefonseelsorge haben wir wegen knapper kirchlicher Mittel Unterstützung außerhalb der Kirche gesucht. Es kostete mich Überwindung zu fragen, doch die schnelle Zusage zeigte: Wenn wir uns trauen, über bestehende Systeme hinauszugehen, wird Kirche vor Ort lebendig bleiben, auch wenn die Rahmenbedingungen sich ändern und Haushalte kleiner werden.

Oder Abt Nikodemus Schnabel aus Israel, der kürzlich zu Besuch in Wiblingen war und trotz finanzieller Einbußen an der Bezahlung palästinensischer Mitarbeitender festhält, entgegen rein ökonomischer Logik. Sie trauen sich zu sagen: „Wir stehen an der Seite der Menschen und hoffen, dass zur rechten Zeit wieder großzügige Geber da sein werden.“

Auch die Wiblinger Hauptorgel ist durch ein „Trau Dich“ auf den Weg gekommen: obwohl keine finanziellen Mittel vorhanden waren, steht sie heute – durch das mutige Benennen eines Mangels, das Begeistern Anderer und gemeinsames Engagement.

Mein „Trau Dich“ hat seine Quelle und seinen Ursprung in einem Satz aus dem Morgengebet „Benedictus bei der Laudes“: „...er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsere Tage...". Dieser Satz trägt mich jeden Morgen neu, in all der Verantwortung als Pfarrer und Dekan, oft verbunden auch mit schwierigen Gesprächen und Sitzungen. 

Dekan Ulrich Kloos, Dekanat Ehingen-Ulm

Zitat & Symbol

Trau dich – von dir selbst, von deinen Erfahrungen und Gefühlen zu sprechen – den anderen so zuzuhören, dass sie über sich selbst sprechen können – Vertrauliches vertraulich zu behandeln – über deinen Glauben zu sprechen – auch mal was Neues vorzuschlagen oder eine „Schnapsidee“ zu äußern.

(P. Franz Meures SJ)

Die zehn synodalen Haltungen können Orientierung geben und Impulse setzen, wie in Gremien eine offene und ehrliche Auseinandersetzung stattfinden kann – besonders in den Zeiten der Veränderungen, die vor uns liegen. Daher stellen wir Ihnen in den nächsten Wochen die zehn synodalen Haltungen vor – begleitet von Stimmen aus der gesamten Diözese. 

Lassen Sie sich inspirieren, wie „Haltung zeigen“ unseren gemeinsamen Weg zur Kirche der Zukunft prägen kann. 

Material und Unterstützung finden Sie hier. 

Alle bereits veröffentlichten Synodalen Haltungen und weitere Informationen finden Sie in unserem Dossier „Fastenzeit” sowie auf der Website „Kirche der Zukunft”.

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