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Trauer um die Opfer des Erdbebens in Kolumbien

Tiefe Betroffenheit in der Diözese über das Erdbeben in Kolumbien. Ein Interview mit Solange Ciccomascolo aus der Hauptabteilung Weltkirche.

Rottenburg
PEREIRA, KOLUMBIEN – 10. AUGUST: Rettungskräfte tragen nach einem starken Erdbeben der Stärke 7,4 in Pereira, Kolumbien, am 10. August 2026 eine verletzte Person auf einer Trage ab. dpa/ picture alliance / Anadolu | Alexis Munera

Rettungskräfte tragen nach einem starken Erdbeben der Stärke 7,4 am 10. August 2026 in Pereira, Kolumbien, eine verletzte Person auf einer Trage ab. Bei dem Erdbeben, das zum Einsturz von Gebäuden führte und groß angelegte Such- und Rettungsaktionen in mehreren Städten auslöste, kamen mindestens 132 Menschen ums Leben und 570 weitere wurden verletzt. Bild: picture-alliance / dpa | Alexis Munera / Anadolu

Solange Ciccomascolo lebt mit ihrer Familie in Rottenburg und arbeitet in der Hauptabteilung Weltkirche, der Fachabteilung in der Diözese für weltkirchliche Arbeit. Seit dem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 am 10. Augustsind ihre Gedanken bei ihren Verwandten in Kolumbien. Die Bilder von der Verwüstung und die Nachrichten über Tote, Verletzte und Vermisste bewegen sie zutiefst. Sie ist hier und bangt um ihre Angehörigen und Freunde vor Ort.

Im Interview spricht die Deutsch-Kolumbianerin über die Lage in Kolumbien, von ihrer persönliche Sorge um Angehörige und die Hilfe für die Menschen vor Ort.
 

Haben Sie Familie oder Freunde, die in der betroffenen Region leben und welche Nachrichten bekommen Sie von dort?

Das Erdbeben in Kolumbien hat hauptsächlich die Regionen im Westen Kolumbiens getroffen. Ich habe Kontakt zu meiner Verwandtschaft in Pereira, Risaralda. Das ist eine Region, die ganz stark betroffen ist, und ohnehin viele Ressourcen benötigt. Chocó ist eine ganz vergessene Region in Kolumbien und braucht dringend Hilfe.

In Pereira habe ich eine Tante, die stark betroffen ist. Gesundheitlich ist bei ihr und ihrer Familie alles in Ordnung, aber die Wohnung und das Gebäude, in dem sie lebt, sind total zerstört. Sie werden demnächst evakuiert. Wie alles weitergeht und welche Wohnung verfügbar und bezahlbar zur Verfügung steht, ist die größte Frage.

Wie haben Sie von den Erdbeben erfahren, und welche Nachrichten erreichen Sie jetzt?

Ich habe es durch Verwandte via WhatsApp mitbekommen. Die Nachrichten, die ich erhalte, sind sehr traurig. Einerseits ist man sehr dankbar, dass man noch am Leben ist, jedoch gleichzeitig ist man verstört zu sehen, wie alles, was man Jahr für Jahr aufgebaut hat, auf einmal verschwunden ist. Selbst wenn wir nur über materielle Sachen sprechen.

Wie geht es den Menschen in den betroffenen Regionen – und was brauchen sie jetzt am dringendsten?

Am dringendsten braucht man Unterkunftsmöglichkeiten, ohne große Bürokratie. Außerdem werden Helfer, Maschinen oder Spezialgeräte, die zur Bewältigung von Naturkatastrophen erforderlich sind, benötigt. Natürlich auch Lebensmittel, Medikamente und Kleidung.

Haben wir in der Diözese Projekte in den betroffenen Regionen?

In Caldas und in Cauca (Buenaventura) wurden Projekte von uns durchgeführt. Hier könnte jetzt gegebenenfalls Caritas La Dorada eine große Rolle spielen.

Wie gehen die Menschen vor Ort mit Angst, Verlust und Unsicherheit um? Wie muss man sich den Alltag vorstellen?

Sehr chaotisch. Man erlebt Traurigkeit, Unsicherheit, aber auch ein starkes Miteinander. Und wie immer nutzen einige Wenige solche Situationen aus und wollen vom Chaos und der Verzweiflung der anderen profitieren.

Wird in der Region noch nach Vermissten gesucht?

Ja. Es gibt viele Vermisste. Die Zahl ändert sich stündlich. Ich halte diese Angaben jedoch persönlich für nicht zuverlässig, da es Regionen gibt, in denen noch keine Hilfe oder staatliche Unterstützung eingetroffen ist. Das ist leider keine neue Situation, die erst durch das Erdbeben entstanden ist.

Wie können wir als Kirche konkret helfen – vor Ort und von Deutschland aus?

Wir können unsere Partner vor Ort in Kolumbien einschalten und so große Hilfe anbieten.

Was brauchen die Menschen nach der ersten Nothilfe am dringendsten?

Wovon mir meine Verwandten am häufigsten erzählt haben, ist der Mangel an Unterkünften, die Unsicherheit und die bürokratischen Hürden beim Bezug von Sozialleistungen.

Welche Rolle können Kirchengemeinden vor Ort bei der Betreuung von Betroffenen und Familien übernehmen?

Sie können vor Ort vor allem zunächst Unterkünfte und Pilgerherbergen zur Verfügung stellen.

Wie können wir verhindern, dass die Aufmerksamkeit nach einigen Tagen wieder aus den Medien verschwindet und die Menschen alleine gelassen werden?

Wichtig wäre, in den Medien zu zeigen, dass nicht nur die großen Städte betroffen sind. Es gibt kleinere Orte, die leider nicht in den Medien vorkommen, und dadurch keine Hilfe erhalten.

Auch Papst Leo XIV. zeigte sich betroffen und dankte allen, die sich an den Such-, Rettungs- und Hilfsmaßnahmen beteiligen. Für die Opfer der Katastrophe wurde zudem erste Nothilfe auf den Weg gebracht. Wie können wir für die Menschen in Kolumbien beten?

Ich glaube, dass es im Moment wichtig ist, als Gemeinschaft zusammenzuhalten, für den Familienzusammenhalt zu beten und den Verlust von Angehörigen und Freunden zu akzeptieren. Kolumbien ist derzeit, nach den Präsidentschaftswahlen, stark gespalten. Was im Moment zählt, sind die Interessen der Gemeinschaft, um diese Situation zu überwinden, und nicht die individuellen Interessen.

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Hilfe und Hoffnung für bedürftige Kinder und Jugendliche in Kolumbien

In Kolumbien herschen unsichere Lebensbedingungen - nicht nur nach dem verheerenden Erdbeben. Sie können bedürftigen Kindern und Jugendlichen Hilfe und Hoffnung geben und dazu beitragen, den jungen Menschen in Kolumbien eine Perspektiven für die Zukunft zu ermöglichen. Mehr Informationen dazu sowie den Link zur Online-Spende finden Sie HIER.

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Hintergrund:

Das Erdbeben in Kolumbien vom 10. August 2026 erschütterte um 7:34 Uhr Ortszeit die Andenregion Kolumbiens. Es hatte eine Magnitude von 7,5 Mw. Das Epizentrum des Erdbebens lag rund 60 Kilometer westlich der Großstadt Pereira. Bei dem Erdbeben kamen bisher 265 Menschen ums Leben und es entstanden große Schäden. 

 

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