Solange Ciccomascolo lebt mit ihrer Familie in Rottenburg und arbeitet in der Hauptabteilung Weltkirche, der Fachabteilung in der Diözese für weltkirchliche Arbeit. Seit dem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 am 10. Augustsind ihre Gedanken bei ihren Verwandten in Kolumbien. Die Bilder von der Verwüstung und die Nachrichten über Tote, Verletzte und Vermisste bewegen sie zutiefst. Sie ist hier und bangt um ihre Angehörigen und Freunde vor Ort.
Im Interview spricht die Deutsch-Kolumbianerin über die Lage in Kolumbien, von ihrer persönliche Sorge um Angehörige und die Hilfe für die Menschen vor Ort.
Haben Sie Familie oder Freunde, die in der betroffenen Region leben und welche Nachrichten bekommen Sie von dort?
Das Erdbeben in Kolumbien hat hauptsächlich die Regionen im Westen Kolumbiens getroffen. Ich habe Kontakt zu meiner Verwandtschaft in Pereira, Risaralda. Das ist eine Region, die ganz stark betroffen ist, und ohnehin viele Ressourcen benötigt. Chocó ist eine ganz vergessene Region in Kolumbien und braucht dringend Hilfe.
In Pereira habe ich eine Tante, die stark betroffen ist. Gesundheitlich ist bei ihr und ihrer Familie alles in Ordnung, aber die Wohnung und das Gebäude, in dem sie lebt, sind total zerstört. Sie werden demnächst evakuiert. Wie alles weitergeht und welche Wohnung verfügbar und bezahlbar zur Verfügung steht, ist die größte Frage.
Wie haben Sie von den Erdbeben erfahren, und welche Nachrichten erreichen Sie jetzt?
Ich habe es durch Verwandte via WhatsApp mitbekommen. Die Nachrichten, die ich erhalte, sind sehr traurig. Einerseits ist man sehr dankbar, dass man noch am Leben ist, jedoch gleichzeitig ist man verstört zu sehen, wie alles, was man Jahr für Jahr aufgebaut hat, auf einmal verschwunden ist. Selbst wenn wir nur über materielle Sachen sprechen.
Wie geht es den Menschen in den betroffenen Regionen – und was brauchen sie jetzt am dringendsten?
Am dringendsten braucht man Unterkunftsmöglichkeiten, ohne große Bürokratie. Außerdem werden Helfer, Maschinen oder Spezialgeräte, die zur Bewältigung von Naturkatastrophen erforderlich sind, benötigt. Natürlich auch Lebensmittel, Medikamente und Kleidung.