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"Traurig und sprachlos"

Nach der Präsentation des Freiburger Missbrauchs-Gutachtens am 18. April nimmt Bischof Dr. Gebhard Fürst persönlich Stellung.

Rottenburg am Neckar

Bischof Dr. Gebhard Fürst. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

"Die heute in Freiburg vorgelegten Ergebnisse der Untersuchung von vier unabhängigen Experten zum Thema sexueller Missbrauch durch Geistliche seit 1945 machen mich traurig und sprachlos. Der Abgrund an Doppelmoral bei den Tätern ist erschreckend. Die Vertuschung von Straftaten und vor allem das vollkommene Desinteresse an den Betroffenen / Opfern und ihren oftmals zerstörten Leben über einen langen Zeitraum hinweg durch die beiden Erzbischöfe Oskar Saier und Robert Zollitsch sind eine schwere Verletzung der Pflichten des bischöflichen Hirtenamtes und stehen in einem großen Widerspruch zur Heilsbotschaft des Evangeliums Jesu Christi.

Immer wieder hatte ich mich während der Zeit von Erzbischof Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gefragt, weshalb wir uns als DBK nicht entschiedener der Aufklärung von sexuellem Missbrauch gestellt haben. Vor allem nach dem Skandal um das Berliner Canisius-Kolleg 2010 war mir unerklärlich, warum die DBK über Wochen hinweg zum sexuellen Missbrauch in der Kirche geschwiegen hat und nicht wenigstens auf die (leider in vielen Diözesen nicht eingehaltenen) Beschlüsse zum Umgang mit sexuellem Missbrauch hingewiesen wurde. Heute weiß ich, warum das so war. Und seit heute weiß ich auch, dass damals die Diözese des Vorsitzenden eine Anfrage der DBK für eine deutschlandweite Übersicht von Missbrauchstätern einfach nicht beantwortet hat.

Bei aller Scham über das jetzt in Freiburg offengelegte Fehlverhalten und Versagen hoher Würdenträger möchte ich aber auch feststellen, dass mit dem Amtsantritt von Erzbischof Stephan Burger 2014 dieses Fehlverhalten ein Ende hatte. Das hat die heutige Pressekonferenz klar aufgezeigt. Erzbischof Burger verfolgt meiner Einschätzung nach gleichfalls einen klaren Kurs der Aufklärung und der Prävention und hat durchgesetzt, dass in sozialen Härtefällen in Freiburg auch monatliche Zuschüsse an Opfer ausgezahlt werden.

Die Enttäuschung und den Ärger der Menschen über das Fehlverhalten von Priestern und hohen geistlichen Würdenträgern, wie jetzt in Freiburg, kann ich sehr gut verstehen. Leider werden auch jetzt bei uns wieder – wie vor 15 Monaten nach dem Gutachten für München und Freising – die Zahlen der Kirchenaustritte steigen. Da wird dann nicht mehr groß unterschieden.    

Wer sich über die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, den Umgang mit den Betroffenen und der Prävention von sexualisierter Gewalt in der Diözese Rottenburg-Stuttgart kundig machen möchte, den bitte ich, sich darüber auf unserer Homepage www.drs.de zu informieren. Der Umgang in unserer Diözese mit dem Thema sexueller Missbrauch unterscheidet sich seit langem signifikant von dem der anderen Bistümer in Deutschland.

Auf unserer Website erfährt man, dass wir in der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Aufklärung des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester und andere Geistliche schon vor über 20 Jahren intensiv und strategisch angegangen sind. Im Frühjahr 2003 nahm die von mir als Bischof eingerichtete weisungsunabhängige 'Kommission sexueller Missbrauch' (KsM) ihre Arbeit auf.

Unsere KsM ist seitdem nach bestem Wissen und Gewissen allen Missbrauchsvorwürfen innerhalb unserer Diözese nachgegangen und hat sie im Rahmen eines klar definierten Verfahrens untersucht. Ich als Bischof habe die aus diesen Untersuchungen hervorgegangenen Handlungsempfehlungen der KsM und die von ihr vorgeschlagenen Konsequenzen übernommen und mich auch mit vielen Opfern zu persönlichen Gesprächen getroffen. 2012 haben wir eine eigene Stabstelle Prävention gegründet, die gleichfalls hervorragende Arbeit leistet, und inzwischen tausende von kirchlichen Mitarbeiter:innen geschult hat."

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