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Mit Nikolaus an der Seite, geborgen in Gott

Die Ulmer Nikolauskapelle, ältester erhaltener Sakralbau Ulms, ist ein mystischer Ort, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

Ulm (Donau)

Die Ulmer Nikolauskapelle fasziniert duch ihre Atmosphäre und ihre wechselvolle Geschichte - und lädt dazu ein, ihre Botschaften für heute zu entdecken. Foto: DRS/Jerabek

Man steigt hinab, in einen schützenden bergenden Raum, eine Schatzkammer, in der sich wiederum das Herz erheben kann – hinab, hinauf. So kann eine der vielfältigen Botschaften dieses Raumes lauten. Die Ulmer Nikolauskapelle ist nicht groß, und dennoch kann darin jede und jeder ihren und seinen je eigenen Ort finden. Die Kapelle spricht: „Verlass dich auf den, auf den allein du dich verlassen kannst.“

Die Nikolauskapelle ist der älteste erhaltene Sakralbau Ulms und zusammen mit dem Steinhaus das einzige romanische Baudenkmal. Lediglich an der Stadtmauer am Fuß des Weinhofs gibt es noch romanisches Buckelquader-Mauerwerk. Die Kapelle entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts innerhalb der alten Stadtmauern, die Ulm bei der Stadterweiterung durch die Staufer 1165 umgaben. Im Zusammenhang einer „Donaulände“, also einer Anlegestelle, wurde nahe beim damaligen Osttor der Stadtmauer die Kapelle dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht. Manche beziehen das Patronat der Kirche auf die Schifffahrt auf der Donau, weil Nikolaus der Patron der Schiffsleute und Seefahrer ist (später auch der Kinder und Notare).

Im Jahr 1222 erstmals urkundlich erwähnt

Im 13. Jahrhundert kam das „Steinhaus“ hinzu, das damals ausdrücklich so genannt wurde, da Profanbauten in dieser Zeit fast ausschließlich im Fachwerk ausgeführt wurden. Beide Gebäude zusammen messen 32,5 Meter in der Länge und sind 6,5 Meter breit. Ihre erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1222, als ein Magister Marquard diese dem Kloster Salem schenkte. Der kaiserliche Protonotar Marquard war auch „plebanus“ in Überlingen, dessen Münster dem Nikolaus geweiht ist. Ein Leutpriester (übersetzt aus lat. plebanus; mhd. liut für lat. plebs) oder Pleban war ein Priester, der eine Stelle mit pfarrlichen Rechten (plebes, Pfarrkirche od. Pfründe) tatsächlich besetzte. Er konnte Pfarrer sein, die Seelsorge im Auftrag des Besitzers der Pfarrrechte ausführen oder den (amtsunfähigen) Pfarrer vertreten. 1264 wurden die Gebäude dem Kloster Reichenau übertragen.

Im 14. Jahrhunert ersetzte das Kloster Reichenau den romanischen Chor durch einen geräumigeren, quadratischen gotischen Neubau. Der Chorraum wurde mit einem Kreuzgewölbe mit Birnstabrippen überspannt. „Die Kapelle bestand aus sehr starken Mauern und Fenstern mit eisernen Türen und hat den Mönchen als Schatzkammer gedient“, schrieb Felix Fabri anlässlich der Chorweihe 1383. Die erste Ausmalung mit gotischen Fresken erfolgte 1388, eine zweite im Jahr 1440.

Historische Übergänge zeigen Analogien zu heutigen Umbrüchen

Die gotische Erweiterung der romanischen Kapelle stellt einen geschichtlichen und auch glaubensmäßigen Übergang dar, der Analogien zu heutigen Umbrüchen aufweist. Die spätere profane Nutzung als Kohlenlager, Sandstadel, Wagenremise oder Wäschehenke trug zum Überleben der Kapelle bei. Symbol dafür ist das barocke Einfahrtstor auf der Ostseite aus dem Jahre 1642. Die Profanität moderner Kultur setzt uns der Gefahr aus, Gott zu verlieren. Zugleich lehrt die Kapelle, dass uns das Profane womöglich erlaubt, Gott in größerer Tiefe und Weite wiederzufinden, denn heute beten wieder viele Menschen dort, meditieren über die gotischen Fresken, darunter die Verkündigung sowie Geburt, Kreuzigung und Grablegung Jesu und verschiedene Nikolauslegenden.

Mehrmals wechselte die Nikolauskapelle im Lauf der Zeit ihren Besitzer, heute gehört sie der Stadt Ulm. Im Blick auf die gelungene Sanierung von 1978 bis 1981 kann man sagen: Die Restauration eines Bauwerks bedeutet nicht, es genau wiederherstellen zu können, sondern es in seinem inneren Wesen neu lebendig werden zu lassen. Dies lässt sich auch als Grundgesetz für den Umgang mit dem Glauben deuten, wie es dem Wortlaut der Urkunde zur Neuweihe 1499 entspricht: „Damit die Christgläubigen umso lieber zu ihr zusammenströmen, wo sie seit langer Zeit mit der Gabe der himmlischen Gnade sich überreich gestärkt gefühlt haben.“

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