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Über Hochzeit, Gesundheit und Jahrestag

Die Delegation reist weiter in die Diözese Imdibir. Besuch des Gesundheitszentrums in Burath und die Feier der "Hochzeit zu Kanaa" mit Bischof Fikre.

Rottenburg/Imdibir
Angelika Sönnichsen

Hochzeit von Kanaa - Impressionen. Hochzeitstanz: jungen Leute stehen sich gegenüber und tanzen aufeinander zu und voneinander weg. Zum Schluss tanzen sie gemeinsam im Kreis. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Angelika Sönnichsen

Mit großer Herzlichkeit wurden Bischof Klaus Krämer, Heinz Detlef Stäps, Juliane Hernandez und Angelika Sönnichsen von Bischof Lukas Fikr und Generalvikar Abba Ahabde in Imdibir/Äthiopien begrüßt. Aus Addis Abeba kommend, führte die Projektreise der bischöflichen Delegation in das rund 170 Km südlich gelegene Imdibir. Auf dem Programm standen das Fest „Hochzeit zu Kanaa“, das gemeinsam mit dem Patrozinium der Kirche St. Michael in Wolkite mit einem Festgottesdienst gefeiert wurde sowie der Besuch im Gesundheitszentrum der Bethany Schwestern in Burath.

Gebet, Gesang und Weihrauch

Früh am Morgen, lange vor dem Beginn des Gottesdienstes startete das Fest Hochzeit von Kanaa mit Gesang und Gebeten der Gläubigen in der Kirche. Schon vor dem Betreten zeigten sich Besonderheiten: Vor der Kirchenpforte von St. Michael sammelten sich zahlreiche Schuhe auf der Treppe. Der Innenraum der Kirche war mit Teppichboden ausgelegt auf dem glücksbringenden Gras verteilt wurde. Statt auf Stühlen saßen die Gläubigen auf dem Boden, nur an den Wänden standen Sitzbänke entlang der Mauern. Der größte Unterschied zeigte sich jedoch in der Gestaltung des Altarraums und vor allem der Gestaltung des Gottesdienstes, der in der Äthiopischen Ritus abgehalten wurde: Die Gebete werden mit dem Rücken zu den Gläubigen, dem Altar zugewandt, gesungen. Die Predigt jedoch zu den Gläubigen gewandt gesprochen.

Regelmäßig schließt und öffnet sich der Vorhang, der den Altarraum vom Kirchenraum abtrennt. Weihrauch wird geschwenkt. Während dessen wechseln die Gläubigen zwischen gesungenen Gebeten und Gesängen ab. Überhaupt spielt Gesang und Tanz eine große Rolle und in die Gesänge der Gläubigen mischt sich ein vielstimmiger Chor, begleitet von Trommeln. Der Höhepunkt des Festes stellt der Umzug rund um die Kirche St. Michael dar. Mit farbenfrohen Sonnenschirmen und intensivem Gesang zog die Gemeinde gemeinsam mit dem Bischof der Diözese Imdibir, Lukas Fikre, Bischof Klaus Krämer und Weihbischof Matthias König aus Paderborn, ebenfalls in der Region unterwegs, durch die Gemeinde. Nach rund viereinhalb Stunden endete der Gottesdienst mit Gebeten und rituellen Tänzen vor der Kirche St. Michael in Wolkite.

Nur rund 40 Kilometer von St. Michael entfernt, zwischen Wolkite und Imdibir im Hinterland gelegen, befindet sich ein außergewöhnlicher Ort: Das Gesundheitszentrum der Bethany Sisters, Ordensschwestern aus Indien, die die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt und die das Zentrum aufgebaut haben. Direkt nach dem Gottesdienst in Wokite hatten sich Bischof Krämer, Monsignore Stäps, Juliane Hernandez und Angelika Sönnichsen gemeinsam mit Abba Ahabde, Generalvikar der Diözese Imdibir auf den Weg in das Gesundheitszentrum gemacht. Die Fahrt dorthin führt an zahlreichen ländlichen Behausungen vorbei. Vor Kurzem hat es geregnet und die Natur erscheint in frischem Grün. Rechts und links der Piste spielen Kinder, Esel warten auf ihre Fracht und Ziegen laufen munter über die Piste hin und her – oder bleiben einfach stehen. Umgeben von einem Zaun stehen kleine Häuschen rund um ein traditionelles Rundhaus – etwas abgelegen steht das Wohnhaus der Schwestern. Die Delegation ist angekommen.

Besuch im Gesundheitszentrum in Burath

Herzlich werden die Reisenden von Schwester Surapida sci, empfangen und in das Wohnhaus der Schwestern gebeten. Bei einem erfrischenden Tee und Kaffee erklärt sie den Gästen: „Morgen ist Jahrestag“. Am 21. Januar 2023 um ein Uhr drangen schwerbewaffnete, schwarzverkleidete Männer gewaltsam bei den Schwestern, damals noch in Gambala/Äthiopien, ein und entführten Schwester Surapida sci, verschleppten sie in den Wald und bedrohten sie mit dem Tod. Zwei Tage später kam sie wieder frei. Sichtbar bewegt erzählt sie von den Erlebnissen. „Maria und Jesus haben mir geholfen“, erklärt die Schwester. Nach ihrer Freilassung kehrte die Schwester in ihr Mutterhaus in Indien zurück. Mit Äthiopien hatte sie abgeschlossen. Zwei Jahre später managet sie mit Liebe und Zuwendung das Gesundheitszentrum in Burath.

Das Team um Schwester Surapida sic. versorgt die Bevölkerung rund um Burath. Für 2018 - nach dem äthiopischen Kalender gerechnet, waren bereits 20.466 Patienten in Behandlung in dem Zentrum. Die Mehrzahl davon Frauen. Vor allem das Geburtszentrum ist gefragt. Werdende Mütter werden hier medizinisch betreut und nicht nur nachversorgt, sondern vor der Geburt auch über die richtige Ernährung für Mutter und Kind informiert – zur Vermeidung von Mangelernährung. Aber auch Infektionen und Krankheiten aller Art werden hier versorgt. In Einzelfall werden Patient:innen auch zur Überwachung in der Krankenstation bis zu 24 Stunden einbehalten. Ist eine Verletzung/Krankheit zu schwerwiegend, wird der/die Patient:in ins Krankenhaus verlegt. Auch kommt es vor, dass Patient:innen isoliert werden müssen. Dafür ist jedoch aktuell keine Möglichkeit. Das soll sich bald ändern. Durch die Unterstützung der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird hier eine Isolationsstation entstehen. Bischof Klaus Krämer und Monsignore Detlef Stäps konnten sich persönlich von der Notwendigkeit und Dringlichkeit dieses Projektes überzeugen.

Nach einem zweistündigen Besuch geht es zurück nach Imdibir – zum Treffen und Austausch mit den Priestern und Ordensgemeinschaften aus der Region. Auf der Rückfahrt regnet es wieder leicht und am Himmel ist ein wunderschöner Regenbogen zu sehen.

Hintergrund

Der Bürgerkrieg

Anfang November 2020 begann der Krieg zwischen der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) und der äthiopischen Zentralregierung im Norden Äthiopiens.

Bis 2018 war die TPLF die führende politische Kraft in der Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF). Immer häufiger protestierten Teile der Bevölkerung gegen die EPRDF Herrschaft. Im April 2018 wurde Abiy Ahmed (erhielt 2019 den Friedensnobelpreis für seine Aussöhnungspolitik mit Eritrea) zum Regierungschef ernannt. Er sollte für einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Volksgruppen sorgen. Nach der Übernahme begann ein Machtkampf zwischen Abiy Ahmet und der TPLF. Nachdem die 2020 geplante Parlamentswahl wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, bezeichnete die TPLF das Vorgehen als illegal und Tigray führte ohne Zustimmung der Regierung von Addis Abeba (Hauptstadt Äthiopiens, Regierungssitz) Regionalwahlen durch, die wiederrum Addis Abeba als illegal bezeichnete. Die TPLF erklärte sich zum Sieger der Kommunalwahl und entzog der Bundesregierung die rechtliche Zuständigkeit für Tigray woraufhin Abiy finanzielle Mittel umleiten ließ. Anfang November eskalierte der Konflikt und es begann eine bewaffnete Auseinandersetzung.

Nach Verhandlungen in Südafrika, in welchen die Afrikanische Union als Vermittler auftrat, konnte nach fast zwei Jahren Bürgerkrieg zwischen der äthiopischen Regierung und der TPLF 2022 ein formeller Frieden und Waffenstillstand vereinbart werden.

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