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Unerschrocken, reflektiert und pointiert

Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, las aus ihrem Buch „Frauen stören – Und ohne sie hat Kirche keine Zukunft“.

Stuttgart

Schwester Katharina Ganz. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck

Die Resonanz war überwältigend. Schnell war klar, der für die Lesung geplante Raum - er war für 90 Besucher gestuhlt - würde nicht ausreichen. Kurzerhand wurden die Saaltüren geöffnet, um den mehr als 100 Menschen, die gekommen waren, die Teilnahme zu ermöglichen.

Es zeigt, das Thema interessiert, und nicht nur Frauen. Etwa ein Viertel der Zuhörer waren Männer. Schwester Katharina Ganz, promovierte Theologin und seit 2013 Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, las aus ihrem Buch "Frauen stören – Und ohne sie hat Kirche keine Zukunft".

Sie äußert sich darin unerschrocken, reflektiert und pointiert zur Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. Kirche könne nur dann wieder glaubwürdig sein, so Ganz, wenn ihre Strukturen, Machtverteilung und der Umgang mit den eigenen Mitgliedern und Ressourcen dem Geist Jesu Christi entsprechen.

In ihrem Buch erzählt die Franziskanerin von eigenen Erlebnissen, nimmt frühere Aufbrüche in der Kirche in den Blick und lässt nicht locker in der Frage, weshalb Frauen nicht dieselben Rechte haben können wie Männer. Sie möchte Veränderung, spricht Klartext und lässt sich nicht vertrösten.

 

Es wird also Zeit, dass Frauen stören. Es wird Zeit, dass sie aufstehen anstatt zu warten, bis man sie gönnerhaft entdeckt.
Schwester Katharina Ganz

 

Nach der Lesung folgte eine etwa einstündige Diskussion – anregend, inspirierend, emotional, fordernd und Mut machend.

Das Schlusswort gehörte wieder Schwester Katharina, die nochmals aus ihrem Buch vorlas und damit gleichzeitig einen Appell an die Anwesenden richtete: "Es wird also Zeit, dass Frauen stören. Es wird Zeit, dass sie aufstehen anstatt zu warten, bis man sie gönnerhaft entdeckt. Und es wird höchste Zeit, dass Frauen Stimme und Gehör finden in der Verkündigung, in der Lehre, in der Feier der Sakramente, in allen Diensten und Ämtern und überall, wo Entscheidungen getroffen werden." Denn wenn eine Frau Jesu über seine Sendungen belehrt habe, dann können Frauen auch heute die Kirche belehren. Sie müssen es sogar, um Gottes, des Evangeliums Jesu Christi und um der Kirche Willen. "Denn ohne Frauen hat Kirche keine Zukunft und wird Evangelisierung nicht gelingen, weil sie auf halber Strecke stecken bleibt!"

Die Lesung, die von Diözesanrätin Susanne Babila moderiert wurde, endete mit tosendem Applaus. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Kirchenmusikerin Alexandra Forster.

Hintergrund: Die Interkulturelle Woche

Die bundesweit jährlich stattfindende Interkulturelle Woche (IKW) ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie findet seit 1975 Ende September statt und wird von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. In mehr als 500 Städten und Gemeinden gibt es rund 5.000 Veranstaltungen. Der nationale „Tag des Flüchtlings“, dieses Jahr am 1. Oktober, ist Bestandteil der Interkulturellen Woche. Weitere Informationen gibt es unter www.interkulturellewoche.de.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden im neu gegründeten Fachbereich Interkulturelles Sozialmanagement der Einsatz der kirchlichen Einrichtungen vernetzt; der Fachbereich ist Teil der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft im Bischöflichen Ordinariat. Der Fachbereich unterstützt auch finanziell Projekte und Einzelpersonen

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