Veronika Rais-Wehrstein blickt darauf, was verbindet
Gregor Moser Veronika Rais-Wehrstein sagt, Glaubwürdigkeit komme durch das eigene Tun. „Nie allein, sondern den Weg immer gemeinsam mit anderen gehen.“ Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser
Vergangene Woche erhielt Veronika Rais-Wehrstein bei einer Feierstundein Rottenburg durch Bischof Dr. Klaus Krämer das Päpstliche Ehrenzeichen „Bene merenti“ verliehen. Angesichts ihres steten Engagements für die Kirche seit früher Jugend, würdigte sie der Bischof als Vorbild für andere.
Aktiv im Dekanat Calw
Rais-Wehrstein blickt zurück: Mit 17 sei sie Leiterin des BDKJ im damaligen Dekanat Horb geworden und ihr Engagement für die Kirche ließ seither nie nach, vergrößerte sich nach und nach und auch heute tritt sie nicht kürzer: Seit mit der konstituierenden Sitzung des Zwölften Diözesanratsim März ihre 30-jährige Zugehörigkeit zum obersten synodalen Gremium der Diözese zu Ende ging – 20 Jahre davon als Mitglied des fünfköpfigen Präsidiums– engagiert sich die Nagolderin zuhause im Dekanat Calw in der Steuerungsgruppe zur Bildung neuer Kirchengemeinden und als stellvertretende Vorsitzende des Dekanatsrats; sie ist Kirchengemeinderätin in Nagold, ist im Vorstand der Aktion „Wachsende Kirche“ und der Nagolder Vesperkirche aktiv und sagt: „Ich möchte dort eine Vernetzung zum Wohl derjenigen erreichen, die am Rand unserer Gesellschaft stehen, so dass es für sie auch außerhalb der Vesperkirche Angebote gibt.“
Die 70-Jährige nutzt ihren neuen Freiraum vielfältig
„Während meiner Zeit im Diözesanrat bin ich pro Monat im Schnitt 1500 Kilometer mit dem Auto zu Sitzungen und Terminen gefahren.“ Das falle heute weg. Diesen Freiraum nutzt die 70-Jährige auch anderweitig vielfältig: mit Besuchen bei ihren Töchtern und deren Familien in Karlsruhe und Frankfurt, mit dem Plan, das Töpfern wieder zu beginnen, dem Besuch von Vorlesungen für Senior:innen an der Universität Tübingen oder dem Beitritt in einen Taizé-Gebetskreis.
Bei Vesperkirche gelingt Weitergabe des Glaubens
Den Antrieb für ihr Engagement beschreibt sie so: „Eine Kultur des guten Miteinanders war und ist mir immer wichtig und an dem, was ich meine Glaubensaufrage oder meine Aufgabe für die Gesellschaft nenne, war ich immer dran.“ Für ihre christliche Überzeugung einzustehen, sei ihr stetes Ziel. Gerne erinnert sie sich dabei an ihren Vater, der seinen Kindern mit auf den Weg gab, immer auf das Verbindende zwischen den Menschen zu schauen – nie auf das, was sie voneinander trennt. „Das hat mich geprägt“, erinnert sich Rais-Wehrstein und fährt fort: „Ich bin überzeugt, dass die Weitergabe des Glaubens nur möglich ist, wenn ich meine Mitmenschen sensibel beobachte und merke, wenn es jemanden nicht gut geht, ich dann nachfrage, mich kümmere, andere einbeziehe.“ Ein Beispiel für sie, wo das gelingt, sei die Vesperkirche: „Da sind viele dabei, die mitarbeiten aber mit unseren Kirchen nichts zu tun haben wollen und die mich dann nach ein paar Begegnungen und Gesprächen interessiert fragen, ob ich denn eigentlich Christin bin.“ Glaubwürdigkeit komme durch das eigene Tun. „Nie allein, sondern den Weg immer gemeinsam mit anderen gehen“, unterstreicht Rais-Wehrstein.
Päpstliche Auszeichnung bestärkt sie
Das päpstliche Ehrenzeichen, das ihr verliehen wurde, bestärke sie darin, dass das, was ihr wichtig war, auch wahrgenommen wird. Und Rais-Wehrstein betont: „Diese Auszeichnung habe ich auch für die Menschen angenommen, die mich auf meinem Weg begleitet haben und die dieses Ehrenzeichen ebenso verdienen.“ Gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft zu sein, den Glauben gemeinsam leben: Auch im laufenden Veränderungsprozessder Diözese sieht sie dafür große Chancen. Schließlich gehe es doch darum, miteinander Kirche zu sein und vor Ort das zu tun, was als wichtig empfunden wird, sagt die Geehrte.