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Viel Herzlichkeit schwingt mit

Zwei kleine Ortschaften bereiten nicht nur den im Rahmen des Projekts „Friedensglocken für Europa“ heimkehrenden Glocken einen nachhallenden Empfang.

Gniewoszów/Tłumaczów
Polenreise

Bischof Dr. Klaus Krämer schlägt die nach Tuntschendorf/Tłumaczów zurückgekehrte Glocke an. Foto: DRS/Guzy

Nach dem zentralen Gottesdienst in der Kathedrale in der polnischen Stadt Świdnica/Schweidnitz am Samstag haben am Sonntag die Einwohnerinnen und Einwohner in den beiden Orten Seitendorf/Gniewoszów und Tuntschendorf/Tłumaczów jeweils die Rückkehr ihrer Glocke gefeiert. Mit großer Gastfreundlichkeit empfingen sie dabei die Vertreterinnen und Vertreter der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Die Rottenburger Delegation teilte sich dafür auf: Bei strömenden Regen brach eine Gruppe rund um Weihbischof Dr. Gerhard Schneider in die Gemeinde Gniewoszów/Seitendorf auf, um dort im Zuge eines feierlichen Gottesdienstes mit Bischof em. Ignacy Dec aus der Diözese Świdnica/Schweidnitz, Weihbischof Schneider und dem Pfarrer der Gemeinde, Rafał Masztalerz, die Glocke in ihrer Heimat erneut zum Klingen zu bringen. Nachdem diese vor mehr als 80 Jahren auf Befehl der Nationalsozialisten abgehängt worden war, auf wunderbare Weise den Krieg überlebte und in einem Lager im Hamburger Hafen Wind und Wetter ausgesetzt war, fand sie im Rottenburger Priesterseminar als sogenannte Leihglocke ein Zuhause. Das Projekt „Friedensglocken für Europa“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart ermöglichte nun eine Rückkehr in den niederschlesischen Ursprungsort.

Dass die Glocke nun wieder in der Sankt Michaels-Kirche erklingt, sei wirklich eine unglaubliche Geschichte mit einem wunderbaren Ende, so Weihbischof Schneider in seiner Predigt. „Wir nennen diese Glocke Friedensglocke, weil sie ein Hoffnungszeichen ist, dass Friede und Versöhnung immer möglich sind“, betonte der Weihbischof. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt: Es waren etwa 100 Leute, während es normalerweise nur etwa 15 Personen sind.

Zeichen der Hoffnung auf Frieden und Versöhnung

In seiner Predigt erinnerte Weihbischof Schneider an den Briefwechsel der polnischen an die deutschen Bischöfe vor genau 60 Jahren. In diesem heißt es: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ Diese Worte bewegten den Weihbischof sehr. „Wie viel Kraft und Mut zur Versöhnung spricht aus den Worten des Briefs – in so wenigen Jahren nach Kriegsende“, betonte Weihbischof Schneider. Er hoffe und sei sich sicher, dass die Glocke ein echtes Zeichen der Hoffnung wird.

„Wenn diese Glocke künftig hier erklingen wird, soll sie für immer ein Zeichen dieser Hoffnung sein. Hoffnung auf Frieden und Versöhnung gerade dann, wenn es niemand mehr für möglich hält. Hoffnung aus der Mitte unseres Glaubens heraus, der uns alle verbindet“, schloss der Weihbischof seine Predigt.

Als die Glocke im Anschluss zum ersten Mal wieder in ihrer neuen und zugleich alten Heimatkirche von Mitgliedern der Gemeinde angeschlagen wurde, schien durch die Kirchenfenster die Sonne und erleuchtete die wunderschöne Kirche Sankt Michael in Gniewoszów/Seitendorf.

Persönliche Familiengeschichte sorgt für besondere Verbundenheit

Die andere Gruppe machte sich mit Bischof Dr. Klaus Krämer auf den Weg nach Tuntschendorf/Tłumaczów. Dort hing die zurückgekehrte Glocke bereits in einem speziellen Gestell vor der Kirche St. Peter und Paul. Die Rückkehr der Glocke sei eine positive Überraschung gewesen, erklärte Janusz Gorczycki. Er hatte sich um die Organisation der Konstruktion gekümmert. Sie war ein Blickfang für die Ortsbewohnerinnen und -bewohner, die zum Gottesdienst mit Bischof Krämer und dem polnischen Pfarrer Daniel Koprowski eintrafen. „Wir wollen ein Zeichen für die Versöhnung und die Freundschaft setzen, das uns aus unserem christlichen Glauben heraus verbindet“, sagte Bischof Krämer im Gottesdienst.

An beiden Orten wurden die Rottenburger Gruppen nach dem Gottesdienst mit großer Gastfreundschaft empfangen. Bei allen aus der Delegation hallte die erlebte Herzlichkeit noch lange nach – bei einigen schwang dabei Persönliches mit. So sprach Dr. Johannes Warmbrunn von einem besonderen Gefühl der Verbundenheit. Der Diözesanratssprecher erwähnte, dass seine Familie väterlicherseits aus Oberschlesien stammt.

Er möchte Brücken schlagen zwischen unterschiedlichen Kulturen und Menschen, sagte Patrick Wende auf die Frage, welche Bedeutung die Reiseerfahrung für seine künftige Aufgabe habe. Wende gehörte zu den erst im März dieses Jahres zu Diakonen geweihten Rottenburger Priesteramtskandidaten, die Teil der Delegation waren. Der 31-Jährige hat polnische Wurzeln. Seine Eltern stammen aus der Gegend um Breslau/Wrocław. Dass er bei den Gottesdiensten in der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz und in Tuntschendorf/Tłumaczów als Diakon mitwirken durfte, habe ihn daher besonders gefreut.

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