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Viele Schwalben machen einen Sommer

Aus einer weihnachtlichen Geste des Wohnungslosen namens Schwalbe ist mit der neu gegründeten "Schwalbennest Stiftung" ein Sommertraum geworden.

Stuttgart

Schwalbe unterzeichnet Gründungsurkunde im Haus der Katholischen Kirche. Foto: Andreas Werner

Als Schwalbe 2025 kurz vor Weihnachten 200 Euro für alleinerziehende Frauen in Not spendete, ahnte niemand, welche Wirkung diese Geste entfalten würde. Der Stuttgarter lebt seit Jahrzehnten auf der Straße. Die 200 Euro entsprachen für ihn keinem kleinen Betrag, sondern dem Gegenwert von Tausenden gesammelten Pfandflaschen. Dennoch war für ihn klar: Es gibt Menschen, die die Unterstützung noch dringender brauchen. Zum Beispiel allein erziehende Frauen. Schwalbe – ein `Herr´ lehnt der Wohnungslose selbst ab – hat die Einstellung: „Die brauchen einen besonderen Schutz. Männer kommen auf der Straße besser klar. Mütter müssen weg von der Straße.“

Schwalbe hat selbst wenig und genau deshalb hat er gegeben

Seine Spende berührte Menschen weit über Stuttgart hinaus. Die Geschichte eines Mannes, der trotz eigener Not an andere denkt, wurde zu einem Symbol für Mitmenschlichkeit, Solidarität und Hoffnung. Bundesweit berichtete die Presse über diese berührende Weihnachtsgeschichte. Das Fernsehen rückte an. Aus Briefen wurden Gespräche, aus Unterstützung wurde Engagement – und aus einer einzelnen Geste entstand eine Idee. Heute trägt diese Idee einen Namen: Schwalbennest Stiftung.

Grundstein für nachhaltige Hilfe für wohnungslose Frauen in Stuttgart

Was mit 200 Euro begann, ist zu einer Bewegung geworden. Gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern wurde die Schwalbennest Stiftung ins Leben gerufen. 39 Gründungsstifterinnen und Gründungsstifter stellten mehr als 59.000 Euro Startkapital bereit und legten damit den Grundstein für nachhaltige Hilfe für wohnungslose Frauen in Stuttgart. Carina Keilbach vom Sozialdienst katholischer Frauen ist begeistert vom Zuspruch, den die Stiftung bekommt. Und von Schwalbes Persönlichkeit: „Es ist krass, was sich verändert hat, auch in seinem Leben.“

Schön, dass es Dich gibt

Die Stiftung steht für das, was Schwalbe seit Jahren vorlebt: Teilen, auch wenn man selbst nicht viel hat. Hinschauen, wenn andere wegsehen. Hoffnung schenken, wo Perspektiven fehlen. Schwalbe ist überzeugter, gläubiger Christ. Er hat den Namen Jesus, den er „Dschieses“ nennt, auf seinem Arm tätowiert. Er sagt: „Wenn ich mir ein Butterbrot schmiere, mache ich ein zweites und gebe es jemand, der Hunger hat.“ Schwalbe wollte zuerst gar nicht in die Öffentlichkeit oder im Mittelpunkt stehen. Das ist ihm fast peinlich. Er handelt in Jesu Namen und fühlt sich auserwählt, Gutes zu tun. Jetzt steht er da, zeigt sich, unterzeichnet die Urkunden. Die neue Stiftung hat Karten drucken lassen, die Schwalbe im Park und in der Fußgängerzone verteilt, um für die gute Sache zu werben. Das Geld, das er auf der Straße von Passanten bekommt, gibt er immer bei der Stiftung ab. Den Menschen auf der Straße gibt er kleine Post-it-Zettel. Darauf steht „Schön, dass es Dich gibt“. Er selbst lebt nach wie vor auf der Straße, dankbar für das, was er hat. Es reicht ihm zum Leben.

Im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit stehen Frauen, die von Wohnungslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Die Schwalbennest Stiftung unterstützt die Wohnungsnotfallhilfe des SkFund stärkt insbesondere Angebote wie den Tagestreff Femmetastisch, einen geschützten Ort für Frauen in schwierigen Lebenssituationen. Langfristig sollen weitere Hilfsangebote, begleitetes Wohnen und neuer Wohnraum entstehen.

Offizielle Gründung am 12. Juni im Haus der Katholischen Kirche

Die offizielle Gründung am 12. Juni 2026 im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgartwar ein besonderer Moment. Doch sie markierte nicht den Höhepunkt dieser Geschichte, sondern ihren Anfang. Denn die Schwalbennest Stiftung ist mehr als ein Stiftungsfonds. Sie ist der Beweis dafür, dass gesellschaftliche Veränderung dort beginnen kann, wo man sie am wenigsten erwartet. Schwalbe selbst sieht sich dabei nicht als Held. Er spricht lieber über die Menschen, die Hilfe brauchen, als über sich. Vielleicht liegt genau darin die Kraft seiner Geschichte.

Aus einer kleinen Spende wurde eine Stiftung. Aus einer persönlichen Entscheidung wurde eine gemeinsame Verantwortung. Und aus einer Weihnachtsgeschichte wächst nun jeden Tag ein Stück Zukunft.

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