Zum Inhalt springen

Viele sind im interreligiösen Dialog müde geworden

Pfarrer Angelo Unegbu berichtet bei der diözesanen Eröffnung des Monats der Weltmission von Resignation und Hoffnung in Nigeria.

Neukirch
Pfarrer Angelo Unegbu steht links am Lesepult, Philipp Schröder rechts neben einem Rollup von Missio.

Nigeria und der interreligiöse Dialog zwischen Christen und Muslimen dort standen dieses Jahr im Zentrum der diözesanen Eröffnung des Monats der Weltmission. Pfarrer Angelo Unegbu, der seit einem Jahr in der Seelsorgeeinheit Argental im Bodenseekreis tätig ist, stammt aus dem westafrikanischen Land. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Maria Rosenkranzkönigin mit Weihbischof Matthäus Karrer erzählte der Priester, weshalb die Konflikte in seiner Heimat so schwer zu befrieden sind.

Die Medien berichteten aus Nigeria nur von Boko Haram und Kindesentführungen, beklagte Unegbu. "Ich versuche immer herauszufinden, wie es zu dieser Situation gekommen ist", sagte der promovierte Kirchengeschichtler. Und er erklärte den Zuhörerinnen und Zuhörern in der Neukircher Mehrzweckhalle den Konflikt zwischen den einfachen umherziehenden Hirten im Norden, die Usman dan Fodio einst unter Zwang islamisierte, und den sesshaften Christen im Süden, bei denen die Missionare Wert auf Schulbildung gelegt hätten.

Dialog trotz Gewalt fortsetzen

Wegen der Bodenschätze vereinigten die Engländer 1914 beide Teile in einem Land. Die Konflikte schwelen bis heute. "Mit dem Dialog hat man schon 1960 nach der Unabhängigkeit angefangen", erläuterte Unegbu. Obwohl die meisten Menschen auf beiden Seiten Frieden wollten, instrumentalisierten gewisse Kräfte immer wieder die Religion und die Gläubigen, um ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen, so seine Erklärung des Terrors. Und der Priester erzählte von unzähligen nicht eingehaltenen Zusagen im Dialog. "Viele sind müde geworden", fasst er zusammen.

Hier setzt die Arbeit des katholischen Hilfswerks Missio an. Unter dem Leitwort "Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun" bittet es am 24. Oktober weltweit um Unterstützung für Projekte wie die Damietta Peace Initiative in Jos, der Hauptstadt des nigerianischen Bundesstaates Plateau. Philipp Schröder von der Rottenburger Missio-Diözesanstelle zeigte in einem kurzen Filmclip, wie sich dort Christinnen und Musliminnen gemeinsam für Frauen stark machen, die Opfer von Gewalt geworden sind. "Jemand muss vorangehen und zeigen, wie es gehen kann", betonte der Referent.

Dialog mit Respekt

Der Weltmissionssonntag sei ein ermutigendes Zeichen der Solidarität für die Menschen in den ärmsten Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens, wo Missio tätig ist, merkte Schröder an. Die Grundhaltung des Dialogs leitete Weihbischof Matthäus Karrer in seiner Predigt beim Gottesdienst vom Evangelium ab. Jesus habe den blinden Bartimäus nicht geheilt, weil er schon vorher wusste wusste, was er braucht. "Die Frage Jesu 'Was willst du, dass ich dir tue?' ist ein Schlüsselmoment der interreligiösen Begegnung und der Begegnung in der Welt", unterstrich der Weihbischof.

Für eine Begegnung der Kontinente sorgte bei der Eucharistiefeier und beim Festakt der katholische afrikanische Chor aus Stuttgart. Er faszinierte die oberschwäbischen Gottesdienstbesucher mit ungewohntem Rhythmus und Gesang. Pfarrer Simon Hof und Daniel Schmid, gewählter Vorsitzender der Gesamtkirchengemeinde Argental, bedankten sich mit einem Korb frischer Äpfel aus der Region. Bei einem deutsch-afrikanischen Mittagessen konnten sich Einheimische und Gäste stärken und näherkommen.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Caritas international

Caritas international meldet 2,7 Millionen Euro Spenden

Rottenburg am Neckar

Hilfswerk dankt privaten Spenderinnen und Spendern aus dem Gebiet der Diözese für ihre Solidarität und für die Unterstützung von Menschen in Not.

Diözese Rottenburg-Stuttgart

Mut gegen den Wahn: von Ellwangen bis Papua-Neuguinea

Ellwangen (Jagst)

Hexenwahn war nicht nur gestern: Seit langem kämpft Schwester Lorena Jenal gegen Hexenverfolgung in Papua-Neuguinea. „missio“ unterstützt sie dabei.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Angelika Sönnichsen

Burundi-Reise: Bischof appelliert für mehr Aufmerksamkeit

Rottenburg am Neckar

Frieden, Ernährung, Bildung und medizinische Versorgung als zentrale Felder der Zusammenarbeit. Theaterprojekt kommt 2027 nach Stuttgart.

Dekanat Stuttgart / Heinz Heiss

Kultur, Werte und Religion für die Praxis in Kindertageseinrichtungen

Rottenburg am Neckar

Die vier großen christlichen Kirchen im Land veröffentlichen Praxisbuch zur Umsetzung des für Kindertageseinrichtungen geltenden Bildungsplans.

iStock.com/Smederevac

Bischof Dr. Krämer wünscht guten Start ins neue Schuljahr

Rottenburg am Neckar

Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger begleiten Schüler- und Lehrer:innen das Schuljahr hindurch wohlwollend und unterstützen sie tatkräftig.

Tobias Tropper

Gemeinsames Singen ist eine friedensbewegende Kraft

Ravensburg

Der Komponist und Musiker Helge Burggrabe erzählt im Interview von berührender Spiritualität und innerer Stärke bei seinen HAGIOS Friedenskonzerten.

Lothar Schubert neu im Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung

Rottenburg

Lothar Schubert gehört seit dem Sommer dem Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung an. Diese fördert die pastoralen Dienste innerhalb der Diözese.