Während die Randfiguren im Weingartener Kreuzweg, der knapp 20 Jahre später entstand, deutlich orientalische Züge tragen, seien sie in Ravensburg eher zeitlos gekleidet. „Dieses Hemd ist eine normale Bauernbekleidung, fast wie ein T-Shirt“, zeigt Reiter an einem Beispiel. Und er verweist auf die auffallend blauen Augen des eher jugendlich wirkenden Pilatus und die feinen Gesichtszüge der Veronika im Gegensatz zu den Fratzen der Peiniger und Soldaten. An der XIII. Station hält Maria ihren toten Sohn fest. Jesu linke Hand ist sichtbar angestückelt. „Die hat ein Pfarrer in einem Umschlag gefunden“, weiß der Historiker. Heutige Denkmalpflege wolle erhalten, nicht neu machen, was der fehlende Daumen und erkennbare Witterungsschäden deutlich machen.
Das Heilige Grab kam später dazu
Die Kreuzwegstationen ließ der damalige Förderverein bereits zwischen 2015 und 2020 restaurieren. Für die Lourdes- und die Ölberggrotte, die Jesus im Gebet darstellt, während drei seiner Jünger einschlafen, sowie die Darstellung des Heiligen Grabes steht dieser Schritt noch bevor. Letzteres sei erst um 1900 zum Ensemble dazu, erklärt Reiter. Der Terracotta-Leichnam ist außer dem Bart und den Haaren weiß gefasst und von Gebetstäfelchen umgeben. Kreuzwegdarstellungen an anderen Orten weiten den Blick mit einer XV. Station Richtung Ostermorgen. Sie zeigt die Auferstehung. Auch da waren es übrigens zuerst die Frauen, die das leere Grab fanden und denen Jesus erschien. Aber das ist eine andere Geschichte.