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Vorbild in einer Zeit der zunehmenden Abschottung

Bekennerbischof Sproll vor 70 Jahren gestorben – Gedenkgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst am 10. März in Schweinhausen

Rottenburg/Schweinhausen

Mit einem Gedenkgottesdienst am nächsten Sonntag (10. März) im oberschwäbischen Schweinhausen erinnert Bischof Gebhard Fürst an Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll, der am 4. März vor 70 Jahren gestorben ist. In der Kirche Mariä Himmelfahrt würdigt der Rottenburger Bischof in einem Pontifikalamt um 10.00 Uhr das Leben und Wirken des von den Nationalsozialisten aus der Diözese verbannten Bischofs, der 1870 in Schweinhausen geboren wurde. Seit 2011 ist für Sproll ein Seligsprechungsverfahren im Gange. 
Anlässlich des 70. Todestages von Bischof Joannes Baptista erinnert Bischof Fürst daran, dass Sproll unter den deutschen Bischöfen, neben dem selig-gesprochenen Kardinal Clemens August von Galen, der Einzige gewesen sei, der den nationalsozialistischen Machthabern öffentlich, eindeutig und entschieden die Stirn geboten habe. „Schon früh hat Bischof Joannes Baptista laut die nationalsozialistische Ideologie, die Euthanasieprogramme, den Rassenwahn und auch die Christen-, Kirchen- und Religionsfeindlichkeit des Regimes angeprangert“, betont der Rottenburger Bischof. Er bezeichnet den Bekennerbischof als „ein beeindruckendes Vorbild in einer Zeit, in der die Stimmen lauter werden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen, in einer Zeit der zunehmenden Egoismen und Abschottung“. Bischof Sproll sei Zeuge einer Barmherzigkeit gegenüber behindertem und versehrtem Leben und Mahner für ein respektvolles Miteinander der Menschen und der Religionen. „Er ist Fürsprecher für alle, die unter den Folgen von Flucht und Vertreibung leiden und um ihr Leben fürchten“, so Bischof Gebhard Fürst. Joannes Baptista Sproll war der einzige Bischof in der Zeit des Nationalsozialismus, der seine Diözese verlassen und ins Exil gehen musste. 
Joannes Baptista Sproll kam am 2. Oktober 1870 in Schweinhausen bei Biberach zur Welt. Von 1927 bis zu seinem Tod am 4. März 1949 in Rottenburg war er Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sproll studierte Theologie und Philosophie in Tübingen, 1895 wurde er zum Priester geweiht. Nach drei Jahren als Pfarrer in Kirchen bei Ehingen erging 1912 an Sproll der Ruf nach Rottenburg ins Domkapitel, wo er ein Jahr später das Amt des Generalvikars der Diözese übernahm. Am 18. Juni 1916 zum Weihbischof geweiht, gehörte Sproll nach der Novemberrevolution von 1918 in den Jahren 1919/1920 der verfassungsgebenden Landesversammlung Württembergs an. 
Zum offenen Bruch mit dem nationalsozialistischen Regime kam es 1938, als Joannes Baptista Sproll bei der Volksabstimmung zur Angliederung Österreichs und gleichzeitig der Zustimmung zum „Großdeutschen Reichstag“ und zur „Liste unserer Führers“ am 10. April die Stimmabgabe verweigerte. Die nationalsozialistischen Machthaber organisierten Demonstrationen und Ausschreitungen gegen den Bischof, auf deren Höhepunkt das Bischöfliche Palais in Rottenburg gestürmt und verwüstet wurde. Joannes Baptista Sproll konnte den Angriffen nur knapp entgehen. 
Am 19. August 1938 teilte Reichskirchenminister Hanns Kerrl über den Vorsitzenden der Bischofskonferenz Joannes Baptista Sproll das Aufenthaltsverbot für Württemberg mit. Fünf Tage später wies die Gestapo den Bischof zunächst nach Freiburg aus. Bad Wörishofen, das Kloster St. Ottilien und schließlich der Kurort Krumbad waren die weiteren Stationen. Von dort aus kehrte der von einer Nervenerkrankung schwer Gezeichnete am 12. Juli 1945 als knapp 75-Jähriger in seine Diözese zurück. 
Hinweise
Weitere Informationen über das Leben und Wirken von Bischof Sproll 

Am 27. März stellt der Autor und Sproll-Kenner Pfarrer i.R. Dr. Franz X. Schmid in Ulm einen neuen Buchband über Bischof Sproll vor. Darin bezieht sich Schmid unter anderem auf Tagebucheinträge des einstigen Münchner Kardinals von Faulhaber.

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