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Weltweit offene Türen für Geflüchtete

Beispiele aus dem Irak, Südafrika, Uganda und Guatemala zeigen, wie die weltkirchliche Flüchtlingshilfe der Diözese Rottenburg-Stuttgart wirkt.

Stuttgart
Diözese Rottenburg-Stuttgart

V.l.: Patrick Njala, Projektkoordinator Caritas Kampala, Mengo-Kampala/Uganda; Derma Zurama Ruano González, Koordinatorin für Kleinkind-Seelsorge, Guatemala-Stadt/Guatemala; Moderator Dr. Wolf-Gero Reichert, Rottenburg/Neckar; Erzbischof Bashar Warda C.Ss.R, Erbil/Irak; Sr. Marizete Garbin, Leiterin der Seelsorgeabteilung in der Erzdiözese Johannesburg für Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete im Bienvenu Shelter, Johannesburg/Südafrika. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Theresia Zöller

„In all der Verzweiflung kam uns auch zu Bewusstsein: Gott hat uns in eine spezielle Mission gerufen. Wir sollen der Hoffnung ein Gesicht geben.“ Bashar Warda, Erzbischof der nordirakischen Erzdiözese Erbil, eröffnet das Podium zur weltkirchlichen Flüchtlingshilfe auf dem Katholikentag in Stuttgart mit durchaus hoffnungsfrohen Einblicken: Im Jahr 2015 habe der islamistische Terror nicht nur die Christinnen und Christen, sondern den ganze Irak, durch ein Tal der Tränen geschickt. Die Erzdiözese habe die Türen ihrer Kirchen, und später all ihrer Einrichtungen geöffnet, um den vielen Geflüchteten eine neue Chance zu eröffnen. Mittlerweile sagten ihm viele Menschen – auch Muslime – das seien ganz wichtige Taten und Zeichen gewesen, nämlich dass sie in der Not nicht allein gewesen seien.

Die Bedeutung offener Türen für Geflüchtete unterstreichen auch die anderen Teilnehmenden am Gespräch. Die Scalabrini-Schwester Marizete Garbin, die sich im Bienvenu-Shelter in Johannesburg geflüchteten Frauen und ihren Kindern zuwendet, betont, wie wichtig es für die Geflüchteten ist, sich zuerst einmal in Sicherheit zu wissen. „Wir haben Frauen und Kinder aus 12 Nationalitäten. Da bleiben Spannungen nicht aus. Umso wichtiger ist es, allen das Gefühl zu geben, dass sie hier bei uns tatsächlich willkommen sind.“ In der südafrikanischen Gesellschaft sei oft das nicht der Fall, es gebe viel Vorbehalte und Gewalt gegenüber Geflüchteten.

Mit Caritas Kampala erste Schritte zur Selbstständigkeit

Ähnliches befürchtet Patrick Njala, Koordinator der Flüchtlingshilfe der Caritas Kampala. „Uganda hat die liberalste Asylpolitik von ganz Ostafrika. Doch trotz der grundsätzlichen Gastfreundschaft der Ugander kämpft das Land mit dem großen Zustrom an Geflüchteten.“ Mit Hilfe der Caritas Kampala könnten die Geflüchteten ankommen und erste Schritte zur Selbstständigkeit gehen. Aber das rufe auch Neid bei denjenigen Einheimischen hervor, die vermeintlich nicht dieselbe Unterstützung bekämen. „Deshalb helfen wir immer auch bedürftigen Ugandern.“
Für Zurama Gonzalez von der Erzdiözese Guatemala ist die Perspektivlosigkeit das große Problem. Jeder fünfte Guatemalteke lebe mittlerweile im Ausland. Und nur diejenigen, die es erfolgreich in die Vereinigten Staaten von Amerika schaffen, würden öffentlich wahrgenommen. „Die Suche nach dem „amerikanischen Traum“ hilft uns in Guatemala nicht dabei, Gewalt und Armut in den Griff zu bekommen.“

In der Zusammenschau der unterschiedlichen Länder werden durchaus Gemeinsamkeiten deutlich: Geflüchtete benötigen offene Türen, Sicherheit, ganzheitliche Hilfen, Bildung und letztlich auch Jobs. Dabei sei die Unterstützung der Diözese Rottenburg-Stuttgart extrem wichtig, denn es brauche einen langen Atem, um den Menschen wieder Hoffnungsperspektiven zu eröffnen. Für Erzbischof Warda sei es beispielsweise die entscheidende Zusage gewesen, dass Sie 2015 Häuser für Familien anmieten konnten. „Wir haben die Familien aus den Camps, aus der Gewalt und der Kultur der Hoffnungslosigkeit herausgeholt. Erst dann konnten die Kinder und die Familien wieder an Zukunft, an Bildung, an Sinn denken.“ Auch Sr. Marizete betont, dass Zukunft möglich ist. Eine Absolventin ihres Nähkurses habe ihr später, angekommen in ihrem eigenen Geschäft, erzählt: „Das Nähen war ein persönlicher Weg für mich, die Teile meines gebrochenen Herzens wieder zusammenzufügen.“

Hintergrund: Die Interkulturelle Woche

Die bundesweit jährlich stattfindende Interkulturelle Woche (IKW) ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie findet seit 1975 Ende September statt und wird von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. In mehr als 500 Städten und Gemeinden gibt es rund 5.000 Veranstaltungen. Der nationale „Tag des Flüchtlings“, dieses Jahr am 1. Oktober, ist Bestandteil der Interkulturellen Woche. Weitere Informationen gibt es unter www.interkulturellewoche.de.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden im neu gegründeten Fachbereich Interkulturelles Sozialmanagement der Einsatz der kirchlichen Einrichtungen vernetzt; der Fachbereich ist Teil der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft im Bischöflichen Ordinariat. Der Fachbereich unterstützt auch finanziell Projekte und Einzelpersonen

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