Wenn Kunst Gefühle und Verständnis sichtbar macht
Sibylle Schwenk Schwester Franziska Trögler, Theaterpädagogin und Seelsorgerin bei Menschen mit Behinderung im Dekanat Ostalb, führt mit der inklusiven Theatergruppe „SELA“ auf der Landesgartenschau Ellwangen das Stück „Der Wolf von Gubbio“ auf. Foto: Schwenk
Wie fühle ich mich, wenn ich wütend, ängstlich, fröhlich oder traurig bin? Wie begegne ich dann einem anderen Menschen? „Diese Gefühle auszudrücken und auf die Bühne zu bringen, ist gar nicht so einfach“, sagt Schwester Franziska Trögler, Theaterpädagogin und Seelsorgerin bei Menschen mit Behinderung im Dekanat Ostalb. Mit der Theatergruppe „SELA“ führt sie am 26. September um 18 Uhr auf der Landesgartenschau Ellwangen eine Legende aus dem Leben des heiligen Franziskus auf: „Der Wolf von Gubbio“.
Franziskus zeigt, wie Verständnis Brücken baut
Die Geschichte ist denkbar einfach: Die Einwohner des italienischen Städtchens Gubbio haben Angst vor einem Wolf. Weil sie sich von ihm bedroht fühlen, bauen sie Barrikaden um die Stadt herum auf. Franziskus jedoch möchte verstehen, warum der Wolf die Menschen bedroht, und besucht ihn einfach. Er habe schlichtweg Hunger, erzählt die Legende vom Wolf. Er wolle niemanden verschrecken, sondern eher Freunde haben und halt etwas zu essen. Mit dieser Erkenntnis kann Franziskus eine Brücke des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Einwohnern von Gubbio und dem Wolf bauen. Sie sorgten dafür, dass der Wolf immer genügend Essen hatte, und dadurch verlor er seinen Schrecken und die Bewohnerinnen und Bewohner die Angst vor ihm.
Eine Legende, die Schule machen will
„Diese Legende ist natürlich auf vieles übertragbar und wirbt für das gegenseitige Verständnis, für das Suchen des Gesprächs, für Empathie und Wertschätzung“, erklärt Schwester Franziska. Die acht Mitglieder der Anfang des Jahres gegründeten Theatergruppe „SELA“ sind begeistert von der Geschichte und wollen sie mit Mimik und Gestik zur Aufführung bringen. Bewohnerinnen und Bewohner aus der Stiftung Haus Lindenhof und Mitarbeiterinnen bei habila (Rabenhof) – Menschen mit seelischer oder geistiger Behinderung - kommen dabei zusammen. Dass Menschen mit Behinderung in jeder Hinsicht einen sehr feinen Sensor für Gefühle haben, spielt dabei eine wichtige Rolle und gibt der Interpretation auf der Bühne nochmal einen andere Tiefe.
Atem holen mit der Theatergruppe „SELA“
Gefühle ausdrücken und sie auf der Bühne zeigen, das ist die Kunst, die in 14-tägigen Proben erarbeitet wurde. Dann geht es nicht nur im Stück, sondern besonders für die Darbietenden darum, das Verhalten von Menschen zu verstehen und den eigenen Ängsten zu begegnen. „Denn nur so“, ist Schwester Franziska überzeugt, „kann Veränderung im Verhalten und Zwischenmenschlichkeit geschehen.“
Die Theatergruppe „SELA“, deren Namen nach der Atempause in Psalmversen benannt ist, ist in der Probenzeit zusammengewachsen. Gemeinsam etwas auszudrücken ist nochmal anders, als es alleine zu tun. Und Theater braucht eben auch einen Resonanzraum, eine Bühne, ein Gegenüber. „Deshalb nutzen wir den Kirchengarten auf der Landesgartenschau, um die Legende einem Publikum vorzustellen“, resümiert Schwester Franziska. Die darstellende Kunst macht Gefühle sichtbar. Sie lädt ein innezuhalten, mit „SELA“ Atem zu holen, manches zu überdenken und vielleicht einen Neuanfang zu wagen.
„Der Wolf von Gubbio“, Aufführung am 26. September 2026 um 18 Uhr im Kirchengarten auf der Landesgartenschau Ellwangen. Der Eintritt ist mit der Tageskarte der Landesgartenschau möglich.