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Die düsteren Balken des Todes „durch-schauen“

Unter den Segen des Kreuzes gestellt haben sich zahlreiche Wiblinger sowie Reiterinnen und Reiter aus der Region anlässlich des Heilig-Kreuz-Festes.

Ulm (Donau)

Heilig-Kreuz-Fest in Ulm-Wiblingen: Jeweils paarweise empfangen die Reiter den Segen mit der Kreuzreliquie. Foto: DRS/Jerabek

Zum ersten Mal feierte die Kirchengemeinde St. Martin das Fest der Kreuzerhöhung mit den Klängen ihrer neuen und ersten Hauptorgel auf der Westempore. Da passte es gut, dass mit Prämonstratenserpater Stefan U. Kling der Leiter des Amts für Kirchenmusik im Bistum Augsburg als Festprediger nach Wiblingen kam.

Rund 50 Reiterinnen und Reiter machten sich auf den Weg von Gögglingen, wo das Heilig-Kreuz-Fest mit einer Andacht in der Kirche Hl. Kreuz begonnen hatte, auf den Weg nach Wiblingen. In der Reiterprozession eskortierten sie die Kutsche, in der die Geistlichen der Seelsorgeeinheit Ulm-Basilika mit der Heilig-Kreuz-Reliquie in den Wiblinger Klosterhof einfuhren. Dort beteten Pater Stefan und Dekan Ulrich Kloos mit den Gläubigen das Gebet des heiligen Franziskus und spendeten mit dem kostbaren Reliquiar den Segen für Reiterinnen und Reiter mit ihren Rossen.

Ein angemessenes Schauen auf das Kreuz

In seiner Predigt ging Pater Stefan der Frage nach, wie Kreuzerhöhung heute geschehen könne. Er erinnerte an Kaiser Konstantin, der vor fast 1700 Jahren über dem Kreuzesfelsen Golgota und dem wiedergefundenen Heiligen Grab Christi in Jerusalem eine prächtige Kirche errichten ließ. Einen Tag nach der Weihe der Kirche zeigte man dem gläubigen Volk das Kreuzesholz Christi, das ebenfalls an diesem Platz aufgefunden worden sei. Dieses Ereignis gab dem Festtag seinen Namen: Kreuzerhöhung. Auch wenn schon damals die Christen wohl nur einen verwitterten Balken zu sehen bekomme haben, hätten sie diesen alten Balken „durch-schaut: in ihrer gläubigen Vorstellung entstand das Bild des gekreuzigten Erlösers Christus“, sagte Pater Stefan.

Dieser Ansatz könne auch beim Blick auf die Kreuzreliquie, die seit weit über 900 Jahren in Wiblingen verehrt wird, leitend sein: „Wie die Christen damals brauchen auch wir heute ein unserer Zeit und Glaubensweise angemessenes Schauen auf das Kreuz, das Zeichen unserer Hoffnung, ein angemessenes Schauen auf diese Reliquie – und darin ein Durch-Schauen auf den uns zugewandten gekreuzigten Erlöser Jesus Christus selbst.“ Im Schauen auf das Kreuz gelte es „nachzusinnen über unsere Berufung als Christinnen und Christen“.

Den Schmerz in Liebe verwandeln

Wie die Christen damals in Jerusalem sähen viele Menschen auch heute „nur so etwas wie kaputte, morsche, alte Balken, die das Leben schwer, freudlos und unerlöst machen“, etwa „den schwarzen Kreuzesbalken der Pandemie, den Balken der nicht friedlich aufzulösenden Konflikte und Kriege“, auch „den kaputten Balken der Enttäuschung über unsere Kirche“. Um dahinter den gekreuzigten Erlöser Christus wiederzuerkennen, helfe ein Blick auf Maria, die Mutter Jesu, die unter dem Kreuz steht: „Vom Kreuz herab knüpft der irdische Jesus die Beziehung zur Mutter und zum Jünger Johannes von sich los und verknüpft sie untereinander: ›Frau, siehe, dein Sohn‹, sagt er zu Maria und zu Johannes: ›Siehe, deine Mutter‹ (Joh 19,27).“ Bis in die äußerste Verlassenheit hinein sei der gekreuzigte Erlöser „ganz Liebe für die Seinen“.

Wer wie Maria und Johannes dieses Geschenk des Herrn vom Kreuz herab annehme, so Pater Stefan, „wer den Schmerz in Liebe verwandelt und annimmt, durchschaut die düsteren, schwarzen und fauligen Balken des Todes und stößt durch den Tod hindurch in ein anderes Leben“. Wer sich von Jesus mit der Schwester, dem Bruder verknüpfen lasse, wer menschliche Not in Liebe verwandle, „wer durch das Evangelium die Kunst erlernt, aus Verstrickungen tragende Beziehungsnetze zu machen, der durchschaut das Kreuz und begegnet Christus. Das ist Kreuzerhöhung. Kreuzerhöhung heute heißt: höher, weiter, tiefer schauen, sich von Gott den Erdenblick in Himmelschau verwandeln zu lassen.“

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