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Wo Essen Menschen zusammenbringt

Vesperkirche bedeutet für viele: zwei Wochen nicht allein essen müssen. Für andere bedeutet sie endlich eine warme Mahlzeit. Ein Besuch in Herrenberg.

Herrenberg

Insgesamt 235 Menschen helfen in zwei Wochen beim Vorbereiten und Ausgeben des Essens mit. Foto: DRS / Jacqueline Fritsch

Sie haben extra noch den Caterer gewechselt, damit das Essen für die Gäste vom Feinsten ist. An diesem Tag gibt es Linsen und Spätzle in der Herrenberger Vesperkirche. Und wer eine Portion will, muss sie sich nicht einmal selbst holen – wie im Restaurant werden die Menschen hier bedient. Dafür wuseln junge und ältere Leute, Männer und Frauen in strahlend hellgrünen Schürzen durch das katholische Gemeindehaus, tragen Getränke, Linsen, Spätzle, Würstle und vegetarische Würstle durch die Gegend. Beeindruckende 46 Helfer:innen sind pro Tag am Start – und tun alles für das Wohl der Gäste. „Wir wollen den Menschen hier zeigen: Du bist etwas Wertvolles“, sagt Evelyn Schäfer aus dem Leitungsteam der Herrenberger Vesperkirche.

Die wohl jüngste Besucherin an diesem Tag ist sechs Jahre alt. Sie kommt mit ihrer Mutter und deren Oma traditionell zur Vesperkirche, um als Familie etwas gemeinsam zu unternehmen und unter Leute zu kommen. Auch andere Gäste erzählen, dass die Gemeinschaft für sie im Mittelpunkt der Vesperkirche steht. Und dann sitzt da noch ein Mann, der am Wochenende hier als Helfer tätig ist und heute einmal die andere Seite der Vesperkirche kennenlernen will. Das Ehrenamt übernimmt er aus Nächstenliebe. „Ich habe schon viel Gutes erfahren und das will ich weitergeben“, sagt er.

Viele junge Engagierte

Die vierte Herrenberger Vesperkirche ist am 25. Januar eröffnet worden und läuft bis zum 8. Februar. In den vergangenen Jahren war sie im evangelischen Gemeindehaus, jetzt ist sie ins katholische umgezogen, das etwas außerhalb der Stadtmitte liegt. Daher gibt es nun einen Fahrdienst, der die Leute bei Bedarf abholt und wieder nachhause bringt. Ulrike Altherr aus dem Leitungsteam freut sich, dass die Vesperkirche inzwischen eine „Vierer-Ökumene“ ist, wie sie sagt. Die katholische, evangelische, neuapostolische und methodistische Kirche wirken an dem Projekt mit. Und noch eine Besonderheit: Unter den insgesamt 235 Helfer:innen sind zahlreiche junge Leute aus Schulen, Konfirmanden- und Firmgruppen. „Sie sind bei uns vollwertige Mitarbeiter:innen und laufen nicht nur mit“, sagt Ulrike Altherr. 

Die Mitarbeiterinnen an der Essensausgabe freuen sich riesig, dass die Vesperkirche jetzt wieder zwei Wochen geöffnet hat. „Wenn man sich nach einem Jahr beim Vorbereitungstreffen wieder sieht, ist das immer eine große Freude“, sagt eine Frau. Eine andere ist zum ersten Mal dabei, weil sie jetzt mehr Zeit hat und „etwas Soziales“ machen will.

Bedürftigkeit sieht man den Leuten nicht an

Bei all der guten Stimmung, die im Gemeindehaus zur Mittagszeit herrscht, könnte man fast den ernsten Hintergrund der Vesperkirchen vergessen. Denn hauptsächlich versammeln sich hier einsame und bedürftige Menschen. „Für viele heißt Vesperkirche einfach: 14 Tage ein warmes Essen bekommen“, sagt Evelyn Schäfer. Sie ist von der neuapostolischen Kirche und hauptsächlich für die Organisation der Kuchen zuständig. Sie sagt, sie habe schon als Kind gelernt, nicht einfach wegzuschauen – deshalb ist sie auch seit Jahren in der Vesperkirche engagiert und fährt samstags Essen aus. „Man sieht es hier niemandem an, wer bedürftig ist. Sie putzen sich dafür extra raus, aber wir kennen die Leute natürlich“, sagt Schäfer. Es ist auch gar nicht wichtig zu sehen, wer aus welchen Gründen in die Vesperkirche kommt. Hier singt man zusammen, isst und unterhält sich einfach. Leider dauert das aber nur zwei Wochen an. „Am Ende stehen viele da und weinen“, sagt Schäfer, „weil sie dann wieder allein sind.“

Finanzierung

In Vesperkirchen gibt es traditionell warmes Mittagessen umsonst. Finanziert werden die Vesperkirchen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart über Spenden, die Mutter-Teresa-Stiftung und Gelder, die bei Veranstaltungen und Aktionen übers Jahr eingenommen wurden. 

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