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Zu Ehren des legendären Bischofs

Die Nikolausgilde Bad Saulgau hält seit 65 Jahren die Erinnerung an einen wohltätigen und kinderfreundlichen Heiligen hoch.

Bad Saulgau
Die Nikoläuse stehen im Halbrund im Chorraum der Kirche.

Die Nikolausgilde Bad Saulgau feierte am Samstag ihre Gründung vor 65 Jahren mit einem festgottesdienst in der St.-Johannes-Kirche - Foto: Eugen Kienzler

Das Jubiläumshochamt musste am vergangenen Samstag ohne den Ehrengast und Festprediger auskommen. Notker Wolf, emeritierter Abtprimas der Benediktiner aus der Erzabtei Sankt Ottilien, steckte im Schneechaos rund um München fest und konnte nicht nach Oberschwaben reisen. An Mitra- und Stabträgern mangelte es in der Bad Saulgauer St.-Johannes-Kirche dennoch nicht. Acht Mitglieder der Nikolausgilde schlüpften in ihr Bischofsgewand, das an den beliebten Heiligen aus dem 4. Jahrhundert erinnert, und versammelten sich mit Pfarrer Shinto Kattoor und etlichen als Knecht Ruprecht verkleideten Begleitern um den Altar.

Mit der Gründung der Gilde 1958 bekam die Tradition des Nikolaus in Bad Saulgau ihr christliches Fundament zurück. Aus den oft furchteinflößenden Gestalten, die Kindern mit klirrenden Ketten am Nikolausabend Angst einjagten, machte die Gilde wieder einen Bischof der Güte und der Nächstenliebe. So etwas wie der Ur-Nikolaus in Bad Saulgau war Josef Kreidler. Schon vor der Gründung der Gilde besuchte er am Abend des 5. Dezember die Familien und grenzte sich von den „wilden“ Klosa ab. Der damalige Kaplan Bernhard Reck nahm diese neue Form der Nikolausfeiern auf. Es war die Geburtsstunde der Nikolausgilde.

Freude und christliche Werte in die Familien bringen

Der originale Nikolaus wirkte einst als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien, die in der heutigen Türkei liegt. Zu den bekanntesten Legenden über ihn gehört die heimliche Mitgiftspende an drei arme Schwestern, die er so vor der Prostitution bewahrte, und das Kornwunder. Während einer Hungersnot luden Seeleute in Myra Getreide ab, ohne dass ihnen bei der Weiterfahrt etwas fehlte. Seine Reliquien werden seit dem 11. Jahrhundert im süditalienischen Bari verehrt. Er gilt unter anderem als Patron der Seefahrer, Kaufleute, Rechtsanwälte, Getreidehändler, Pilger und Reisenden sowie von Gefängniswärtern und Gefangenen.

Wichtig und vorbildlich sei es, den alten Brauch des Nikolausbesuches aufrecht zu erhalten und damit auch heute Freude und christliche Werte in die Familien bringen. Dies betonte der habilitierte Volkskundler Werner Mezger aus Rottweil der Jubiläumsgilde beim Festakt im Alten Kloster. „Es ist bedenklich, wenn gefragt wird, ob der Weihnachtsmann von Coca-Cola erfunden wurde“, sagte der Festredner im Blick auf die werbewirksame Figur, die den Nikolaus medial verdrängt habe. 14 Nikolauspaare besuchen in diesem Jahr in Bad Saulgau 120 Haushalte mit 150 Familien und 350 Kindern. Zum Jubiläum erhielten sie neue Gewänder und Requisiten.

Auch Weihbischof Renz als Nikolaus unterwegs

Florian Strobel, „Erzbischof“ der Nikolausgilde, dankte allen Beteiligten und überbrachte die Grüße des früheren Saulgauer Pfarrers und heutigen Weihbischofs Thomas Maria Renz, der wegen der Verabschiedung von Bischof Gebhard Fürst nicht vor Ort sein konnte. Er komme aber dafür am Nikolausabend nach Bad Saulgau, so dass sich einige Familien über einen echten Bischof als Nikolaus freuen dürften. Auch ein SWR-Team begleitet den Nikolausabend in der Stadt und produziert einen Beitrag für die Landesschau am 6. Dezember.

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