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Zu Fuß zum Blutritt in Weingarten

Seit über 40 Jahren pilgern die angehenden Priester der Diözese mit ihren Begleitern vier Tage lang vom Großen Lautertal nach Oberschwaben.

Weingarten
Auf dem Archivbild steigen die jungen Männer die Treppen zur Weingartener Basilika hoch, deren Nordturm über die Klostermauer schaut.

Angekommen - die Diakone erklimmen die letzten Stufen zur Weingartener Basilika - Archivbild: Priesterseminar Rottenburg

Am Montag machen sie sich auf den Weg, die fünf Diakone, die Bischof Dr. Klaus Krämer am 11. Juli zu Priestern weihen wird. Sie starten in Bichishausen und übernachten in Obermarchtal, Seekirch und Aulendorf. Ihr Ziel ist Weingarten, wo Sie am Abend von Christi Himmelfahrt die Festpredigt ihres Bischofs hören und sich an der Lichterprozession auf den Kreuzberg beteiligen. Der Freitag steht im Zeichen des Blutritts, der größten Reiterprozession Europas. Regens Andreas Rieg begleitet die Diakone neben Spiritual Uwe Thauer und teilweise auch Riegs Vorvorgänger, Generalvikar Dr. Clemens Stroppel, zu Fuß und mit dem VW-Bus. Der Regens spricht über seine bisherigen Erfahrungen im Interview.

Dass die angehenden Priester der Diözese über mehrere Tage nach Weingarten pilgern, hat Tradition. Wie ist diese entstanden?

Die Tradition geht schon sehr weit zurück. Erstmals gingen die Diakone des Weihekurs 1983 mit Regens Bernhard Kah den Weg nach Weingarten. Das hat sich mit nur wenigen Unterbrechungen bis heute so durchgehalten.

Im Gegensatz zum sportlichen Regens ist das sicher für den ein oder anderen Diakon eine ungewohnte körperliche Herausforderung. Wie motivieren sie die Männer, wenn die Kräfte nachlassen und die Blasen schmerzen?

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Etappen von der Weglänge her zu schaffen sind. Es ist aber auch gut, einmal seine Grenzen zu erfahren und zu spüren. Die wunderbare und sich immer wieder verändernde Landschaft trägt das ihre zum Gelingen bei, wie auch das Miteinander.

Und wenn es gar nicht mehr geht?

Dann gibt es noch das Begleitfahrzeug. Da bin ich dann froh, dass ich auch mal mit der Gruppe gehen kann und nicht immer ein Stück vorausfahre und dann der Gruppe entgegengehe.

Die Diakone sind ja nicht als Wanderer, sondern als Pilger unterwegs. Wie gestalten Sie die Tage spirituell und liturgisch?

Die Tage sind unterbrochen und gerahmt durch das Stundengebet oder das "Regina Coeli", wenn von einem der Kirchtürme am Weg - zum Beispiel auf dem Bussen - mittags die Glocke läutet. Wir feiern auch Gottesdienste vor Ort mit, etwa in Untermarchtal. Wir beteiligen uns am Bittgang von Seekirch nach Tiefenbach und feiern dort die Heilige Messe inmitten der Natur am Federsee. So können die Diakone die Vielfalt in der Diözese kennenlernen und miterleben.

Sie haben die Natur angesprochen. Ist nicht auch die Schöpfung ein "theologischer Ort"?

Ja, das ist ganz in der Spur des Heiligen Bonaventura. Er hat einmal geschrieben: "Wer also durch so viel Glanz  in den Geschöpfen nicht erleuchtet wird, ist blind." Und weiter: “Mache dein Herz bereit, damit du in allen Geschöpfen deinen Gott siehst, ihn hörst, lobst, liebst und anbetest, ihn preist und ehrst.”

Und wenn Sie Gott gelobt und geehrt haben und die Strapazen hinter Ihnen liegen, klingt der Tag dann gemütlich aus?

Genau. Meist sitzen wir noch ein wenig zusammen bei einem Radler oder "Wallfahrtsbier".

An Christi Himmelfahrt erreichen Sie das Ziel. Kommen die Diakone anders in Weingarten an, als sie in Bichishausen losgegangen sind?

Jeder kommt anders an, als er aufgebrochen ist. Da sind zum einen die persönlichen Wegerfahrungen und vielfältigen Eindrücke in der Natur, in Kirchen, Kapellen und an Wegkreuzen. Dann ist das Unterwegssein selbst auch ein Zeichen des Glaubens. Man geht den Weg gemeinsam und doch muss ihn jeder selbst gehen.

Und was bleibt neben diesen Eindrücken und Erfahrungen am Ende vom Pilgerweg?

Die Freude, es geschafft zu haben - und die Dankbarkeit für die Gastfreundschaft auf dem Weg.

Der Blutfreitag in Weingarten

Der Blutritt als größte Reiterprozession seiner Art wird auch am 15. Mai wieder etwa 1.800 Reiterinnen und Reiter sowie Tausende Fußwallfahrerinnen und -wallfahrer ins oberschwäbische Weingarten locken. Festgast Dr. Klaus Krämer, seit Dezember 2024 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sieht im Blutritt ein Zeichen für das gemeinsame Unterwegssein als Kirche. Trotz und wegen der zunehmenden Globalisierung brauche es solche Ankerpunkte des Glaubens. "Je mehr die virtuelle Kommunikation an Bedeutung gewinnt, umso notwendiger wird die direkte Begegnung von Mensch zu Mensch", betont er in seinem Grußwort.

Bereits am 14. Mai, dem Abend von Christi Himmelfahrt, hält Bischof Krämer die Festpredigt in der Basilika und begleitet die Lichterprozession auf den Kreuzberg. Als weltlicher Ehrengast verfolgt Günther H. Oettinger, ehemaliges Mitglied und Vizepräsident der Europäischen Kommission und Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg a.D., den Blutritt. Pater Pirmin Meyer OSB vertritt in diesem Jahr als Heilig-Blut-Reiter Dekan und Pfarrer Ekkehard Schmid, der wegen eines Reitunfalls Anfang Mai diese Aufgabe nicht wahrnehmen kann.

Alle weiteren Informationen um den Blutfreitag finden Sie hier.

Zur Person

Andreas Rieg, seit September 2007 Regens und somit Leiter des Priesterseminars in Rottenburg, ist 1963 in Schwäbisch Gmünd geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Physik, dann Theologie. 1994 wurde er in Schwäbisch Gmünd zum Priester geweiht. Nach Vikarsjahren in Friedrichshafen und Freudenstadt war Rieg Pfarrer und Dekan im Dekanat Hohenlohe. Seit 2017 ist er Mitglied des Rottenburger Domkapitels.

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