Zum Inhalt springen

Zukunftsmut wächst dort, wo Liebe ist

Wie wird sozial-karitatives Ehrenamt fit für die Zukunft? Beim diözesanen Begegnungstag der Caritas-Konferenzen schauten Engagierte mutig nach vorne.

Ellwangen (Jagst)
Ehrenamtliche strecken ihre Hände in die Höhe.

„Schön, dass du da bist“: Jörg Pollinger und Sandra Hehrlein (links) vom Theater Q-rage aus Ludwigsburg freuen sich über die vielen Hände, die ehrenamtlich sozial-karitativ „zupacken". Beim CKD-Diözesanbegegnungstag im Tagungshaus Schönenberg stimmten sie mit Charme und Esprit auf den Zukunftsprozess des „Netzwerks von Ehrenamtlichen“ ein. Mit dazu gehörte auch gemeinschaftliches Schulterklopfen als Zeichen der Wertschätzung. Foto: DRS/Jerabek

Wenn sich ehrenamtlich Engagierte aus Besuchsdiensten und Nachbarschaftshilfen treffen, trifft man auf geballte Leidenschaft für tätige Nächstenliebe in oft jahrzehntelanger Treue. Das „Netzwerk von Ehrenamtlichen“, wie der Name der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) erläuternd lautet, ist ein Zusammenschluss freiwillig sozial engagierter Frauen und Männer in Kirchengemeinden und sozialen Einrichtungen, gleichsam die eine Herzkammer der Kirche, die dazu beiträgt, im Geiste des Evangeliums den Auftrag zu solidarischer Hilfe zu verwirklichen. Beim Diözesanbegegnungstag mit Vertreter- und Vertreterinnenversammlung der CKD auf dem Schönenberg ging es um Austausch, Stärkung und Wertschätzung und um die Frage, wie sich das sozial-karitative Ehrenamt angesichts der vielen Herausforderungen und Veränderungen in Kirche und Gesellschaft auch in Zukunft gut gestalten lässt. Denn auch das Ehrenamt steht unter Druck, die Zahl der Engagierten sinkt.

Zukunftsmut, der handlungsfähig macht 

Mit „Zukunftsmut“ haben deshalb die Verantwortlichen des CKD-Diözesanverbands das Treffen überschrieben. Die biblische Figur des Elija stand dabei Pate, jener Prophet aus dem Alten Testament, der mit großem Eifer für die Sache Gottes streitet, der aber auch ins Grübeln kommt und Erschöpfung, Ängste und Sorgen kennt; der sich von Gott aufrichten lässt, weil er Vordergründiges loslässt und staunen lernt; weil er spüren darf, „was Leben eigentlich ist: nämlich verbunden sein mit dem Leben und verbunden sein mit dem, der das Leben gibt und das Leben will“, wie CKD-Diözesanvorsitzende Brigitte Neyer-Strohmaier in ihrem spirituellen Impuls formulierte.

Was in krisen-geprägter Zeit Zukunftsmut heißen kann und woher Zukunftsmut zu nehmen ist, formulierte Professor Martin Kirschner in einem als Audio übermittelten Grußwort. „Es kann nicht um Schönfärberei, Verdrängung oder Zweckoptimismus gehen, sondern um das, was im Zentrum unseres Glaubens steht: Hoffnung“, sagte Kirschner, der den Lehrstuhl für Theologie in Transformation an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt innehat und ständiger Diakon in Tübingen ist. „Hoffnung meint einen realistischen Zukunftsmut, der handlungsfähig macht und es möglich macht, sich den Herausforderungen zu stellen: persönlich, aber auch als Organisation oder Verband.“

Mit Zuversicht in die Zukunft

In Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Václav Havel, dass Hoffnung nicht die Überzeugung sei, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht, wünschte Kirschner den ehrenamtlich Engagierten ebendiese Erfahrung von Sinn im Tun, denn „sie ist das, was Engagement trägt, auch wenn die Gesellschaft und die Welt um uns herum in desaströse Richtungen zu kippen droht“. Im Glauben erfahre diese Hoffnung eine Vertiefung, wenn es gelingt, „alles im eigenen Tun und Zweifeln und Suchen Gott anzuvertrauen und in seine Hand zu legen“. Zukunftsmut wachse letztlich dort, „wo ich den Anderen in den Blick nehme und aufhöre, um mich selbst zu kreisen“. Mit anderen Worten bedeute dies, so Kirschner: „Zukunftsmut wächst nicht nur aus Überzeugung und aus dem Dennoch-Vertrauen des Glaubens in Gott, er wächst dort, wo Liebe ist. Es ist die Caritas selbst, die Zukunft eröffnet und Mut macht.“ Es gelte, „die verbandlichen Strukturen und die Kultur der Caritaskonferenzen daran auszurichten, dass diese eigentliche, das Engagement motivierende Erfahrung leitend wird und das gemeinsame Tun prägt: Das Handeln aus Überzeugung, das Vertrauen in Gott und vor allem, das zwischenmenschliche Wohlwollen absichtsarmer Liebe“.

Dass der anstehende Veränderungsprozess ein Prozess ist, für den es auch Leichtigkeit, Kreativität und Humor braucht, zeigte Q-rage mit spritzigem Improvisationstheater. Die Vertreter- und Vertreterinnenversammlung gab grünes Licht für das mutige Weitergehen in diesem Prozess. In Gesprächsrunden, Mini-Workshops und einem gemeinsamen Gottesdienst setzten sich anschließend die ehrenamtlich Engagierten mit dem Thema auseinander. Sie tauschten sich über Erfahrungen und Chancen aus, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, nahmen im Gestalten eines Zukunftsbaums das Fundament und die Ressourcen sowie die mögliche künftige Gestalt ihres persönlichen und verbandlichen Engagements in den Blick oder übten sich in Teamarbeit auf dem Wagemut-Parcours mit Strippensurfer und Schwungtuch. Auch das Angebot, einen Sonnenfänger aus Perlen und Acrylsteinen zu basteln, fand regen Zuspruch: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen die kleinen Anhänger, die das Licht sammeln und in vielen Farben tanzen lassen, mit nach Hause als Zeichen für Zuversicht, Verbundenheit und den Mut, die Zukunft mit Gottvertrauen zu gestalten.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Menschenwürde statt Notverwaltung

Stuttgart

Wohnungsnotfallhilfe der Caritas begrüßt Bundesleitfaden zur Unterbringung wohnungsloser Menschen und fordert verbindliche Umsetzung.

Als neue Caritasregion nah bei den Menschen

Laupheim

Aus Biberach-Saulgau und Ulm-Alb-Donau wurde die Caritas Ulm-Biberach - beim Neujahrsempfang stand die soziale Verbundenheit im Mittelpunkt.

Aktuelles

aus der Region

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

Insta-Pfarrer goes TV und Sonja (fast) zum Beichten

Obermarchtal

„Sonja in ...“ heißt eine Reportagereihe der SWR-Landesschau. Auf ihrer Tour durch Obermarchtal trifft Sonja Faber-Schrecklein „Insta-Pfarrer“ Loi.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Franziska Deubel

Diese Orgel schwebt von A nach B

Wer am Tag des Offenen Denkmals am 13. September etwas Besonderes sehen möchte, für den kommt vielleicht die schwebende Orgel in Alpirsbach in Frage.

Bild: picture alliance SZ Photo Alessandra Schellnegger

Christliche Kirchen gratulieren zum jüdischen Neujahrsfest

Rottenburg am Neckar

Bischöfe und Bischöfin aus Baden-Württemberg übermitteln ihre gemeinsamen Glück- und Segenswünsche und äußern ihre Hoffnung auf Frieden und Freiheit.

Christian Turrey

War der 11. September vorhergesagt?

Ein New Yorker Künstler gestaltet in den 90er Jahren einstürzende Brücken und fallende Twin Towers aus Stein. Eine Prophezeiung für den Anschlag 2001?

Matthias Zahner

Beeindruckende Wegmarken des Glaubens

Rottenburg am Neckar

Der emeritierte Bischof Dr. Fürst und Weihbischof Dr. Schneider segnen den nun vollständig restaurierten Prozessionsweg im Weggental in Rottenburg.

Gregor Moser

Bürgermeister bei Pilgertag in Oberschwaben

Weingarten

Rund 40 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nutzen Angebot der Diözese für Auszeit mit geistlichen Impulsen, Gesprächen und Zeit zur Besinnung.