Zum Nachtisch gibt’s Eis vom Bischof
Als Lohn für die gewonnene Wette geben Bischof Dr. Klaus Krämer und Baubürgermeisterin Annette Schwieren Eis an die Kinder und Jugendlichen aus. Foto: Kautzsch
Exakt 528 Schüler:innen haben am Montagmorgen auf dem Marktplatz vor dem Dom gemeinsam gefrühstückt. Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine gewöhnliche Mahlzeit früh morgens. Die meisten Produkte – Marmelade, Schokocreme, Honig und Kakao-Pulver – wurden fair gehandelt.
Große Projektgruppe organisiert das „Faire Frühstück“
Eine Projektgruppe bestehend aus der Schulpastoral Dekanat Rottenburg, dem katholischen Jugendreferat Rottenburg, der Seelsorge bei Menschen mit Behinderung, dem Weltladen Rottenburg, der Stabsstelle Umwelt der Stadt Rottenburg, der Fachstelle Globales Lernen an Schulen/Misereor und der Regionalstelle Südwest Missiohatten das „Faire Frühstück“ vorbereitet.
„Wir sind sehr froh, dass so viele unterschiedliche Schulen und Schulklassen für dieses inklusive Projekt hier sind“, sagte Juliane Kautzsch vom Schulpastoral des Dekanats Rottenburg am Rande der Veranstaltung. Die Grundschulen aus Dettingen und Hemmendorf nahmen ebenso Teil wie die Weggentalschule und die Lindenschule. Auch das Paul-Klee-Gymnasium, die Carl-Joseph-Leiprecht-Schule, die Josef-Eberle-Schule, das St.-Meinrad-Gymnasium und die St.-Klara-Schule waren auf dem Marktplatz mit dabei.
Schüler:innen wetten mit dem Bischof und der Stadt
Die Organisator:innen hatten im Vorfeld mit Bischof Dr. Klaus Krämer und Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher gewettet, dass 500 oder mehr Kinder und Jugendliche sich auf dem Marktplatz versammeln, „um gemeinsam ein Zeichen für globale Gerechtigkeit zu setzen“, wie die Veranstalter:innen ankündigten.
Bischof Krämer und Rottenburgs Erste Bürgermeisterin Annette Schwieren – in Nehers Vertretung – machten sich am Montagvormittag selbst ein Bild, um zumindest grob nachzuzählen, ob tatsächlich mehr als 500 Schüler:innen gekommen waren.
Wie essen Sie Ihren Döner am liebsten, Herr Bischof Krämer?
Doch zunächst stellten sich die beiden noch den kniffligen Fragen der jungen Interviewer:innen. Ein Junge fragte beispielweise, ob Bischof Krämer schon immer Bischof werden wollte. „Nein, ich wollte Theologie studieren – Pfarrer oder auch Lehrer werden. Aber, dass ich dann Bischof geworden bin, war eine Überraschung“, sagte Bischof Krämer, dem die Antwort auf die anschließende Frage nach seinem Traumberuf leichtfiel: „Ich habe jetzt meinen Traumjob, weil ich in der Diözese unglaublich viel herumkomme und viele Menschen treffe.“
Und wie mag der Bischof Krämer seinen Döner am liebsten? „Ich esse nicht so häufig Döner. In Berlin hatte ich einen Gemüsedöner – der schmeckt wirklich klasse“, antwortete Bischof Dr. Klaus Krämer.
Ein Fairtrade-Döner? „Kein realistisches Projekt“
Auch Annette Schwieren kam nicht ohne eine Döner-Frage davon. Ob sich die Erste Bürgermeisterin für einen fairen Döner in Rottenburg einsetzen würde, wurde Schwieren gefragt. „Bei aller Liebe zu Fairtrade glaube ich nicht, dass es ein realistisches Projekt wäre, weil Produkte, die normalerweise in einem Döner enthalten sind, recht schwierig unter Fairtrade-Bedingungen herzustellen sind“, antwortete Schwieren.
Fairtrade-AGs bereiten Quiz vor
Die Fairtrade-AGs von verschiedenen Schulen gestalteten zudem ein Quiz rund um das Thema Fairtrade. Sie wollten wissen, wie das faire Handy genannt wird, seit wann es den Weltladen in Rottenburg gibt und welches faire Produkt weltweit am meisten verkauft wird. Zwischen a), b) oder b) mussten sich die Schülerinnen und Schüler entschieden. Die Antworten gaben sie mit ihrer Stimme, sodass der Geräuschpegel auf dem Marktplatz zeitweise rasch anstieg. Die richtigen Antworten lauteten Fairphone, 1977 und Kaffee – die jungen Fairtrade-Expert:innen wussten die Lösungen selbstverständlich.
Bischof Krämer: „Ein starkes Zeichen für die Bedeutung des fairen Handels“
Am Ende stand noch die alles entscheidende Frage im Raum: War es den Rottenburger Schulen gelungen, mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Marktplatz zusammenzubringen. Nachdem jede Schule ihre Anzahl über das Mikrofon verkündet hatte, stand unter dem Strich die Zahl „528“. Wette gewonnen. Der Lohn: Gratis-Eiscreme für 528 freudestrahlende Gesichter – ausgeben von Bischof Dr. Krämer und Annette Schwieren. „Ich freue mich sehr, dass über 500 Schülerinnen und Schüler auf dem Rottenburger Marktplatz für dieses Faire Frühstück zusammengekommen sind. Das ist ein starkes Zeichen für die Bedeutung des fairen Handels. Dafür setzen wir uns als Kirche sehr stark ein. Und auch die Stadt Rottenburg ist hier seit vielen Jahren Vorreiter. Daher ist es ein tolles Event und ein gutes Beispiel für andere“, sagte Bischof Dr. Krämer abschließend. Schwieren ergänzte: „Es war ein sehr gelungener Vormittag so kurz vor den Ferien.“
Vorab besuchten viele Schulen mit einzelnen Klassen die WeltFAIRänderer-Woche im Rottenburger Domgemeindehaus. „Dort haben sie praxisnah und spielerisch die Themen Fairness im Alltag, aber auch die Bedeutung des fairen Handels auf globaler Ebene kennengelernt. Auch von einer online bereitgestellten Materialliste zu Themen wie faire Bananen oder Schokolade, Handys, Kolonialismus, Fast-Fashion, Fair-Fashion und vielen mehr wurde Gebrauch gemacht“, sagt Theresa Angstenberger, Fachreferentin Globales Lernen an Schulen. Für Martina Jäger, Seelsorge bei Menschen mit Behinderung - inklusiv und familienorientiert, ist die Aktion „mehr als gut gelungen, da hier Teilhabe nicht nur ermöglicht wird, sondern sie auch aktiv von Schüler:innen aus der Weggentalschule mitgestaltet wurde, indem sie in der fairen Woche Erdbeeren gepflückt haben, in ihrer Schule daraus Marmelade gekocht haben – soviel, dass es nicht nur für die Wette auf dem Marktplatz reicht, sondern auch noch für ein eigenes Frühstück in der Schule.“ Ioan Brstiak, missio, Referent Regionalstelle Südwest, ergänzt: „Wenn über 500 Kinder und Jugendlichen gemeinsam frühstücken und dabei erfahren, dass jede und jeder mit alltäglichen Entscheidungen, etwa beim Frühstücken, zu mehr globalen Gerechtigkeit beitragen kann, dann wird die weltkirchliche Solidarität sichtbar. Wir, als Regionalstelle Südwest, möchten auf diese Weise insbesondere junge Menschen ermutigen, Verantwortung für die Eine Welt zu übernehmen und mit bewussten Entscheidungen ein Zeichen für Nächstenliebe zu setzen.“