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Zwischen Liegestuhl und Friedhofspark

Über 100 Frauen haben sich am Mittwochabend bei der ersten Frauenkirche "to go" im Stuttgarter Norden über ihre Lebensträume unterhalten.

Stuttgart-Nord
Ein Gefühl von Sommernachtskino auf dem Kirchhof St. Georg. Foto: KDFB/Manuela Pfann

Ein Gefühl von Sommernachtskino auf dem Kirchhof St. Georg. Foto: KDFB/Manuela Pfann

Die Umgebung von St. Georg im Stuttgarter Norden ist am Mittwochabend Ort der ersten Frauenkirche „to go“. In Kooperation mit dem Mädchengymnasium St. Agnes hatte der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) zu diesem neuen liturgischen Format eingeladen. Um in Corona-Zeiten den notwendigen Abstand einhalten zu können und gleichzeitig vielen Frauen eine Teilnahme zu ermöglichen, hatten die Verantwortlichen entschieden, den Gottesdienst außerhalb der Kirche zu feiern. Beginn und Abschluss des Gottesdienstes waren im Hof von St. Georg, zwischendrin wurden die Frauen auf einen ganz persönlichen Weg rund um die Kirche geschickt.

Es ließ ein wenig an die Atmosphäre bei einem Sommernachtskino denken: Liegestühle, Sitzkissen und Decken waren im Innenhof von St. Georg platziert, mehr als 100 Frauen hatten sich dort versammelt. Sie wurden mit Musik, Texten und Impulsen durch den Abend begleitet. Alles stand unter der Überschrift „Lebensträume“.

Auf ganz persönlichen Wegen

Seinen Träumen und sich selbst treu zu bleiben, das war die Botschaft an die Teilnehmerinnen zu Beginn des Gottesdienstes, eindrücklich geschildert in einem fiktiven Monolog der Apostelin Maria Magdalena, deren Namenstag an diesem Tag (22. Juli) gefeiert wurde: „Jesus ruft mich als Frau in einer Gesellschaft in der die Männer das Sagen haben und die Frau am besten schweigt. Trotzdem hatte ich in der frühen Gemeinde eine hohe Stellung. Den Menschen war sehr wohl bewusst, dass ich eine besondere Beziehung zu Jesus hatte. Leider hat Papst Gregor I meinen Ruf nachhaltig zerstört. Er hat aus mir eine Sünderin gemacht, voller Laster, eine Prostituierte. Das sagt mehr über ihn aus, als über mich.“

Weil die einen, die Schülerinnen von St. Agnes, gerade erst begonnen haben zu träumen und die anderen, großenteils Frauen über 50, bereits auf gelebte oder nicht gelebte Träume zurückblicken können, wurden die Teilnehmerinnen der Frauenkirche anschließend, jede für sich, auf einen persönlichen Weg geschickt. Musikalisch begleitet vom Musik-Leistungskurs des Gymnasiums und Robert Schumanns „Träumerei“ und ausgerüstet mit einer geistlichen und süßen Wegzehrung verließen die Frauen allen Alters den Kirchhof. Hinein ins nahe gelegene Wohngebiet, zu einem Spaziergang über den gegenüberliegenden Pragfriedhof oder sie blieben vor Ort und verweilten in der Kirche St. Georg. Sie stellten sich den mitgenommenen Fragen wie: „Wovon hast Du geträumt, als Du jünger warst? Manche Träume bleiben unerfüllt. Du kannst sie dennoch lieb behalten. Was hilft Dir, versöhnt auf sie zu schauen? Sprichst Du mit Gott über Deine Träume?“

Zwischen gelebten und zukünftigen Träumen

Zurück auf dem Innenhof von St. Georg tauschten sich die Generationen untereinander aus: Da lauschten die älteren Frauen den Worten der jüngeren, die von Freundschaft, Liebe, Familie und einer friedlichen Welt träumen oder dem richtigen Beruf, um frei und selbständig leben zu können. Und die Jüngeren erfuhren von der Zufriedenheit der Älteren, die manches Mal keine Träume hatten oder haben konnten; und dennoch dankbar waren, über gewählte Berufe und Berufungen oder dass sie einfach die Herausforderung Familie mit Höhen und Tiefen meisterten.

Am Ende des Abends erbaten alle zusammen den Segen Gottesfür die vor ihnen liegenden Wege. Die dabei erhobenen Hände der mehr als 100 Frauen unterschiedlicher Generationen seien Zeichen, „dass wir durchlässig werden für Gottes Traum mit uns“, sagte die geistliche Beirätin des KDFB, Claudia Schmidt abschließend.

Die Reihe „Kirche anders, Frauenkirche“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde 2010 ins Leben gerufen. Die Stuttgarter Frauenkirche gibt es regelmäßig seit 2015 in St. Georg. Nach diesem Vorbild wurde 2017 auch die Frauenkirche im ländlichen Raum initiiert und wird eigenständig von der Landfrauenvereinigung im KDFB in verschiedenen Regionen durchgeführt. Zu diesem Format gehören neben liturgischen Elementen und geistlichen Texten auch Musik und ein abschließendes Zusammensein mit Imbiss. Eine Fortführung des Formats „Frauenkirche to go“ wird überlegt. Die nächsten Termine der Frauenkirche finden Sie hier.

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