Wegzeichen

Fromme Alltagseinblicke

Christine Schmidt

Christine Schmidt dokumentiert für den Heimatverein Messklingenschlapp Bildstöcke. Foto: DRS/Guzy

Bildstock Ecke Goldbachstraße-Kirchbergstraße in Igersheim

Der Bildstock an der Ecke Goldbachstraße-Kirchbergstraße in Igersheim zeigt eine kinderreiche Familie. Foto: DRS/Guzy

Bildstöcke spiegeln nicht nur Glaubensgeschichte wider, sondern erzählen auch vom Privatleben früherer Generationen.

Nicht alle Kinder sind auf Anhieb auszumachen. Auch sie habe sich schon mal verzählt, sagt Christine Schmidt. Doch es sind genau 18. So viele Kinder hatten Bartholomäus Lang und seine Frau, wie Christine Schmidt erklärt. Ein Relief am Bildstock Ecke Goldbachstraße-Kirchbergstraße in Igersheim erinnert an die Familie: Unter einer Kreuzigungsdarstellung knien 18 Figuren. Eine Maria krönt den Bildstock, an dem Christine Schmidt zusammen mit ihrem Mann Olaf und Georg Jetzinger steht. Ihnen liegt nicht nur dieses Kleindenkmal am Herzen.

Christine und Olaf Schmidt sowie Georg Jetzinger gehören dem Heimatverein Messklingenschlapp Igersheim an. Christine Schmidt ist Schriftführerin, ihr Mann Olaf Kassenwart und Georg Jetzinger Ehrenvorsitzender. Der Verein will laut Satzung historisches Wissen und geschichtliches Bewusstsein fördern und geschichtsträchtige Gebäude erhalten.

Backtage wie früher

So hat der Verein die alte Schmiede in Neuses restauriert und bietet regelmäßig Backtage am Igersheimer Holzbackofen. Das heimatkundliche Interesse gilt dabei auch den Bildstöcken.

Ungefähr 50 seien in und um Igersheim zu finden, wie Christine Schmidt schätzt. „Dazu kommen noch zahlreiche Kreuze“, sagt Georg Jetzinger. Jahr für Jahr versucht der Verein, der 2004 gegründet wurde und nach eigenen Angaben etwa 70 Mitglieder zählt, einige der Bildstöcke zu sanieren. Dieses Jahr seien zwei Bildstöcke beim Restaurator, erwähnt Christine Schmidt.

Expertin für alte Dokumente

Das Kleindenkmal an der Ecke Goldbachstraße-Kirchbergstraße ist ein Duplikat. Das Original wurde laut Inschrift 1617 errichtet. „Bartholomäus Lang war damals ein angesehener Bürger und Schöffe des Vogteigerichts“, weiß Christine Schmidt. Zusammen mit ihrem Mann dokumentiert sie Bildstöcke. Olaf Schmidt fotografiert sie und Christine Schmidt trägt in kurzen Texten zusammen, was sich zu den einzelnen Darstellungen recherchieren lässt, inklusive GPS-Koordinaten. Für diese Forschungsarbeit ist sie gerade die richtige Person.

Der Fußweg zu einem weiteren Bildstock verschafft Zeit, um etwas über den persönlichen und biografischen Hintergrund des Ehepaars Schmidt in Erfahrung zu bringen: Christine Schmidt, die in Sachsen-Anhalt geboren wurde, leitete fast 20 Jahre lang das Stadtarchiv von Bad Mergentheim. Davor war sie Archivarin in Altenburg (Thüringen). Ihr Mann arbeitete im Wismut-Uranbergbau.

Viele Legenden

Der fachkundige Umgang mit Archiven und alten Dokumenten kommt der 66-Jährigen bei ihrer historischen Recherchearbeit zugute. „Ich kann alte, deutsche Schrift lesen“, sagt Christine Schmidt. Viel Schriftliches gibt es zu Bildstöcken allerdings oftmals nicht, berichtet sie aus ihrer Erfahrung. Eine Quelle seien aber zum Beispiel Rechnungen für die Aufstellung eines solchen Kleindenkmals.

Dass niemand etwas Genaueres weiß, öffnet umso mehr Raum für Legenden und Spekulationen. „Häufig gibt es unterschiedliche Deutungen“, berichtet Georg Jetzinger. Der gebürtig aus Niederbayern stammende 79-Jährige macht das an einem Beispiel deutlich: So kursiert zu einem Bildstock die Erzählung, dass ein Bauer sich dort vor einer Wildsau gerettet hatte - oder wahlweise, dass eine Frau an dem Ort ein Kind zur Welt gebracht hatte.

Mittlerweile haben die drei den katholischen Kindergarten St. Michael erreicht. An der vorderen Gebäudeecke schmiegt sich ein Bildstock „Zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit“ ins Gebüsch-Blattwerk. Die Jahreszahl am Schaft verweist auf das Jahr 1784.

Spuren der Verwitterung

Die Darstellung am Kopf zeigt den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Christus und Gottvater halten eine Krone über einer weiteren Figur. Ihr Kopf fehlt allerdings. Christine Schmidt sagt: „Hier kann man sehen, was Verwitterung alles ausmacht.“ Auch andere Partien des Bildreliefs sind von Altersspuren gezeichnet.

Bei der Figur muss es sich natürlich um Maria handeln. Christine Schmidt musste sich in die Darstellungssymbolik einlesen, denn sie ist religiös nicht besonders geprägt. „Für mich sind das alles geschichtliche Zeugnisse und Zeugnisse der Volksfrömmigkeit“, sagt sie.

Bildstockwanderweg

Mehrere Bildstockwanderwege erschließen eine Auswahl an Bildstöcken in der Gemeinde Igersheim. Ein Flyer mit Informationen und Kartenausschnitten steht beim Heimatverein Messklingenschlapp zum Download bereit.

Weitere Nachrichten

Advent
Geduld ist für Vladimir Lukic, Referent für Interkulturelle Pastoral, das Entscheidende in der Advents- und Weihnachtszeit.
Weiterlesen
Umwelt
10.000 Euro erwarten die Sieger des Nachhaltigkeitswettbewerbs der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Bewerbungen können ab sofort eingereicht werden.
Weiterlesen