Bischof Sproll

Heute noch ein Vorbild

Anlässlich des Todestags von Bischof Sproll am 4. März 1949 spricht Offizial Thomas Weißhaar im Interview über die Bedeutung Sprolls heute.

Bischof Joannes Baptista Sproll, siebter Bischof der Diözese Rottenburg, prägte sein Leben nach dem Wahlspruch "Fortiter in fide – Tapfer im Glauben". Mutig widersetzte er sich den Nationalsozialisten, verweigerte die Zustimmung zur Angliederung Österreichs und musste 1938 als einziger deutscher Bischof ins Exil. Sein Widerstand gegen die NS-Ideologie und die Verweigerung der Stimmabgabe machten ihn zum "Bekennerbischof". Für ihn läuft ein Seligsprechungsverfahren. Anlässlich des Todestages von Bischof Sproll geht es im Gespräch mit Thomas Weißhaar unter anderem auch um das Thema Versöhnung.

Herr Weißhaar, wie können wir Bischof Sprolls Haltung und Handlungen gegenüber dem Nationalsozialismus aus Ihrer Sicht als Inspiration für die heutige Zeit betrachten?

Natürlich leben wir in einer ganz anderen, nicht vergleichbaren Zeit und können nichts 1:1 auf das Heute übertragen. Meiner Meinung nach ist Bischof Sproll für uns bis heute aber dennoch eine Quelle der Inspiration; ein Ideengeber und auch ein Vorbild, das uns herausfordert. Wenn wir dem Ideal, das er uns gab, nachfolgen, bedeutet das nämlich, dass wir uns die Frage nach Grenzverletzungen in unseren heutigen Debatten stellen müssen; wir müssen uns dann fragen, wo der Punkt erreicht ist, ab dem wir nicht mehr schweigen dürfen; wo Grenzen überschritten werden, die nicht überschritten werden dürfen, und wir ins Handeln kommen müssen.

Inwiefern denken Sie, dass die mutige Position von Bischof Sproll gegenüber dem Nationalsozialismus einen Einfluss auf die Rolle der Ortskirche von Rottenburg-Stuttgart in der heutigen Zeit hat?

Ich glaube Bischof Sproll ist nicht der Einzige, der unsere Diözese prägt, aber ohne jede Frage hat er sie mit seinem Leben geprägt und prägt sie noch. Das kam mir zu Beginn des Seligsprechungsverfahrens ins Bewusstsein. So stellt sich die Frage, welche Folgen jeder Einzelne bereit ist, für seine Handlungen zu tragen. Denn Sproll wollte ja nicht ins Exil gehen und wusste doch gleichzeitig, welche Folgen seine Handlungen für ihn haben konnten. Noch einmal: Die Zeiten heute sind vollkommen anders, doch es gilt, dass es einen Punkt gibt, an dem ich mich entscheiden und meinen Überzeugungen folgen muss, auch wenn das unangenehme und schlimme Folgen für mich haben kann. Insofern ist uns Sproll heute noch ein Vorbild.

Welche aktuellen globalen oder gesellschaftlichen Themen würden Sie noch als besonders relevant betrachten, wenn man Bischof Sprolls Werte und Überzeugungen auf die heutige Zeit überträgt?

Ich glaube es gibt hier mehrere Aspekte aus Sprolls Leben. So war Sproll auch einer der wenigen Bischöfe, der sich nach dem Ersten Weltkrieg im ‚Friedensbund der Katholiken‘ sehr für den Frieden engagiert haben. Eine Idee, die in der Nachkriegszeit alles andere als populär war. Auch heute dürfen wir die Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben; auch, wenn es vieles in unserer Welt gibt, das uns den Mut nimmt. Auch in diesem Sinne ist Bischof Sproll ein beeindruckender Wegbegleiter. Das andere ist seine Haltung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein weiterer Punkt ist das Wirken Sproll nach seiner Rückkehr aus dem Exil nach Kriegsende in die Diözese Rottenburg. Seine Bemühungen um Versöhnung. Inwieweit kann das aus Ihrer Sicht als Modell für den Umgang mit Konflikten und Spaltungen in der heutigen Gesellschaft dienen?

Sproll kam 1945 nach vielen Jahren im Exil schwer krank in die Diözese zurück. Und in dieser Situation ruft er in seinen ersten Predigten zur Versöhnung auf und er mischt sich in die juristischen Verfahren ein, in denen die Täter von damals, die für seine Vertreibung verantwortlich waren, zur Rechenschaft gezogen werden sollen und bittet um Milde im Urteil. Aus meiner Sicht ist es dieses versöhnliche und verzeihende, dass es in der heutigen Zeit neu zu leben gilt. Niemand von uns hat ein Pauschalrezept, wie die Zukunft zu gestalten ist und allzu oft geht der Streit darum über das Sachliche hinaus, wird persönlich und verletzend. Sowohl in der gesellschaftlichen als auch in der politischen Diskussion muss es möglich sein, sich nach einer Auseinandersetzung in der Sache wieder in die Augen zu sehen und gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Das fehlt mir heute bisweilen und auch daran sollten wir uns erinnern, wenn wir an Bischof Sproll denken.

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