Demokratie

Gesicht zeigen gegen Fremdenfeindlichkeit

Die Kampagne ist Anfang Februar gestartet. Die Mitglieder der katholischen Kirche in Stuttgart "zeigen Gesicht". Bild: Stadtdekanat Stuttgart

Die Katholische Kirche in Stuttgart startet die Kampagne „Wir sind Weltkirche – Nein zu Rassismus“.

Christ zu sein und Fremdenfeindlichkeit zu pflegen, das geht nicht zusammen. Angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zeigen Haupt- und Ehrenamtliche der katholischen Kirche in Stuttgart Gesicht. Auf den Social-Media-Kanälen der Stadtkirche werden seit Februar regelmäßig kurze mehrsprachige Statements von Menschen aus der Kirche veröffentlicht, die gegen Rassismus Position beziehen und die vor allem eines zeigen: Die katholische Kirche ist eine Weltkirche, in der es keinen Platz für Ausgrenzung aufgrund von Herkunft gibt. Das zeigt auch die Statistik: Rund 50 Prozent der Stuttgarter Katholikinnen und Katholiken haben eine Migrationsgeschichte.

Gestartet ist die Kampagne Anfang Februar, getragen wird sie von den Mitgliedern der katholischen Kirche in Stuttgart. Seither zeigen Menschen auf Instagram und Facebook im wahrsten Sinne des Wortes Gesicht: Sie verbinden ihr Foto mit einem kurzen und pointierten Statement. An der Kampagne wirken Menschen mit, deren Wurzeln in vielen Ländern dieser Welt liegen. „50 Prozent der Katholikinnen und Katholiken in Stuttgart sind Migranten. Wir sind eine Weltkirche in der Landeshauptstadt. Wir sind eine Kirche aus allen Völkern, in der es keinen Platz für Rassismus und Ausgrenzung geben kann“, sagt Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes. In absoluten Zahlen heißt dies: Von den 118 000 Katholikinnen und Katholiken in Stuttgart, sind rund 60 000 nichtdeutscher Herkunft.

Vielfältig und international: eine Kirche aus vielen Nationen

In Stuttgart zu finden sind 28 muttersprachliche katholische Communities, darunter große Gemeinden wie die kroatische, polnische, italienische, spanische oder portugiesische, und auch Gemeinden mit eigenem Ritus wie die eritreische Gemeinde, die irakische chaldäische Gemeinde oder die ukrainisch griechisch-katholische Gemeinde.

Nicht schweigen, sondern rechten Umtrieben entgegentreten

„Mit der katholischen Grundüberzeugung von der Kirche aus allen Völker verbindet sich die Grundüberzeugung von der Würde, die Gott jedem Menschen geschenkt hat und die deshalb von keiner politischen Autorität abhängt oder dem Menschen gegeben oder genommen werden können“, schreibt Christian Hermes in einem Brief an Brief an die muttersprachlichen Gemeinden und Gemeinschaften, die zur katholischen Kirche in Stuttgart gehören. Der Stadtdekan ruft alle Katholikinnen und Katholiken in Stuttgart dazu auf, sich gegen Hass und Hetze zu positionieren: „Schweigt nicht! Tretet rechten Umtrieben aktiv entgegen. Denn Ausländerhass ist mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar.“

Gesellschaft lebt von Dynamik unterschiedlicher Kulturen

An der Kampagne „Wir sind Weltkirche – Nein zu Rassismus“ mitgewirkt haben etwa auch der stellvertretende Stadtdekan Michael Heil und Kai Oßwald, der stellvertretende Vorsitzende des Stadtdekanatsrats. Beteiligt hat sich auch Claudia Morales Almonte vom Scalabrini-Sälkularinstitut, die froh darüber ist, mehr als nur eine Kultur im Herzen zu tragen: „Menschen mit Migrationshintergrund haben mehr als nur eine Kultur im Herzen. Ihre Identität sprengt Grenzen, die zu eng gezogen werden und kann zu einem friedlichen Miteinander der Völker beitragen“, so die Katholikin. Die Statements werden auf Deutsch und auch in der jeweiligen Muttersprache veröffentlicht. Mitgewirkt hat auch die Pfarramtssekretärin Christine Brix: Warum ist die Hautfarbe so wichtig? Die Farbe des Herzes ist immer gleich. Unser Herz schlägt 100.000 Mal pro Tag, unabhängig von unserer Hautfarbe, unserer Herkunft, unserer Religion. Vergessen wir dies nicht.“

Grundwerte des Christentums berührt

Gesicht zeigt auch Pater Valteir de Sousa von der portugiesischsprachigen Gemeinde Nossa Senhora de Fátima: „Wir fühlen uns in diesem Land willkommen und geschätzt. Wir fühlen uns als integraler Bestandteil der deutschen Bevölkerung. Wir treten für Gleichheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit ein. Ausgrenzung werden wir niemals akzeptieren.“ Mit dabei ist auch Ante Prusina aus der kroatisch-katholischen Gemeinde Blaženi Alojzije Stepinac: „Die kroatische Gemeinde in Stuttgart ist Teil der sehr großen katholischen Familie in Stuttgart. Wir leben unseren Glauben und unsere Kultur seit Generationen ohne Grenzen und Beschränkungen. Dies soll auch weiter so bleiben. Wir bilden gemeinsam, mit den anderen muttersprachlichen Gemeinden das Bild der Stadt und des Landes.“

Auch Bischofskonferenz stellt sich gegen völkischen Nationalismus

Klar positioniert hat sich auch die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer am 22. Februar veröffentlichten Erklärung mit dem Titel „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar. Dort ist zu lesen: „Wir sagen mit aller Klarheit: Völkischer Nationalismus ist mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar. Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen daher kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar. Die Verbreitung rechtsextremer Parolen – dazu gehören insbesondere Rassismus und Antisemitismus – ist überdies mit einem haupt- oder ehrenamtlichen Dienst in der Kirche unvereinbar.“

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