Bauprojekt

Baustelle zum Jubiläum

Das Münster in Bad Mergentheim

Wegen Renovierung bald geschlossen: Das Münster in Bad Mergentheim wird in wenigen Wochen zur Baustelle. Foto: drs/Guzy

Die Orgel im Münster in Bad Mergentheim

Die Orgel wird tiefergelegt: Künftig wird das Instrument von der unteren Empore erklingen. Foto: drs/Guzy

Das Münster St. Johannes Baptist in Bad Mergentheim

Markantes Wahrzeichen: Das Münster St. Johannes Baptist prägt die Altstadt von Bad Mergentheim. Foto: drs/Guzy

Das Münster in Bad Mergentheim hat eine 750-jährige Geschichte. Damit es für die Zukunft gerüstet ist, startet bald eine große Innenrenovierung.

Die Gläubigen in Bad Mergentheim müssen mit Beginn der Sommerferien auf ihr Münster St. Johannes Baptist verzichten. Am 21. Juni können sie noch einen Gottesdienst anlässlich des 750-jährigen Bestehens der Kirche feiern. Ende Juli findet dann für rund zweieinhalb Jahre die letzte Messe statt.

Die Schließung des Münsters hat nichts mit Corona zu tun. Vielmehr wird die Kirche zur Baustelle: Nach der Außenrenovierung in den Jahren 2017 bis 2019 folgt nun die Innenrenovierung. Sie soll mehrere Probleme lösen.

„Es soll künftig möglich werden, die Kommunion barrierefrei zu erhalten“, erklärt Peter Striffler, Leiter des Katholischen Verwaltungszentrums Bad Mergentheim. Bisher verhindert eine Stufe vor der ersten Bankreihe, dass zum Beispiel Personen mit Rollatoren um die beiden Sitzblöcke ziehen können. Die Bänke sollen bequemer werden. Außerdem wird der Taufstein versetzt, um mehr Raum für die Gestaltung von Tauffeiern zu schaffen.

Abbruch der oberen Empore

Die zweite Empore, auf der die Orgel steht, wird verschwinden. Das Instrument wird seinen Platz in Zukunft eine Etage tiefer auf der ersten Empore haben. Davon verspricht sich Michael Müller mit Verweis auf ein Gutachten eine akustische Verbesserung: „Bisher kommt der Klang nicht richtig nach unten“, sagt der Regionalkantor und Dekanatskirchenmusiker. Wie Müller erklärt, geht es auf der zweiten Empore zudem gedrängt zu, insbesondere wenn sich der Chor dort aufstellt. Auch der Zugang sei eng.

„Die Emporensituation ist gegenüber dem Ursprung sowieso verändert“, sagt Architekt Hanns Berger. So wurde die zweite Empore laut seinen Angaben erst 1883 eingebaut. Aus welcher Zeit die erste Empore stammt, habe sich trotz Archivrecherche nicht klären lassen. Doch geht Berger davon aus, dass es zunächst eine andere erste Empore gab.

Der Abbruch der oberen Empore sowie die verschiedenen Niveauangleichungen im Kirchenraum finden im ersten Bauabschnitt statt. Der umfasst alles, was staubt, sagt Berger. In der Kirche wird ein abgesicherter Schutzraum konstruiert, in dem Skulpturen und Gemälde während der Arbeiten eingelagert werden können.

Eine neue Orgel entsteht

In einem weiteren Bauabschnitt folgt die Erneuerung der Technik: Heizung, Elektro, Beleuchtung. Außerdem wird die Raumschale restauriert. An den Obergaden, also den oberen Wandpartien des Mittelschiffs, zeigen sich Risse. Sie müssen behandelt werden, wofür ein Gerüst in der Kirche aufgebaut wird. „Im dritten Bauabschnitt geht es dann um die hölzerne Ausstattung“, erklärt Berger.

Nach derzeitigem Stand werden die Arbeiten bis Ende 2022 dauern. In dieser Zeit entsteht parallel zu der Renovierung eine neue Orgel für das Münster. Das Gehäuse der jetzigen Orgel stammt aus spätbarocker Epoche um 1772, das Innenleben ist neueren Datums: In den Jahren 1928 und 1972 wurde ein neues Werk eingesetzt. Dieses offenbart Qualitätsmängel. Das hat bereits vor mehreren Jahren ein Gutachten festgestellt.

Eine Reparatur lohne sich nicht, sagt Müller, zumal auch die gesamte technische Konzeption der Orgel problematisch sei. Müller erklärt: „Das klangliche Konzept der neuen Orgel wird dem Äußeren angeglichen.“ Das historische Gehäuse aus der Werkstatt des Wachbacher Orgelbauers Johann Anton Ehrlich bleibt erhalten. Die Register im Inneren sollen wieder die Zeit des 18. Jahrhunderts erklingen lassen.

Das Münster als markantes Bauwerk

Die ersten Überlegungen für die Renovierung des Münsters, die die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt, reichen schon fast zehn Jahre zurück. Von 2017 bis 2019 wurde nach mehrjährigen Planungen zunächst die Dachkonstruktion repariert und die Fassade wurde erneuert. Davor mussten im Inneren aber schon einmal Putzschäden im Chorgewölbe beseitigt werden.

„Eine Kirche ist für die Gemeinde da“, erklärt Pfarrer und Dekan Ulrich Skobowsky, warum die Anpassungen im Inneren erforderlich sind. Die Kirche mit ihrem Turm präge außerdem das Stadtbild und sei ein Wahrzeichen von Bad Mergentheim. Skobowsky spricht von einem verantwortungsvollen und spannenden Unterfangen, das Respekt für den Kirchenbau abnötige: „Man taucht dabei in die Geschichte ein.“

Daher bedauere er es, dass er bei der Renovierung und der Fertigstellung nicht mehr dabei sein kann. Mit Schließung des Münsters Ende Juli geht für Skobowsky, der nach Tübingen wechselt, zugleich seine Zeit in Bad Mergentheim zu Ende.

Das Münster St. Johannes Baptist in Bad Mergentheim

Die Ursprünge des Münsters führen in das 13. Jahrhundert. Der Bau geht auf den Johanniterorden zurück. Die Kirche entstand am Ort einer früheren Kapelle. Im Jahr 1554 übernahm der Deutsche Orden den gesamten Besitz der Johanniter. Das Bauwerk erlebte im Laufe der Zeit verschiedene Veränderungen. So gab es ursprünglich zum Beispiel kein Deckengewölbe. Im Jahr 1983 wurde die Kirche nach einer Renovierung von Bischof Georg Moser zum Münster erhoben.