Neujahrsempfang

Bischof fordert Mut, Tatkraft und Augenmaß

Bei der Übergabe des Rucksacks für die Große Diözesanwallfahrt im Juni (von links): Achim Wicker, Bischof Gebhard Fürst und Monika Bucher. Bild: Gregor Moser

Bischof Gebhard Fürst lädt zu Neujahrsempfang: Diözesanrats-Sprecher Johannes Warmbrunn spricht sich für die Stärkung der Ortskirchen aus.

Die Erneuerung der Kirche, die Bewahrung der Schöpfung und die Stärkung der Demokratie bezeichnete Bischof Gebhard Fürst in seiner Neujahrsansprache am Dreikönigstag als zentrale Herausforderungen der Gegenwart.

Beim bischöflichen Neujahrsempfang im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart forderte Fürst in dem Zusammenhang  Mut, Tatkraft und Augenmaß. Zugleich betonte er die Dringlichkeit eines sofortigen, beständigen Handelns und benannte die Beiträge, mit denen sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart diesen Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft stellt. In einem sich anschließenden Grußwort forderte Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats,  mit Blick auf die innerkirchliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern, ein Überdenken der durch das Kirchenrecht gegebenen Vorgaben sowie eine offene und ehrliche Diskussion. 

Laut Fürst ist der begonnene Synodale Weg die einzige Chance zur Erneuerung der Kirche. Dabei wolle er das „Rottenburger Modell“ in den Reformdiskurs des Synodalen Wegs einbringen, auf dessen Grundlage der Diözesanrat, die oberste Laienvertretung der Diözese, das Haushaltsrecht innehat. „Die Partizipation von Laien an der Verantwortung für unser kirchliches Handeln ist wesentlich für unser ‚Rottenburger Modell‘, einer in Mitverantwortung und Mitgestaltung partizipativ, synodal und subsidiär aufgestellt Ortskirche.“ Dabei hob der Bischof die große Zahl von Frauen hervor, die in der Diözese Verantwortung tragen und wichtige Rollen übernehmen. „Im kirchlichen Bereich erfordert das Thema ‚Chancengleichheit‘ weiterhin besondere Sorgfalt und Sensibilität. Die Kompetenz, die insbesondere Frauen in diese Debatte einbringen, ist unverzichtbar“, sagte Fürst. Der Bischof sprach sich zudem erneut für ein Diakonat der Frau aus. Diözesanrats-Sprecher Warmbrunn hielt fest, dass die katholische Kirche bei der Frage der Gleichbehandlung von Männern und Frauen ein hohes Maß an Verantwortung trage. „Ein inspirierender Auftrag bestünde darin, gemeinsam mit der Verkündung der frohen Botschaft in der Welt geradezu Vorbild für die Gleichbehandlung zu werden“, sagte er. Leider sei es indes keine neue Erfahrung, dass bei Reformbemühungen immer wieder die gleichen Abwehrmechanismen griffen. Dabei existiere ein Zusammenhang zwischen dem Auftrag der Kirche und der Notwendigkeit struktureller Reformen. „Deswegen ist es erforderlich, die Themen Macht und Gewaltenteilung in der Kirche intensiv zu bearbeiten.“ Der Sendungsauftrag könne nur gemeinsam wahrgenommen werden, in sinnvoll geteilter Macht und Verantwortung. Der Diözesanrat sehe in der Stärkung der Ortskirchen und auch der ortskirchlichen Entscheidungsbefugnisse einen zentralen und erreichbaren Schritt, der in die richtige Richtung führt. Zugleich betonte Warmbrunn, dass angesichts sexuellen Missbrauchs und dem kriminellen Versagen einzelner Geistlicher nicht der gesamte Klerus in Verruf geraten dürfe. Tätern sei eindeutig Verantwortung zuzuweisen und diese Verantwortung dürfe nicht vergemeinschaftet werden. Andererseits müsse klar sein: „Die Priester, die untadelig und mit hohem Einsatz lebenslang ihren Dienst leisten, haben weiter ungeteilte Anerkennung und Wertschätzung verdient. Ihnen gilt unsere Solidarität.“   

Mit Blick auf die Initiativen der Diözese zur Bewahrung der Schöpfung kündigte Bischof Fürst einen Generationenvertrag an. Es solle zielführende und gemeinsame Aktionen mit der engagierten und wachen Jugend als Partner geben. „Der christliche Glaube bietet hier die Grundlage, die Zukunft durch schöpfungsfreundliches Handeln so zu gestalten, dass kommende Generationen ein gutes Leben auf diesem Planeten haben“, sagte Fürst. Weiter kündigte er an, dass die Diözese dem Katakomben-Pakt für eine ganzheitliche Ökologie beitreten werde, der bei der Amazonas-Synode im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Mit Blick auf die Anstrengungen der Diözese zur Förderung der Demokratie erinnerte Fürst an die Initiative „Farbe bekennen! Für Demokratie und eine offene Gesellschaft“. Das Demokratiemobil, welches diese Initiative begleitet, ermögliche und fördere seit 2019 den Dialog zwischen den Menschen im Land.

Zum Ende des Neujahrsempfangs überreichten Monika Bucher und Achim Wicker, die Vorsitzende und der Geschäftsführer der Martinusgemeinschaft der Diözese, einen Pilgerrucksack an Bischof Fürst. Hintergrund ist die Große Diözesanwallfahrt, die in diesem Jahr vom 2. bis 6. Juni nach Worms, Mainz, Trier und Luxemburg führt.