Bischof

Brief an die Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache in der Diözese

Liebe Schwestern und Brüder, zwei Wochen sind wir nun schon unterwegs mit den vielen Einschränkungen, die wir aufgrund der Corona-Pandemie auf uns nehmen müssen.

Zwei Wochen, ohne dass wir am Gottesdienst teilnehmen konnten, zwei Wochen, ohne den persönlichen Kontakt, zwei Wochen des Bangens und Hoffens auf ein baldiges Ende der Gefahr, sich und andere anstecken zu können. Deshalb möchte ich Sie mit diesem Schreiben und mit einer Videobotschaft persönlich ansprechen. Meine Videobotschaft finden Sie auf unserer Homepage unter www.drs.de.

Und jetzt stehen die Kar- und Ostertage vor der Tür: Tage, auf die wir uns ganz besonders gefreut haben, Tage mit einer besonderen Prägung und vielen Bräuchen und Traditionen, die tief in uns verwurzelt sind: Die Kar- und Ostertage mit der Palmweihe, dem lebendigen Kreuzweg und der Auferstehungsfeier in der Osternacht dürfen nicht gemeinsam begangen werden? Eine unvorstellbare Herausforderung, vor der wir als Gläubige und auch als pastorale Dienste in den muttersprachlichen Gemeinden stehen. Vieles trifft Sie in IhrerTradition, Ihrem religiösen Brauchtum in besonderer Weise. Für uns alle ist es besonders schmerzlich, Karfreitag und Ostern nicht in der Kirchengemeinde, sondern lediglich in den Familien oder alleine feiern zu können.

Natürlich versuchen wir über viele liturgische Hilfen, dem Osterfest gerecht zu werden, doch die wichtigste Feier, die gemeinsam begangene Osternacht, muss diese Jahr leider ausfallen. Dies ist auch für mich, als Ihr Bischof, eine ungewohnte und traurig machende Einschränkung. Doch wollen und müssen wir diese Einschränkung auf uns nehmen, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen vom Corona-Virus betroffen werden.

Ich lade Sie ein die Kar- und Ostertage mit mir gemeinsam zu feiern. Die großen Gottesdienste übertragen wir als Live-Streaming im Internet. Das Streaming ist über unsere Homepage www.drs.de abrufbar. Dort finden Sie auch Informationen zu den Sendezeiten.

Schmerzlich ist auch, dass wir die großen Wallfahrten der italienischen, kroatischen und polnischen Gemeinden, die traditionell in der Zeit nach Pfingsten stattfinden, absagen müssen. Aufgrund der Versammlungsbeschränkungen des Landes Baden-Württemberg müssen in diesem Jahr die Wallfahrten nach Zwiefalten und auf den Schönenberg in Ellwangen ausfallen. Gerade bei diesen großen Treffen und Festen besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr, die nicht so schnell nachlassen wird. Ich bitte Sie deshalb, die Wallfahrtstage als besondere Gebetstage in Ihrem häuslichen Umfeld zu gestalten, an denen wir uns in besonderer Weise im Gebet miteinander verbunden wissen. Damit verbunden ist meine Hoffnung, dass wir uns im Jahr 2021 wieder zu diesen besonderen Festen des Glaubens treffen können.

In den letzten Tagen berichten mir viele Menschen aus den muttersprachlichen Gemeinden von Ihren großen Sorgen um Ihre Familien und Freunde in Ihren Heimatländern. Jeden Tag erhalten wir neue Hiobsbotschaften und nicht wenige von Ihnen werden schon einen Familienangehörigen oder einen Freund in der Heimat verloren haben.

Oft stehen wir ratlos und hilflos vor all diesen Herausforderungen, die über uns und unsere Familien und Freunde hereinbrechen. Kann das wirklich der Wille Gottes sein, dass so viele Menschen, so viele unschuldige Menschen Opfer dieses Virus‘ sind? Wo kann ich Kraft und Halt finden, um diese lähmende Situation richtig verarbeiten zu können? Wie kann ich erfahren, dass ich trotz Kontaktverbot Teil einer großen Gemeinschaft bin, einer Gemeinschaft, die mich tragen kann in schönen, aber auch in schwierigen Zeiten?

Wenn ich auf unsere Diözese Rottenburg-Stuttgart schaue, bin ich froh und dankbar über die vielen Initiativen, die in den letzten Wochen gewachsen sind: Initiativen, die unseren Glauben stärken und Trost spenden können, Initiativen, die zeigen, dass wir zu einer großen Gemeinschaft der Glaubenden gehören. Bitte nutzen Sie diese Initiativen, diese Hilfen und Angebote. Nehmen Sie Kontakt miteinander auf (über Telefon, E-Mail, Skype, …) und versichern Sie sich einander Ihrer Solidarität, der Solidarität zwischen den Gläubigen Ihrer Sprachgruppe, darüber hinaus aber auch der Solidarität mit den Gläubigen der anderen Sprachgruppen in Ihrem Umfeld, allen voran den deutschsprachigen Gemeinden in Ihren Seelsorgeeinheiten.

Als Ihr Bischof grüße ich Sie ganz herzlich. Ich bin Ihnen allen dankbar, dass Sie, die Mitglieder der fast 100 muttersprachlichen Gemeinden in unserer Diözese, den Glauben leben und durch Ihr Hiersein den lebendigen Gott verkünden. Die über 200.000 Katholiken anderer Muttersprache bereichern uns mit Ihrer Glaubensfreude und Ihrer herzlichen Art sehr!

Im Gebet bin ich mit Ihnen und mit Ihren Angehörigen hier, in unserer Diözese, aber auch in Ihren Heimatländern und nicht zuletzt mit unserem liebenden Gott verbunden.

Das zeigt uns unser Glaube, den wir in den nächsten Wochen feiern dürfen: Trotz Leid und Tod, trotz Gründonnerstag und Karfreitag dürfen wir uns sicher sein, dass er, unser Gott, bei uns ist auf unserem Lebensweg, auch wenn es manchmal den Eindruck macht, als habe er uns verlassen. Dazu verweise ich gerne auf das Evangelium mit den Emmaus-Jüngern (Lk 24, 13-35), das am Ostermontag uns in besonderer Weise geschenkt wird.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Kar- und Ostertage. Möge der Gestorbene und Auferstandene bei uns sein und unseren Lebensweg segnend begleiten.

Ihr
Dr. Gebhard Fürst
Bischof