Bischof

Brief an die Seniorinnen und Senioren

Bischof Fürst bittet die Seniorinnen und Senioren abzuwägen, ob Sie in diesem Jahr Weihnachtsgottesdienste in den Kirchen feiern möchten.

,Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht,·
über denen, die im Land des Todeschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. (Jesaja 9, 1)

Liebe Seniorinnen und Senioren!

Zum diesjährigen Weihnachtsfest, dem Hochfest der Geburt des Herrn, grüße ich Sie sehr herzlich!
Die weihnachtlichen Texte sind erfüllt von der Hoffnung auf Rettung durch Jesus Christus, den Gottes- und Menschensohn, der uns Trost spenden und uns von unseren Leiden erlösen will. Es tut gut, die Weihnachtsbotschaft immer wieder neu zu lesen und zu hören. Sicherlich sind auch Ihnen all die Schrifttexte seit Ihrer Kindheit vertraut. In vielen Familien ist es eine liebgewonnene Tradition, das Weihnachtsevangelium zuhause an der Krippe zu lesen und in den Gottesdiensten zu hören. Hinzu kommen die altbekannten Lieder, die die Geburt des göttlichen Kindes in der Krippe im Stall zu Bethlehem musikalisch verdeutlichen. Auf unterschiedliche Weise vorgetragen, strahlen, diese Botschaften in unser Leben hinein und tragen uns das gesamte Jahr über und spenden auch in schweren Zeiten Hoffnung und Zuversicht.

In diesem Jahr, können wir das Weihnachtsfest nicht in gewohnter Weise feiern. Leider birgt die gemeinsame Feier des Weihnachtsfests im Gottesdienst und in der Familie die Gefahr, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Gerade mit zunehmendem Alter oder für Menschen mit Vorerkrankungen bedeutet der Kontakt mit anderen ein hohes Risiko, an COVID 19 zu erkranken.  

Um zu verhindern, dass die Zahl der Erkrankten weiter steigt, und zu gewährleisten, dass unsere Kliniken die Patientinnen und Patienten adäquat versorgen können, hat unsere Regierung einschneidende Maßnahmen verhängt, die die Kirche unterstützt und mitträgt. Auch für unsere liturgischen Feiern musste ich in diesem Jahr nach Beratungen mit meinem Krisenstab einige Einschränkungen anordnen. Dies haben wir wohlüberlegt und mit großer Sorgfalt getan. So ist es uns gelungen, dass wir - im Gegensatz zu Ostern - weiterhin Gottesdienst feiern können. All diese Regelungen habe ich erlassen, weil mich die Sorge um Ihr Wohlergehen tief bewegt.

Deshalb bitte ich Sie, unter Einbeziehung Ihrer persönlichen und gesundheitlichen Situation und in Anbetracht der Tatsache, dass die Gottesdienste im Rahmen des Möglichen gut gefüllt sein werden, abzuwägen, ob Sie in diesem Jahr an Weihnachten mit der Gemeinde in der Kirche feiern möchten. Gerne lege ich Ihnen die Fernsehgottesdienste der öffentlich­rechtlichen Sender, sowie auch die privaten Radio- und Fernsehangebote ans Herz, die an den Weihnachtstagen in großer Zahl ausgestrahlt werden. Zudem übertragen viele Kirchengemeinden ihre Gottesdienste im Internet. Auch dies sind hervorragende Möglichkeiten, um mit der eigenen Gemeinde verbunden zu bleiben. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass die Sonntagspflicht während der Corona-Pandemie ausgesetzt bleibt.

Ich weiß, es ist schmerzlich, dass wir alle dieses Jahr weitestgehend alleine feiern müssen. Ich bitte Sie: Gehen Sie sorgsam mit Ihrer Gesundheit und der Gesundheit Ihrer Mitmenschen um.

Liebe Seniorinnen und Senioren,

viele von Ihnen haben Ihre Kindheit im Krieg oder - wie ich - in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren verbracht. Schon einmal mussten Sie in Ihrem Leben die Erfahrung des Verzichts gerade am Weihnachtsfest erleben. Sicherlich haben diese Erlebnisse Ihr Leben geprägt. Ich bitte Sie: Geben Sie Ihren reichen Erfahrungsschatz an Ihre Kinder und Enkelkinder weiter, die heute oftmals nicht verstehen können, warum wir derzeit mit so großen Einschnitten konfrontiert sind. Gleichzeitig appelliere ich an die jüngeren Generationen zur Solidarität mit den Älteren. Bleiben Sie einander nahe, auch wenn wie an diesem Weihnachtsfest physisch voneinander Abstand halten müssen. Die traurigste Weihnachtsbotschaft wäre, einander mit dem Virus anzustecken.

So grüße ich Sie mit dem Segen des menschgewordenen Gottes - der uns Heil und Rettung verheißt!
Bleiben wir in der Fürsorge um einander und im gemeinsamen Gebet verbunden!

Ihr Bischof Gebhard Fürst