Das Erinnern wach halten

Diskussion um Gedenktafel für im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten soll einvernehmlich gelöst werden.

Auf Wunsch von Bischof Dr. Gebhard Fürst wurden in Absprache mit der Domgemeinde zwei neue Informationsbroschüren bei den Gedenktafeln für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten in der Sülchenkirche ausgelegt. Damit solle die Haltung der Diözese gegenüber Nationalsozialismus und Faschismus sowie gegenüber den durch die Nationalsozialisten ausgelösten Angriffskrieg verdeutlicht werden, der zu einer der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit führte, sagt Bischof Fürst.

Hintergrund dessen ist die unlängst laut gewordene Kritik an der Inschrift „Sie starben für uns“, die sich auf einer der vier Gedenktafeln befindet und mit der den gefallenen Rottenburger Soldaten gedacht wird. Diese Worte seien unwahr, da die Soldaten in einem Angriffs- und nicht in einem Verteidigungskrieg ihr Leben lassen mussten, so die Kritik.

Besucherinnen und Besucher der Kirche finden auf Wunsch des Bischofs dort nun die Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes vor. In ihrem „Wort zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren“ hatte die Bischofskonferenz in diesem April eine Mitschuld des deutschen Episkopats am Krieg festgestellt. Die meisten deutschen Bischöfe hätten während der NS-Diktatur dem Krieg kein eindeutiges „Nein“ entgegengestellt und den Willen zum Durchhalten gestärkt, heißt es darin.

Zudem liegt in der Sülchenkirche seit kurzem die neue Broschüre über den Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll zum Mitnehmen bereit. Diese war unter dem Titel „Nur die christliche Liebe kann und wird die Not der Zeit überwinden“ zum 75. Jahrestag der Rückkehr von Bischof Sproll in seine Diözese veröffentlicht worden. Bischof Fürst erläutert den Zusammenhang: „Der 8. Mai markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 75 Jahren und die Befreiung vom Nationalsozialismus. Um das Erinnern daran wach zu halten ist es unerlässlich, derer zu gedenken, die sich oft unter Einsatz des Lebens laut und deutlich gegen Krieg, Totalitarismus und gegen die Menschenverachtung und -vernichtung der Nationalsozialisten gestellt haben.“ In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sei dies nicht zuletzt Joannes Baptista Sproll gewesen, der unter den deutschen Bischöfen als Erster den nationalsozialistischen Machthabern öffentlich und entschieden die Stirn bot und den die Gestapo daraufhin, ebenfalls als einzigen deutschen Bischof, 1938 aus seiner Diözese ins Exil vertrieb, aus dem er erst nach sieben Jahren, gesundheitlich auf das Schwerste gezeichnet, am 12. Juni 1945, zurückkehrte.

Bischof Fürst betont, dass ihm an einer guten und geschichtssensiblen Lösung in der Diskussion rund um Gedenktafel-Inschrift gelegen ist. Die nun ausgelegten Broschüren seien dazu ein erster Schritt. Gemeinsam mit der zuständigen Domgemeinde werde an einer langfristigen Lösung gearbeitet. Diese solle einerseits Trägerschaft und Schuld nicht leugnen, aber gleichwohl auch ein sensibles Gedenken, insbesondere für die Hinterbliebenen der Gefallenen, ermöglichen.