Ehrenamt

"Das macht Mut!"

Diözesancaritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach. Bild: Caritas

Beim Baustellen-Meeting mit Caritasdirektor Oliver Merkelbach diskutierten Ehrenamtliche und Hauptberufliche über die Entwicklung des Ehrenamts.

Es sei ein sehr lebendiger Austausch in einem sehr abwechslungsreichen Format gewesen, erzählt Diözesancaritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach. Die Vielfalt der Themen, der analytische Blick auf Problemfelder, der lösungsorientierte Ansatz und die Offenheit der Teilnehmer hätten ihn sehr beeindruckt.

Das Meeting mit Merkelbach war die Auftaktveranstaltung der virtuellen Konferenzreihe "Baustelle Ehrenamt", die Mitarbeiterinnen aus dem Bischöflichen Ordinariat, des Caritasverbands und der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Organisationen und Verbände (ako) gemeinsam entwickelt haben. Ehrenamtliche und Hauptberufliche sollen dabei ins Gespräch kommen und sich austauschen können.

Bedürfnis nach Kontakt und Information

Es seien sowohl ermutigende Worte gefallen, als auch kritische Töne aufgekommen, erzählt Merkelbach. So berichteten vor allem Ehrenamtliche vom Druck, zu spüren, dass das Ehrenamt in der Krise eigentlich an Bedeutung gewonnen habe, aber aufgrund der Bestimmungen nicht mehr in gewohnter Weise habe umgesetzt werden können. Die meisten hätten sich in dieser Zeit eine bessere Kommunikation zwischen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen gewünscht; eine stärkere Ein- und eine professionellere Anbindung. „Viele haben sich alleingelassen und schlecht informiert gefühlt.“

Merkelbach wünscht sich, dass die Kirche dieses Bedürfnis nach Kontakt und Information ernstnimmt und aufgreift. Er selbst stehe schon in engem Kontakt mit Weihbischof Matthäus Karrer. Die Hauptabteilung „Pastorale Konzeption“ und der Caritasverband wollten nun gemeinsam überlegen, wie eine digitale Vernetzung von Ehrenamtlichen besser gelingen und ein professionelles Wissensmanagement aufgebaut werden kann. „Zum einen“, so Merkelbach, „wird es immer wichtiger, Best-Practice-Beispiele aufzuzeigen und voneinander zu lernen.“ Zum anderen gehe es darum, Ehrenamtliche professionell zu begleiten und zu befähigen.

Viele junge Leute bringen sich ein

Also doch kein Aufbruch? „In diesem Fall lief tatsächlich einiges nicht optimal“, sagt Merkelbach. „In vielen anderen Bereichen aber hat die Krise auch sehr viel Positives hervorgebracht.“ So berichteten Teilnehmer von neuen Ehrenamtlichen, die sich, weil sie während des Lockdowns plötzlich viel mehr Zeit hatten, erstmals engagiert haben – und auch über die erste harte Phase im Frühjahr dabeigeblieben sind. Darunter seien auffallend viele junge Leute und „Kirchenferne“, die übers Ehrenamt wieder einen ersten Anschluss an Kirche und Gemeinde gefunden haben.

„Nehmen Sie nur die Tafeln“, sagt Merkelbach. Weil junge Engagierte aus der Fridays-for-Future-Bewegung und der „Young Caritas“ beigesprungen seien, hätten Bedürftige nur knapp fünf Wochen nach Ausruf des Lockdowns in allen Tafeln der Diözese wieder versorgt werden können. „Das macht doch Mut!“

Aufbruch und Gestaltungswille

Auch die Kreativität sei in der Krise sichtbar beflügelt worden. Gerade wenn es darum ging, Senioren und andere durch den Virus besonders gefährdete Menschen während des Lockdowns zu begleiten und zu entlasten, seien viele neue Bewegungen und Ideen entstanden. Merkelbach: „Da waren der Aufbruch und der Gestaltungswille im Ehrenamt ganz besonders gut zu spüren. Das haben auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unserem Baustellen-Meeting berichtet.“

Trotz aller trauriger Aspekte, die die Corona-Krise mit sich bringt: „Der Zusammenhalt in der Gesellschaft ist gewachsen“, sagt Merkelbach. „Und es hat sich gezeigt, dass die Solidarität einer sorgenden Gesellschaft ohne Ehrenamt nicht funktionieren kann. Jetzt geht es darum, das Engagement auch zu würdigen und zu stärken – nicht nur ideell, sondern auch politisch.“

Beim nächsten Meeting geht's um Anerkennung

Genau darum geht es auch beim nächsten „Baustellen-Meeting“ mit Weihbischof Matthäus Karrer am Donnerstag, 5. November, unter dem Motto „Anerkennung: Wie wär’s mal mit Rampenlicht?“: Anerkennung im Ehrenamt, so heißt es in der Einladung, bedeutet mehr als eine Grußkarte aus dem Pfarrbüro oder ein kostenloses Getränkemärkle am Gemeindefest. Anerkennung hat mit Kommunikation, Teilhabe und Verantwortung zu tun. Diskutieren Sie mit uns: Was braucht es für eine wertschätzende Zusammenarbeit vor Ort? Wo besteht aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf?

Das virtuelle Meeting beginnt um 18 Uhr und dauert etwa 1,5 Stunden. Teilnehmer benötigen Computer, Notebook oder Laptop mit Mikrofon und Kamera. Die Zugangsdaten werden nach der Anmeldung auf dem Ehrenamtsportal der Diözese www.ehrenamt-verbindet.de mitgeteilt.