Katholische Erwachsenenbildung

Der Weg in den Widerstand

Folker Förtsch beim Vortrag über Hans Scholl

Folker Förtsch, Stadtarchivar von Crailsheim, erläutert beim Gemeindenachmittag in Bühlertann den Lebensweg von Hans Scholl. Foto: drs/Guzy

Der Kampf der „Weißen Rose“ gegen das NS-Regime speiste sich aus mehreren persönlichen Erfahrungen. Der Glaube spielte dabei eine wichtige Rolle.

Dass die Geschwister Scholl den Kern einer der bedeutendsten Widerstandsgruppen gegen das NS-Regime bilden würden, war anfangs gar nicht ausgemacht. Denn beide sympathisierten zunächst mit den Nationalsozialisten und gehörten deren Jugendorganisationen an. Doch dann kam es zum Bruch. Den Weg in die Opposition und den Widerstand zu verstehen, ist geschichtswissenschaftlich und biografisch eine spannende Sache, findet Folker Förtsch.

Der Stadtarchivar von Crailsheim erklärte beim Gemeindenachmittag der katholischen Kirchengemeinde St. Georg am Beispiel von Hans Scholl, welche Einflüsse und Erfahrungen dabei eine Rolle gespielt haben. Der Vortrag fand in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Kreis Schwäbisch Hall statt und setzte die Reihe „Gestalten des Glaubens aus dem deutschen Südwesten“ fort.

Hans Scholl, der 1918 im heutigen Crailsheimer Stadtteil Ingersheim geboren wurde, war zunächst begeistert vom Nationalsozialismus, wie Förtsch erklärte. Gegen den Willen seiner Eltern schloss er sich der Hitlerjugend an und brachte es dort sogar zum „Fähnleinführer“. Mit seiner „charismatischen Art“ konnte er die Jugendlichen begeistern, sagte Förtsch.

Bei der Teilnahme am Reichsparteitag habe Hans Scholl, dem seine eigene Autonomie immer wichtig gewesen sei, sich dann aber als Rädchen in einer Maschinerie erlebt. Damit begann die Abwendung von der NS-Ideologie. Dazu kamen kulturell-literarische Interessen, die nicht der propagierten kulturellen Richtung entsprachen.  Auf der Suche nach neuen ethisch-moralischen Grundlagen entdeckte Hans Scholl auch die Religion. Er setzte sich insbesondere mit dem katholischen Glauben auseinander, erklärte Förtsch in seinem dichten und aufschlussreichen Vortrag.

Der Stadtarchivar zitierte aus einem 1941 von Hans Scholl verfassten Brief. In diesem spricht Hans Scholl davon, nach vielen Jahren das Beten für sich wiedergefunden zu haben. Er wisse nun, „an welcher Quelle ich meinen Durst löschen kann“. Für Hans Scholl musste gerade von den Christen ein Zeichen des Widerstands ausgehen.

Eine Deportationsschilderung aus dem Freundeskreis der Familie und Erlebnisse an der Front während des Medizinstudiums bestärkten die Haltung gegen das Regime - zumal auch die Orientierung am Christentum eine pazifistische Einstellung weckte.

Im Jahr 1942 verfasste die „Weiße Rose“ ihr erstes Flugblatt. Bei der Verteilung des sechsten Flugblatts an der Universität München wurden Sophie und Hans Scholl vom Hausmeister erwischt, verhaftet und zum Tode verurteilt – wie in Folge ebenso weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe.

Vielleicht gerade aufgrund der Biographie von Personen wie Hans Scholl bleibt der Widerstand der „Weißen Rose“ bis heute erinnerungswürdig. So sind derzeit mehrere Bücher zu Hans Scholls Schwester Sophie in Arbeit, wie Förtsch aus Anfragen an das Stadtarchiv Crailsheim weiß, wo es eine Sammlung zu den Geschwistern Scholl gibt. Denn im Jahr 2021 wird des 100. Geburtstags von Sophie  Scholl gedacht.