Personal

Die einzige Frau im Männerkollegium

Lisa Hummel ist neue Regionalkantorin in Rottweil. Derzeit studiert sie parallel zu ihrer neuen Aufgabe noch in Leipzig. Bild: Peter Hummel

Lisa Hummel ist neue Regionalkantorin in Rottweil. Derzeit studiert sie parallel zu ihrer neuen Aufgabe noch in Leipzig. Bild: Peter Hummel

Lisa Hummel ist neue Regionalkantorin in Rottweil und damit die einzige Frau in der Gruppe der Regionalkantoren; einem Kollegium, das zuletzt nur aus Männern bestand.

Im Interview spricht sie darüber, wie sich ihr Stellenantritt während der Corona-Pandemie gestaltet und auch darüber, wie es ist, zeitgleich noch eine Meisterklasse und ein Masterstudium in Leipzig abzuschließen.

Frau Hummel, Sie haben mitten im Corona-Shutdown Ihre neue Stelle als Regionalkantorin in Rottweil angetreten. Hatten Sie trotz aller Widrigkeiten denn einen einigermaßen guten Start?

Ja. Der Start war natürlich ganz anders, als geplant, aber dennoch fühle ich mich sehr wohl in Rottweil. Zu tun gibt es immer genug, auch wenn sich die Arbeit momentan eher nur am Schreibtisch stattfindet.

Wie kamen Sie zu der Stelle in Rottweil?

Gegen Ende meines Studiums habe ich begonnen, quasi Ausschau nach Stellen zu halten und habe die Ausschreibung der Stelle in Rottweil in der ‚Musica sacra‘ entdeckt.

Gab es schon Verbindungen in die Diözese?

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist meine Heimatdiözese, hier habe ich von 2004 bis 2006 auch meine C-Ausbildung gemacht.

Sie studieren derzeit ja noch parallel in Leipzig. Mit was sind Sie dort beschäftigt?

Ich studiere parallel noch Meisterklasse Orgel und Master Orchesterdirigieren.

Und wie wirkt sich das zeitlich aus?

Es ist natürlich viel zu tun, gerade auch die weite Entfernung zwischen Rottweil und Leipzig macht die Sache nicht einfach, aber bis zum Ende meines Studiums werde ich wöchentlich zwischen den beiden Orten pendeln. Da ich aber bis einschließlich August nur in auf 50 Prozent reduziertem Umfang arbeite, ist das zeitlich möglich.

Wie lange dauern Ihre Studien noch?

Das ist eine gute Frage. Ich befinde mich in beiden Studiengängen im Abschlusssemester. Eigentlich wäre ich Ende Juli fertig gewesen. Durch die Corona-Pandemie ist das jetzt etwas ungewiss. Eine Orgelprüfung habe ich neulich schon mal gespielt, aber wann ich eine Prüfung mit Orchester machen kann, steht noch in den Sternen.

Das ständige Pendeln zwischen zwei doch so weit voneinander entfernten Städten ist an sich ja schon eine Belastung. Nun kommt noch Corona hinzu. Wie gehen Sie damit um?

In dieser Hinsicht ändert sich durch Corona nicht viel, die Strecke bleibt ja dieselbe. Durch fehlende Chorproben und Gottesdienste war es für den Beginn sogar fast etwas stressfreier, denn ich konnte mich ganz in Ruhe umsehen und war in der zeitlichen Planung etwas freier. Ansonsten habe ich Erfahrung im Pendeln weiter Strecken, ich hatte schon einmal ein Semester, in dem ich zwischen Freiburg und Leipzig pendeln musste. Man muss schauen, dass man sich genügend Ruhepunkte schafft, um nicht im ‚Dauereinsatz‘ zu sein, denn darunter leidet letztendlich dann auch die Arbeit beziehungsweise das Studium.

Was bringt die jetzige Situation mit Blick auf Ihre Tätigkeit in der Diözese mit sich?

Der Ausgangspunkt vor allem kurzfristiger Planungen ist jetzt ein ganz anderer. Es geht darum, Möglichkeiten für Gottesdienstgestaltung und zukünftige Probenarbeit auszuloten, da diese Situation ja für alle eine besondere ist.

Wie sehen Ihre Pläne für die kommenden Wochen an Ihrem neuen Wirkungsort aus?

Nachdem auch in Rottweil nach dem Corona-Shutdown jetzt wieder Gottesdienste gefeiert werden können, wird sich die Arbeit in nächster Zeit sehr auf die Gestaltung dieser Gottesdienste fokussieren. Gleichzeitig geht es darum, Konzepte zu erarbeiten, wie Chorproben oder zumindest Stimmbildung wieder möglich sein können.

Gibt es besondere Impulse, die Sie in Ihrer Arbeit setzen möchten?

Generell bin ich immer bereit, Neues auszuprobieren. Wichtig hierbei ist ein gutes und schlüssiges Konzept. Um neue Wege zu gehen, muss ich die Gegebenheiten vor Ort erst noch besser kennenlernen, das ist in der jetzigen Situation mit Veranstaltungsverboten schwierig. Aber das kommt sicher mit der Zeit.

Sechs Jahre lang gab es gar keine Frau in dieser Position in unserer Diözese. Was ist das für ein Gefühl als einzige Frau in einem Männerkollegium?

Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit den Kollegen.

Zur Person

Lisa Hummel ist 28 Jahre und kommt aus Laupheim. Wenn sie nicht gerade musiziert,  liest und reitet sie gerne. Ihre bisherigen Stationen waren folgende: Studium der Schul- und Kirchenmusik mit einem Bachelor-Abschluss in Freiburg (2011-2017). Im nahen St. Ulrich im Schwarzwald ist sie nebenberuflich als Kirchenmusikerin tätig (2014-2017). Außerdem übernimmt sie in dieser Zeit die Leitung des Chors der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (2014-2016). In Leipzig setzt sie ihr Studium der Kirchenmusik ab 2016 mit einem Masterstudiengang und der Meisterklasse Orgel sowie einem Masterstudiengang in Orchesterdirigieren fort. Sie ist seit 2018 Musikalische Leiterin des Kammerchors „Ensemble avelarte“ und seit der Spielzeit 2019/2020 Assistentin beim Akademischen Orchester Leipzig.