Bauprojekt

Die Umhüllung des Schmerzes

Menschen in der letzten Lebensphase einen Platz, ein Ankommen zu bieten, haben sich die Franziskanerinnen in Schwäbisch Gmünd zum Ziel gesetzt. Am Kloster an der Bergstraße entsteht ein Hospiz. Im Bild: Generaloberin Sr. Birgitta Kunsch und Generalvikarin Sr. Eleonore Kerschbaum. Foto: Schwenk

Am Kloster der Franziskanerinnen entsteht ein Hospiz mit acht Betten. Achtmal ankommen, achtmal Ruhe finden, achtmal Frieden spüren.

„Wohin geht unser Weg?“ Das haben sich die 22 Ordensfrauen im Kloster an der Bergstraße gefragt. „Was wird aus dem Klostergebäude und wie können wir in die Gesellschaft hineinwirken?“. Die Antwort kam mit einer Anfrage der Stadt Schwäbisch Gmünd. Und in einem gut überlegten Prozess ist in den Franziskanerinnen der Entschluss gereift, einem Hospiz Raum zu geben.

Herberge finden – ein Thema, das besonders in der letzten Lebensphase eine neue Bedeutung bekommt. Ankommen können, Ruhe, Geborgenheit und den inneren Frieden finden. „Unser Hospiz will Herberge sein“, sagen Schwester Birgitta Kunsch, Generaloberin des Konvents, und die Generalvikarin Schwester Eleonore Kerschbaum. Eine solche Einrichtung, die Menschen in der letzten Lebensphase einen Platz, ein Ankommen bietet, passe zu einem Kloster. „Wir sind auch als Gemeinschaft in einer neuen Phase angekommen“, ergänzt Schwester Birgitta. 60 Schwestern seien im Jahr 2000 dort eingezogen, mittlerweile zählt der Konvent 21 Schwestern. Das neue Hospiz ist aber nicht für die Schwestern gedacht. „Wir haben genügend Möglichkeiten, in unserem Kloster in der Krankenstation unterzukommen, wenn es soweit ist“, lächelt Schwester Birgitta.

Eine würdevolle Begleitung bekommen

Auch wenn es um das Sterben geht, geht es bis zuletzt um die Würdigung des Lebens – das ist die zentrale Ausrichtung der Hospizarbeit. Dr. Angelika Daiker begleitet diesen inhaltlichen Prozess seit Beginn und sagt: „Menschen sollen hier in ihrem Sterben eine umhüllende, würdevolle Begleitung bekommen, in allen Facetten ihres Daseins.“

Wie vielfältig das Bedürfnis nach Schutz und Ummantelung im Sterben und auch im Leben ist, konnte eindrücklich in einer Kunstausstellung im Frühling mit der Ausstellung „Hülle und Fülle“ erfahren werden. Der Mantel, pallium, als Symbol für die Hospiz- und Palliativbewegung, stand dabei im Mittelpunkt. Eine Mantel-Darstellung aus Stacheldraht befand sich ein halbes Jahr im Atrium des Klosters. „Manchmal wird man in der Zeit des Sterbens auch stachelig“, denkt Schwester Birgitta nach. Und Schwester Eleonore ergänzt: „Es geht um Aushalten, um körperlichen und seelischen Schmerz, auch um sozialen Schmerz“. Dafür müssten auch die Mitarbeitenden des Hospizes Kraft haben.

Offenheit und Weite

Eines ist den beiden Schwestern wichtig: Das Hospiz ist offen für alle Menschen, auch für Gläubige anderer Religionen und anderer Weltanschauungen. „Es geht um Wertschätzung und Gastfreundschaft, um Offenheit und Weite.“ Offen und weit schweift der Blick vom Klostergarten auf die Türme und Dächer der Stadt. Von dieser großzügigen Gastfreundschaft, die jedes Hospiz pflegt und die durch den Gesetzgeber garantiert wird, profitieren die Gäste. Denn für sie ist der Aufenthalt im Hospiz kostenfrei.

Der größte Anteil der Bau- und Betriebskosten wird von den Kranken- und Pflegekassen übernommen. Der Gesetzgeber schreibt jedoch vor, dass fünf Prozent aller Kosten von den Trägern selbst getragen und nach Möglichkeit durch Spenden eingeworben werden sollen. Für das Kloster-Hospiz Schwäbisch Gmünd bedeutet das, dass sowohl 400.000 Euro der Baukosten als auch 120.000 Euro für den laufenden Betrieb durch Spendengelder aufgebracht werden müssen.