Nachruf

"Ein kritischer, aber großer Theologe"

Der Theologe Hans Küng starb am 6. April im Alter von 93 Jahren in Tübingen. Bild: picture-alliance / dpa | Bernd Weißbrod

Der Theologe Hans Küng starb am 6. April im Alter von 93 Jahren in Tübingen. Bild: picture-alliance / dpa | Bernd Weißbrod

Der Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng ist tot. Er starb am 6. April im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Tübingen.

„Hans Küng war über viele Jahrzehnte hinweg ein kritischer, aber großer Theologe, dem die katholische Kirche und ihre Zeitgenossenschaft ein wichtiges Anliegen war“, sagt Bischof Dr. Gebhard Fürst. „Er hat essentielle theologische Grundlagenarbeit geleistet und immer wieder bedeutende Anstöße gegeben. Besondere Würdigung verdient sein Einsatz für die Ökumene und für den Dialog zwischen den Religionen. Er war ein streitbarer Geist - ich selbst habe ihn als Student in Tübingen in den 70er-Jahren als stets sehr anregenden Theologen empfunden.“

Hans Küng, 1928 als Sohn eines Schuhhändlers in der Schweiz geboren, begann mit 20 Jahren sein Studium an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Er wurde Seelsorger, entschied sich dann aber für eine akademische Laufbahn. 1960 wurde er als ordentlicher Professor für Fundamentaltheologie an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen berufen. Drei Jahre später wechselte Küng vom Lehrstuhl für Fundamentaltheologie auf den für Dogmatik und Ökumenische Theologie und wurde Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Ökumenische Forschung.

Einrichtungen von bleibender Bedeutung geschaffen

Küng äußerte wiederholt Kritik am Papst und an der katholischen Kirche. Zur Jahreswende 1979/80 wurde ihm deshalb die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Um Küng eine weitere Lehrtätigkeit an der Universität Tübingen zu ermöglichen, gliederte die Hochschule ihr Institut für Ökumenische Forschung aus der Katholisch-Theologischen Fakultät aus und unterstellte es direkt dem Senat – ein einmaliges Modell in der Geschichte der Hochschule, wie es im Nachruf der Eberhard-Karls-Universität heißt.

Rektor Prof. Bernd Engler: „Mit Hans Küng verliert die Universität Tübingen einen produktiven Forscher, einen überaus schöpferischen Gelehrten und einen exzellenten Theologen.“ Küng habe mit dem Institut für Ökumenische Forschung und dem Weltethos-Institut Einrichtungen von bleibender Bedeutung geschaffen und damit die Universität tiefgreifend geprägt.

Ein Pionier des interreligiösen Dialogs

Als Pionier des interreligiösen Dialogs und für seinen Einsatz für ein Kulturen und Religionen übergreifendes Menschheitsethos, ein „Weltethos“, erlangte Hans Küng weltweites Ansehen in allen Weltreligionen. Unter seiner Federführung verabschiedete das „Parlament der Weltreligionen“ im Jahr 1993 die „Erklärung zum Weltethos“, 1995 wurde in Tübingen die Stiftung Weltethos gegründet, deren Präsident Küng bis 2013 war.

„Mit dem Projekt Weltethos schuf er letztlich die Grundlage für ein Bewusstsein grundlegender gemeinsamer Werte in allen Teilen der Gesellschaft sowie für ein friedliches und respektvolles Miteinander über die Grenzen der Religionen, Kulturen und Nationen hinweg. Ein Projekt, das auch heute wichtiger ist, denn je – und ihn bis zu seinem Tod begleitete und beschäftigte“, heißt es im Nachruf der Stiftung.

Vom Zweiten Vatikanischen Konzil zutiefst geprägt

Für seine Forschung und sein Engagement erhielt Küng zahlreiche Ehrungen und Preise, darunter 1998 den Theodor-Heuss-Preis, 2002 den Göttinger Friedenspreis und 2003 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. 

„Hans Küng hat es sich nie nehmen lassen, für seine Überzeugungen einzutreten“, schreibt Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. „Auch wenn es diesbezüglich Spannungen und Konflikte gab, danke ich ihm in dieser Stunde des Abschieds ausdrücklich für sein jahrelanges Engagement als katholischer Theologe in der Vermittlung des Evangeliums. Der Dialog der Religionen im Bemühen um ein Weltethos war ihm ein großes Anliegen. Hans Küng war zutiefst vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt, um dessen theologische Rezeption er sich bemüht hat.“