Corona

Ein „stiller Krieg“ gegen die Menschen

Franziska Weißhar beschäftigt sich derzeit im Homeoffice  mit der Situation in Uganda, wo sie die kommenden drei Jahre in der Internationalen Zusammenarbeit hatte mitarbeiten wollen. Bild: privat

Franziska Weißhar beschäftigt sich derzeit im Homeoffice mit der Situation in Uganda, wo sie die kommenden drei Jahre in der Internationalen Zusammenarbeit hatte mitarbeiten wollen. Bild: privat

Den Menschen des Globalen Südens in der Krise eine Stimme geben ‒ für Franziska Weisshar aus dem Remstal ist das zurzeit eine Notlösung.

Eigentlich saß die angehende Fachkraft für Internationale Zusammenarbeit schon auf gepackten Koffern in Richtung Uganda. Ab Juni sollte Franziska Weisshar dort im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Jugendarbeit fördern. „Teilhabe stärken, gemeinsam Konzepte entwickeln“, sagt sie. Doch dann kam Corona, der Flug wurde gestrichen und ihr dreijähriger Einsatz auf unbestimmte Zeit verschoben. 

Das Schicksal der Menschen, mit denen sie arbeiten wollte, beschäftigt sie umso mehr und deswegen berichtet sie darüber. „In den letzten Tagen habe ich viele Gespräche mit anderen Fachkräften und mit Freunden in Uganda über die Auswirkungen von Corona geführt“, sagt die 32-Jährige. Da Weisshar die vergangenen fünfeinhalb Jahre für die Weltkirchlichen Friedensdienste der Diözese tätig war und davor bereits einen einjährigen Freiwilligendienst in Uganda absolvierte, verfügt sie über ein breites Netzwerk an Kontakten.

"Die Armen werden hungrig in ihren Häusern sterben"

Eine Freundin aus Uganda habe ihr etwa geschrieben: „Die Armen werden hungrig in ihren Häusern sterben, weil die meisten Afrikaner nur für ihr tägliches Einkommen arbeiten. Wenn sie nicht arbeiten gehen, haben sie nichts zu essen.“ Von anderer Seite erfuhr Weisshar, dass eine staatliche Unterstützung mit Nahrungsmitteln angekündigt war, doch in einigen Regionen dann am Fehlen der dafür nötigen Ressourcen scheiterte.

Berichtet wurde ihr auch, dass die plötzliche Ausgangssperre für viele Menschen direkt in die Arbeitslosigkeit führte und es keinerlei finanzielle Erleichterungen bei der Versorgung durch die staatlichen Wasserwerke gab. Ihre ugandische Freundin beschreibt die Auswirkungen der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie so: „Es ist ein stiller Krieg, in dem viele Menschen in eine Situation genötigt werden, aus der sie nicht mehr herauskommen können.“

Dennoch sind die Menschen hoffnungsvoll

Noch verschlimmert habe sich die Lage nach dem Osterwochenende, als der Präsident Yoweri Museveni im Fernsehen verkündete, die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus um weitere 21 Tage zu verlängern. „Innerhalb weniger Minuten schickten mir viele meiner Freunde diese Nachricht zu“, berichtet Weisshar. „Mein Eindruck war, dass alle gespannt den Neuigkeiten folgten und sehr betrübt waren, dass sie noch länger zuhause bleiben müssen.“  

Dennoch seien ihre Freunde hoffnungsvoll und versuchten, das Beste aus der Situation zu machen. Die derzeit für den Personenverkehr gesperrten, allgegenwärtigen Motorradtaxis würden so beispielsweise von Familien auf dem Land oft genutzt, um ihren Verwandten in den Städten Nahrungsmittel zukommen zu lassen. „Zudem hat die Regierung Nottransportmittel eingerichtet", berichtet ein Bekannter von Weisshar, der daraufhin kurzerhand seine eigentliche Arbeit unterbrach, und nun kranke und verletzte Menschen zu Gesundheitseinrichtungen fährt.