Diözesanmuseum

Einzigartige Grabungsfunde

Das Bild zeigt ein in Dunningen gefundenes Ensemble aus einem Frauengrab, welches auf die Zeit um das Jahr 630 datiert wird. Bild: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Das Bild zeigt ein in Dunningen gefundenes Ensemble aus einem Frauengrab, welches auf die Zeit um das Jahr 630 datiert wird. Bild: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

In der neuen Jahresausstellung "In unserer Erde" zeigt das Diözesanmuseum neu entdeckte Schätze aus dem Frühmittelalter im Südwesten.

Unter dem Titel "In unserer Erde. Grabfunde des frühen Mittelalters" präsentiert das Diözesanmuseum in Rottenburg ab der kommenden Woche einzigartige Kunst- und Gebrauchsgegenstände aus der Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert. „Mit teils bislang der Öffentlichkeit nicht vorgestellten Objekten zeigen wir den Besucherinnen und Besuchern die Vielfalt an kulturellen Identitäten dieser Epoche“, sagt Museumsleiterin Dr. Melanie Prange.

Die Jahresausstellung vereint Fundstücke aus den reichhaltig und meist vollständig erhalten gebliebenen Sülchen-Gräbern bei Rottenburg sowie Exponate der archäologischen Sammlungen des Landes Baden-Württemberg. Am Übergang zum Christentum steht das Frühmittelalter dabei als Epoche des Wandels, die von Mobilität, Austausch sowie der Vernetzung unterschiedlicher Kultur- und Glaubensräumen geprägt war. Die Ausstellungsbesucher können sich so auf byzantinische Schmuckobjekte, burgundische Fibeln, langobardisch geprägte Goldblattkreuze oder auch auf Bernsteinfunde aus Nordeuropa freuen. 

Einzigartige Kostbarkeiten aus der Vergangenheit

Die mit ältesten ausgestellten Zeugnisse christlichen Lebens im Südwesten stammen aus den Grabungen bei der Rottenburger Sülchenkirche, ein im süddeutschen Raum einzigartiger Platz, der seit dem 6. Jahrhundert ununterbrochen als Bestattungsort genutzt wird und auf dem Archäologen bislang rund 300 Gräber fanden, von denen etwa 80 auf das frühe Mittelalter datieren. Zu sehen gibt es im Diözesanmuseum aber auch andere einzigartige Kostbarkeiten wie die Beigaben des sogenannten „Schwenninger Frauengrabs“ aus dem frühen 6. Jahrhundert.

„Die zum Teil singulären Artefakte führen uns vor Augen, dass unsere Vergangenheit immer noch unbekannte Seiten hat. Immer wieder gibt die Erde Schätze preis, die neue Blicke auf uns scheinbar bekannte Epochen ermöglichen“, fasst Museumsleiterin Dr. Prange zusammen. Anhand des Gräberfelds in Sülchen und der ebenfalls dort entdeckten drei Vorgängerbauten der heutigen Sülchenkirche werde zum Beispiel deutlich, dass die Siedlung vom Frühmittelalter bis mindestens in die Zeit der Ottonik eine zivilisatorische Bedeutung für das Umland besessen haben müsse. Viele Sülchener Grabbeigaben zeigten dabei fränkische oder burgundische Einflüsse, so etwa eine Zierscheibe aus einem Mädchengrab aus der Mitte des 6. Jahrhunderts, die in dieser Form in Nordostfrankreich in Mode war. Die Waffenausstattung der Männergräber sei in Sülchen im Vergleich zu anderen Orten der näheren Umgebung reduziert, weswegen die Siedlung als administratives Zentrum unter fränkischer Herrschaft interpretiert wird. „Unter den wenigen Waffen, die gefunden wurden, befinden sich jedoch archäologische Highlights wie beispielsweise ein Kurzschwert, dessen außergewöhnlich gut erhaltene Lederscheide zeigt, wie aufwendig Gebrauchsgegenstände gestaltet und verziert wurden“, sagt die Museumsleiterin.

Passend zur Ausstellung wird es in den kommenden Wochen und Monaten ein reichhaltiges Begleitprogramm geben: Dr. Beate Schmid vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart spricht am Donnerstag, 5. November 2020, über die archäologische Bedeutung Sülchens; Dr. Lukas Werther vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Eberhard Karls Universität Tübingen referiert am Sonntag, 21. Februar 2021, über den archäologischen Forschungsstand in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung der Menschen im Früh- und Hochmittelalter. Dr. Martina Terp-Schunter, Leiterin der Museen der Stadt Mühlacker, berichtet am Donnerstag, 25. Februar 2021, über die Bedeutung der gefundenen Goldblattkreuze als Zeichen einer frühmittelalterlichen Globalisierung sowie am Sonntag, 7. März 2021, über die Spannungen zwischen antiken, germanischen und christlichen Einflüssen auf die Menschen des frühen Mittelalters. Das Begleitprogramm enthält zudem spezielle Führungen für Kinder am Samstag, 14. November 2020, sowie am Samstag, 16. Januar 2021, und einen Workshop des Rottenburger Metallrestaurators Hans-Joachim Bleier am Samstag, 9. Januar, bei dem Bleier seinem Publikum anhand ausgewählter Artefakte das Kunsthandwerk des Frühmittelalters nahe bringt.

Hinweise

Infolge der Corona-Pandemie müssen sich alle Besucher der Jahresausstellung oder des Begleitprogramms im Diözesanmuseum Rottenburg, Karmeliterstraße 9, zwingend vorab unter Telefon 07472/922-180 oder -182 anmelden. Sowohl für die Ausstellung als auch für das Begleitprogramm gibt es wegen Covid-19 eine Personenbegrenzung.

Wegen der Pandemie entfällt die für Sonntag, 18. Oktober, geplante Vernissage. Stattdessen wird die Ausstellung bereits am 18. Oktober in der Zeit von 11 bis 15 Uhr nach vorheriger Anmeldung für Interessierte geöffnet sein.

Ab der kommenden Woche kann die Ausstellung dann von Dienstag, 20. Oktober, bis Sonntag, 21. März 2021, zu den regulären Öffnungszeiten besucht werden.

Stets aktuelle Besucher-Informationen zur Jahresausstellung gibt es auf der Internetseite des Diözesanmuseums.

Einzelne Ausstellungsstücke werden von Museumsleiterin Dr. Melanie Prange in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge auf den Social Media-Kanälen der Diözese Rottenburg-Stuttgart vorgestellt.