Weihe

Für die Menschen da sein

v.l.: Ivan Totić und Nico Schmid, Weihe zu Diakonen am 27. Februar 20211 in Stuttgart, Domkirche St. Eberhard; Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

v.l.: Ivan Totić und Nico Schmid, Weihe zu Diakonen am 27. Februar 20211 in Stuttgart, Domkirche St. Eberhard; Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

Zwei angehende Priester berichten über ihren Weg zur Diakon-Weihe. Den Gottesdienst übertragen wir am Samstag, 27. Februar, live.

Ivan Totić und Nico Schmid möchten Priester werden. Am Samstag, 27. Februar, empfangen sie in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart die Weihe zum Diakon – eine Voraussetzung für die spätere Priesterweihe. Im Interview berichten die beiden jungen Männer über ihr Leben, ihren Glauben und über die Besonderheiten der Priester-Ausbildung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.  

Herr Totić und Herr Schmid, Sie werden am 27. Februar zu Diakonen geweiht. Wie bereiten Sie sich auf diesen Tag vor?

Ivan Totić: Ja … es ist schwierig. [beide lachen]

Nico Schmid: Die derzeitige Situation erfordert zunächst ein großes Umplanen. Vieles, was wir uns vorgestellt hatten, ist zurzeit nicht umsetzbar. Da in die Konkathedrale St. Eberhard nur eine begrenzte Anzahl an Personen kommen darf, ist es uns nicht möglich, alle, die uns auf unserem Weg begleitet haben, einzuladen; was nicht einfach für uns ist. Dennoch sind wir froh, dass der Weihegottesdienst auf der Homepage unserer Diözese via Livestream übertragen wird und somit viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter in der und über die Diözese hinaus mitfeiern können.

Ivan Totić: Ja, und speziell für diesen Tag bereiten wir einerseits den Weihegottesdienst vor: angefangen vom Auswählen der Texte bis hin zur musikalischen Gestaltung und andererseits – und das ist sicher das Wichtigste – beschäftigen wir uns intensiv mit den Weiheversprechen und damit, was diese für unseren Dienst als Diakon bedeuten.

Nico Schmid: Ansonsten läuft das normale Ausbildungsprogramm im Priesterseminar, wenn auch dieses Jahr unter den aktuellen Umständen anders als in den vergangenen Jahren.

Herr Totić, können Sie uns bitte kurz beschreiben, wie Ihr Wunsch, Priester zu werden, entstanden ist?

Ivan Totić: Zunächst einmal war es ein loser Gedanke, der mit der Zeit zum Wunsch wurde. An unterschiedlichen Orten hatte ich Kontakt mit einigen Priestern. Viele von ihnen sprachen mit einer unbeschreiblichen Leidenschaft über diesen Jesus von Nazareth, dem Christus. Diese Leidenschaft spiegelte sich nicht nur in ihrem Augenfunkeln, das ich nie vergessen werde, wider, sondern auch in der gesamten Lebensweise. Das hat mich so stark beeindruckt, dass sich dieser lose Gedanke zum Wunsch verwandelte.

Herr Schmid, wie kamen Sie zu dem Entschluss, Priester zu werden?

Nico Schmid: Ich durfte in einer Familie aufwachsen, in welcher Religion und Glaube immer einen Platz hatten; begleitet von einer großen Offenheit und Weite. Vor allem meine Großmutter war tief verwurzelt im Glauben. Sie schöpfte daraus viel Kraft, was mich als Kind fasziniert hat. Als Jugendlicher war ich dann sehr in meiner Heimatgemeinde engagiert als Ministrant, im Jugendausschuss und im Jugendchor. Gleichzeitig durfte ich Priester erleben, die sich sehr in die Gemeinden eingebracht und sich auch für die Wünsche und Belange der Jugendlichen eingesetzt haben. Bei ihnen erlebte ich eine große Menschlichkeit und Nahbarkeit, sodass ich mich gefragt habe, ob ein Leben als Priester etwas für mich wäre, da es mir auch im Blick auf meine Zukunft wichtig war, Menschen zu begleiten, sie zu unterstützen und für sie da zu sein. So habe ich mich nach dem Abitur entschlossen, an das Ambrosianum nach Tübingen zu gehen, um die für das Theologiestudium benötigten alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein zu lernen. Dabei habe ich viele Menschen kennengelernt, die ihren Glauben authentisch gelebt haben. Wir haben uns viel darüber ausgetauscht und das waren für mich wirklich wichtige Gespräche. Irgendwann habe ich in mir gespürt, dass ich in aller Offenheit ausprobieren und prüfen möchte, ob dieser Weg als Priester etwas für mich ist und so habe ich beim Direktor des Wilhelmsstifts angeklopft.

Herr Totić, können Sie uns Ihren Werdegang nach dem Abitur kurz beschreiben und was für Ihren weiteren Weg der Entscheidung wichtig war?

Ivan Totić: Kurz vor dem Abitur wurde der Gedanke, mich in den Dienst in der Kirche zu stellen, immer größer, aber kein fester Entschluss, sodass ich mit einem Studium der Mathematik und Theologie zunächst zweigleisig fuhr. Der Einzug ins Wilhelmsstift war für mich eine große Chance, den anfänglichen Gedanken zu prüfen. Schlussendlich habe ich mich für das Theologiestudium entschieden. In dieser Zeit waren für mich einerseits mein Auslandsstudienjahr in der kroatischen Hafenstadt Split, wo ich Raum und Zeit hatte, über vieles nachzudenken und vieles zu prüfen, und andererseits meine Familie und Freunde, mit denen ich stets über alles reden konnte, wichtig.

Und was war für Sie wichtig, Herr Schmid?

Nico Schmid: Für mich waren auch die Gespräche mit meiner Familie, mit Freundinnen und Freunden sowie mit schon im pastoralen Dienst Stehenden zentral. Ein weiterer Punkt war aber auch das Theologiestudium in Tübingen und in Rom. Den Glauben wissenschaftlich zu durchdringen und manches auch kritisch zu hinterfragen, haben mich im Glauben und auch in dem Entschluss, Priester zu werden, wachsen lassen. Ein dritter wichtiger Punkt war für mich, dass ich immer mehr ins geistliche Leben hineingewachsen bin und so Gottes Nähe und Güte in meinem Leben erfahren durfte.

Was heißt es für Sie, Herr Schmid, in unserer heutigen Welt Priester zu werden?

Nico Schmid: Für mich heißt es in erster Linie, wie es das Zweite Vatikanische Konzil treffend formuliert, die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und Ängste der Menschen in unserer heutigen Welt auch als die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und Ängste der Kirche zu sehen und diese ernst zu nehmen. In der Heiligen Schrift erfahren wir von vielen Menschen, die ganz unterschiedlich auf die Botschaft Jesu reagiert haben. Und dasselbe gilt auch für heute: Es geht nicht um den Erhalt irgendwelcher Strukturen, sondern darum, sich zu fragen, welche Wege Gott heute nimmt, um sich den Menschen zu nähern. Dabei zählt eben nicht ihre Herkunft, ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Orientierung. Denn Priestersein in unserer Gesellschaft heißt für mich einerseits, sich zu verorten im Hören auf Gott, im Hören auf die Menschen und im Hören auf die Welt und andererseits, genau mit diesen Menschen Eucharistie zu feiern und darin eben ihre Freuden und Hoffnungen, ihre Trauer und Ängste in Dank und Lob, in Bitte und Frage vor den uns nahen Gott zu bringen.

Herr Totić, auch an Sie die Frage: Wie sehen Sie Ihre künftige Aufgabe als Priester?

Ivan Totić: Ich sehe es ähnlich: Für mich ist das Hören, das Zuhören, was die Menschen für ihre persönliche Christusnachfolge brauchen, wesentlich. Für und bei den Menschen vor Ort da zu sein, in all ihren Lebenssituationen. Unwesentlich ist dabei nicht, das Ganze im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet vor Gott zu tragen. Dies sehe ich schon jetzt als Fundament für mein Christsein und für den zukünftigen Dienst als Diakon und später als Priester.

Vorhin haben Sie, Herr Schmid, das Ausbildungsprogramm im Priesterseminar kurz erwähnt. Welche Inhalte sind es, die Ihnen dort vermittelt werden?

Nico Schmid: Es sind Ausbildungsinhalte, die uns auf den Dienst als Diakon vorbereiten. Dazu gehören Einheiten in Liturgik, Pastoralpsychologie, Religionspädagogik und Homiletik (die Predigtlehre, Anmerkung der Redaktion). Wir beschäftigen uns theoretisch und praktisch mit den drei wesentlichen Dimensionen des kirchlichen Lebens: Liturgie, Verkündigung und Diakonie. Um es am Beispiel des Sterbens konkret zu machen: Die Begleitung des Sterbenden und der Trauernden, die Vorbereitung und Gestaltung der Begräbnisfeier sowie die spezifische Predigt im Trauergottesdienst werden theoretisch beleuchtet und praktisch geübt.

Ivan Totić: Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist die geistliche und persönliche Dimension. Dazu gehören zum Beispiel die Nachmittage mit dem Spiritual, das gemeinsame Beten und Eucharistiefeiern sowie die Einheit ‚Amt und Leben‘ mit dem Regens.

Herr Totić, worin genau besteht der Unterschied zwischen dem, was Sie derzeit im Priesterseminar lernen und dem, was Sie zuvor an der Universität gelernt haben?

Ivan Totić: Das Praktische – hier im Priesterseminar zielt die gesamte Ausbildung auf den konkreten Dienst in den Gemeinden vor Ort hin.

Sehen Sie das ähnlich, Herr Schmid?

Nico Schmid: Ja, genau so. Um es an einem weiteren Beispiel deutlich zu machen: Während wir an der Universität das Fach Religionspädagogik vor allem in seinen theoretischen Facetten studiert haben, liegt hier der Schwerpunkt auf der Didaktik. Indem wir konkrete Unterrichtsentwürfe ausarbeiten, richtet sich unser Blick auf unser Wirken an der Schule.

Ivan Totić: Und wenn ich noch ergänzen darf: Hier in der Ausbildung sind wöchentliche Hospitationen an Rottenburger Schulen vorgesehen, die leider coronabedingt dieses Jahr nicht stattfinden konnten.

Worin sehen Sie das Besondere an der Ausbildung zum Priester in der Diözese Rottenburg-Stuttgart?

Nico Schmid: Das Besondere sehe ich in zwei wesentlichen Punkten. Zum einen – und das ist wahrscheinlich die größte Stärke in unserem Ausbildungsmodell – werden wir von Beginn an mit den angehenden Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten ausgebildet. Zum anderen findet die Priesterausbildung in unserer Diözese an zwei unterschiedlichen Orten mit den genannten unterschiedlichen Schwerpunkten statt, also das Studium am Wilhelmsstift und an der Universität in Tübingen und die pastoral-praktische Ausbildung im Priesterseminar in Rottenburg.

Herr Totić, sehen Sie das auch so?

Ivan Totić: Ich sehe es genauso und würde es noch um einen dritten wesentlichen Punkt ergänzen: Die Priesterausbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart findet in der Regel in unserer Diözese statt, also vor Ort – wir werden in unserer Diözese für die Diözese ausgebildet. Das ist meines Erachtens nicht zu unterschätzen und nicht selbstverständlich in der deutschsprachigen Priesterausbildung.

Zu den Personen

Nico Schmid (25) wurde als jüngstes von drei Kindern in Schwäbisch Gmünd geboren. Mit seinen zwei Schwestern wuchs er in Bargau auf. In seiner Heimatgemeinde St. Jakobus war er lange Jahre engagiert. Nach seinem Abitur besuchte er zunächst das Ambrosianum in Tübingen, bevor an der dortigen Universität und in Rom Theologie studierte.  In seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit kirchenrechtlichen Überlegungen zum „Rottenburger Modell“. Zusammen mit Ivan Totić wird er am 27. Februar in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart zum Diakon geweiht.

Ivan Totić (26) wurde als ältestes von vier Kindern in Stuttgart geboren. Mit seinen drei Schwestern wuchs er in Stuttgart auf. Die muttersprachliche Gemeinde sv. Alojzije Stepinac ist seine Heimatgemeinde, wo er lange Jahre engagiert war. Nach seinem Abitur studierte er Theologie in Tübingen und in der kroatischen Hafenstadt Split. In seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit liturgiewissenschaftlich-praktischen Überlegungen über die liturgische Sprache. Zusammen mit Nico Schmid wird er am 27. Februar in seiner Heimatkirche St. Eberhard zum Diakon geweiht.

Hinweise

Fotos von Ivan Totić und Nico Schmid zum Download finden Sie unter Verwendung des Hinweises „Bild: DRS/Jochen Wiedemann“ zur freien Nutzung unter: https://medienpool.drs.de/web/20a0558e937d9683/diakonenweihe-2021/

Die Diakonweihe wird am Samstag, 27. Februar, ab 9.30 Uhr per Livestream auf der Homepage der Diözese übertragen unter: www.drs.de