Initiative

Gemeinsam für mehr Wohnraum

Inga Grosse von der Kirchlichen Wohnrauminitiative der Caritas Ost-Württemberg. Bild: Dekanat Ostalb

Bei der Kirchlichen Wohnrauminitiative schaut die Caritas, dass Mieter und Vermieter zueinander passen und berät bei der Festlegung des Mietpreises.

Die Kinder sind ausgezogen. Große Teile des Hauses stehen leer. Genau genommen eine ganze Wohnung. Das Senioren-Paar hat sich im Erdgeschoss eingerichtet. Theoretisch könnte es die obere Wohnung vermieten im eigenen Haus, hätte dann sogar den Vorteil, dass jemand „Junges“ da ist, der ab und an Dinge erledigt, die einem älteren Menschen nicht mehr so leichtfallen.

Auf der anderen Seite ist da die fünfköpfige Familie. Was monatlich auf der Haben-Seite übrig bleibt, ist so wenig, dass mehr als 70 Quadratmeter in einer Mietwohnung kaum möglich sind. Dennoch wäre es dringend nötig, weil die 16-Jährige auch mal alleine in ihrem Zimmer sein möchte.

Dort ansetzen, wo die Not am größten ist

Wohnen gehört nicht nur zu den Grundbedürfnissen des Menschen. „Eine Wohnung ist ein Rückzugsort, der die Privatsphäre schützt, sie ist der Lebensmittelpunkt, der soziale Teilhabe erst ermöglicht“, sagt Inga Grosse. Die Sozialpädagogin und Betriebswirtschaftlerin arbeitet bei der Caritas und betreut das vor einem Jahr ins Leben gerufene Projekt der „Kirchlichen Wohnrauminitiative“. Ganz aktiv will die Initiative dort ansetzen, wo die Not am größten ist: „Nicht vorhandener oder nicht ausreichender Wohnraum zieht oft eine Menge Probleme nach sich“, so Inga Grosse.
In den Beratungsgesprächen der Caritas, die sich von der allgemeinen Sozialberatung, über die Schwangerschafts- und Migrationsberatung, über die berufliche Integration bis hin zu den Kontakten in der Wohnungslosenhilfe ziehen, ist immer ein Thema beherrschend: Das Wohnen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosehilfe hat im Juli dieses Jahres Zahlen veröffentlicht: 650.000 Menschen stand im Jahr 2017 bundesweit keine Wohnung zur Verfügung. Die meisten Wohnungslosen sind in Notunterkünften untergebracht, etwa 48.000 von ihnen sind obdachlos. „Selbst wenn man Asylsuchende aus dieser Zählung rausnimmt“, so erklärt Inga Grosse, „waren in 2017 immer noch 257.000 Menschen ohne Wohnung“. Der Verein schrieb in seiner Stellungnahme, dass pro Jahr 100.000 neue Sozialwohnungen und weitere 100.000 bezahlbare Wohnungen benötigt werden.

Wohnungsnot nicht nur in Ballungszentren

Auch wenn die Wohnungsnot hauptsächlich die Ballungszentren betrifft, so ist sie längst auch auf der Ostalb angekommen. „Hier haben wir das Problem, dass viele leere Wohnungen auf dem Land zu Verfügung stehen könnten, die Menschen aber oft nicht mobil sind“, weiß Inga Grosse aus Erfahrung. Doch auch viel stadtnaher Wohnraum liegt brach in privater Hand.

Hier will die Kirchliche Wohnrauminitiative ansetzen. „Wir wollen Hemmungen und Vorbehalte einer Vermietung durch unsere aktive Unterstützung abbauen“, führt Inga Grosse aus. Das heißt: Die Caritas begleitet die Vermietung, sie schaut, dass Mieter und Vermieter möglichst gut zueinander passen, wirkt beratend in der Festlegung des Mietpreises. „Nach erfolgreicher Unterzeichnung des Mietvertrages sind wir mindestens ein Jahr für Vermieter und Mieter da“. Inga Grosse kümmert sich darum, wenn es Fragestellungen oder Schwierigkeiten gibt, sei es mit der Mietzahlung oder mit den Regeln, die für die Vermietung aufgestellt wurden.

Kooperationsprojekt mit enger Vernetzung

Die Kirchliche Wohnrauminitiative ist ein Kooperationsprojekt, das die Dekanate Heidenheim und Ostalb mittragen, sowie fast alle Kreisstädte und Kommunen. In einer engen Vernetzungsarbeit ist man gemeinsam auf dem Weg heraus aus dieser Wohnungsnot, die für so viele Menschen ein zentrales Problem in ihrem Leben darstellt.
Inga Grosse appelliert auch an das christliche Verständnis der Leserinnen und Leser: „Wir dürfen als Christinnen und Christen die Wohnungsnot nicht einfach übersehen und müssen handeln. Wir sollten alle aktiv danach schauen Wohnraum zu finden, damit auch Menschen in Not wohnen können, und damit einen Rückzugsort und auch ein seelisches Obdach bekommen“.

Förderung durch den Diözesanrat

Angemessenen Wohnraum zu haben gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen und zu den großen Herausforderungen gesellschaftlichen Zusammenhalts. Deshalb hat der Diözesanrat entschieden, Initiativen zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums finanziell zu fördern. Dafür hat er den Förderfonds „Bezahlbarer Wohnraum“ mit knapp 11 Millionen Euro ausgestattet. Allein für Projekte der "Kirchlichen Wohnrauminitiative" stellt der Diözesanrat in den Jahren 2019 bis 2023 5 Millionen Euro zur Verfügung.