KGR-Wahl

Inspiriert fürs Ehrenamt

Das Bischof-Sproll-Haus in Ulm beherbergt vielfältige Dienste und Aufgaben des Dekanats.

Das Bischof-Sproll-Haus in Ulm beherbergt vielfältige Dienste und Aufgaben des Dekanats. Foto: DRS/Jerabek

„KGR-Wahl-Fahrt“: Am Samstag gab es für Interessierte im Dekanat Ehingen-Ulm Impulse sowie Einblick in Angebote und Dienste auf Dekanatsebene.

Wer für den Kirchengemeinderat kandidiert oder noch am Überlegen ist, hat viele Fragen: Wäre das was für mich? Lohnt sich das? Wie kann ich mich mit meinen Gaben einbringen? Welchen Zukunftsthemen müssen wir uns stellen? Eine ganztägige „KGR-Wahl-Fahrt“ quer durch das Dekanat Ehingen-Ulm bot Antworten, Information und Inspiration.

An fünf Stationen lernten die KGR-Kandidatinnen und -Kandidaten beispielhafte Projekte kennen und tauschten sich über aktuelle Themen und Herausforderungen in der KGR-Arbeit aus. Ums Hinhören, um Zugewandtheit als Voraussetzung glaubwürdigen Christseins ging es gleich zu Beginn im Bischof-Sproll-Haus in Ulm. „Viele Menschen suchen ein Ohr, das ihnen zuhört, und sie finden es unter den Christen nicht, weil diese auch dort reden, wo sie hören sollten.“ Mit diesem provokanten Zitat des Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) skizzierte Dekanatsreferent Dr. Wolfgang Steffel einen wichtigen Auftrag für jede Gemeinde: Menschen in Not ein Ohr leihen, in ihrem Antlitz Christus erkennen.

Wie dieser Auftrag im Dekanat Ehingen-Ulm umgesetzt wird, beschrieb Andreas Mattenschlager, Leiter der Psychologischen Familien- und Lebensberatung der Caritas Ulm-Alb-Donau, in einem Referat über die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingskindern und über die vielfältigen Dienste der Caritas. Am Beispiel eines gelingenden Prozesses eines neunjährigen syrischen Jungen zeigte der Psychologe, wie das unsichtbare Leiden erkannt und therapiert werden kann. Auch auf Gemeindeebene sei es im Umgang mit psychisch belasteten Menschen eine Kernfrage, ob Gemeindeglieder ein offenes Ohr haben, Nöte ernst nehmen, bei Lösungen begleiten oder gegebenenfalls weitere, professionelle Hilfe vermitteln, erklärte Mattenschlager.

Ums Zuhören, Einfühlen, Ernstnehmen ging es auch an der zweiten Station, zu der die KGR-Wahl-Fahrer mit einem gecharterten Bus ins Gemeindehaus Eggingen fuhren. Wie ticken Jugendliche? Was brauchen sie? Anhand der aktuellen Shell-Jugendstudie erläuterten Jugendseelsorgerin Birgit Brunnquell und Dekanatsjugendreferentin Julia Langendorf die Lebenswelt junger Menschen und gaben Anregungen für die Jugendarbeit vor Ort. Ergänzend zur vielfältigen Freizeit- und Bildungsarbeit sowie spirituellen Angeboten auf Dekanatsebene bieten die Jugendseelsorger gerne auch Beratung im Kirchengemeinderat an, zeigen neue Zugangswege für Glaubenserfahrungen für die Jugend auf.

„Jugendliche finden es gut, dass es die Kirche gibt, aber der persönliche Glaube bleibt auf der Strecke“, fassten die Referentinnen eines der Ergebnisse der Shell-Studie zusammen und fragten: „Wie füllen wir das Gebäude? Wie können wir anfragbarer werden?“ In Kleingruppen tauschten sich die Teilnehmer über Visionen von Kirche aus und was es bedeutet, eine einladende Gemeinde zu sein. „Lange bevor ich predige, hat schon die Gemeinde gepredigt – mit ihrem Verhalten“, gab etwa der gastgebende Pfarrer der Seelsorgeeinheit Ulm Hochsträß, Lucjan Widz, mit Blick auf die Willkommenskultur für (neue) Gottesdienstbesucher zu bedenken.

Für die weiteren Stationen der Dekanats-Erkundung steuerten die Teilnehmer Ehingen an. Nach einem Mittagessen mit Blitzlichtern zur Religionsgeschichte des Bieres und einem Lied zu Ehren der Brauer-Patrone – ein Tribut an die Bierkulturstadt – gestaltete Dekanatsreferent Wolfgang Steffel mit Kirchenmusikdirektor Volker Linz eine musikalische Besinnung in der Konviktskirche. Musik kann Raum schaffen für den Glauben. Aus dem bewussten Wahrnehmen von Innenräumen, aus der Resonanz mit der je persönlichen Gefühls- und Glaubenswelt im Herzen lassen sich Außenräume gestalten, wichtige Impulse für eine zukunftsfähige Gemeindeentwicklung gewinnen, so lautete die Botschaft des musikalisch und spirituell spannenden und abwechslungsreichen Programmpunkts.

Um Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Akteuren im sozialen Bereich am Ort ging es bei einem Besuch des „Bürgerhauses Oberschaffnei“ in Ehingen (Donau), der letzten Station der KGR-Wahl-Fahrt. Unter dem Motto „miteinander – füreinander“ ist in dem historischen Gemäuer ein offener Treffpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger entstanden, mit dem Ziel, durch Veranstaltungen und Mitmach-Angebote das bürgerschaftliche Engagement und den Gemeinsinn zu fördern.

„Kirche ist nicht für sich selber da. Wir möchten dazu ermutigen, zu schauen, wo Zusammenarbeit möglich ist“, sagte Dr. Oliver Schütz, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung in Ulm und im Alb-Donau-Kreis, auch mit Blick auf die sich wandelnde Sichtweise aufs Ehrenamt und bei der Bereitschaft zu Engagement. Denn auch viele Kirchengemeinden stehen vor der Herausforderung, das Ehrenamt neu zu denken, wie Lucia Zimprich von der Koordinationsstelle Ehrenamt der katholischen Kirche erklärte. Mit zehn solchen Modelleinrichtungen wie dieser in der Seelsorgeeinheit Ehingen-Stadt will die Diözese Rottenburg-Stuttgart auf die Veränderungen reagieren – etwa durch die Möglichkeit zu mehr projektbezogenem Engagement – und so das Ehrenamt insgesamt weiterentwickeln und stärken.

Ein leidenschaftliches Bekenntnis zum Engagement in der Kirche legte die gewählte Vorsitzende des Dekanatsrats, Margit Röcker, auf der Rückfahrt des KGR-Wahl-Fahrt-Busses ab und ermunterte die Mitfahrer auch zur Mitarbeit auf Dekanatsebene. Dieses langjährige Engagement habe sie keinen Tag bereut, sagte Margit Röcker.